P!nk - Try This - Cover
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P!nk Try This


  • Label: Arista/BMG
  • Laufzeit: 55 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Alecia Moore, alias Pink, ist die Punk-Rockerin unter den weiblichen Popstars. Wild, zügellos und ohne Tabus. Mit ihrem zweiten Album „Missundaztood“ feierte sie weltweite Erfolge und stieg mit zwölf Millionen verkauften Einheiten zu den umsatzträchtigsten Künstlern des BMG-Labels auf. Nach Dauerpräsenz auf MTVIVA, ausgiebigen Tourneen rund um die Welt und diversen Awards erscheint nun mit „Try this“ das neue Album der 24-Jährigen, das ihrem Label wichtige Marktanteile im Weihnachtsgeschäft sichern soll.

Standesgemäß wird das Album von der ersten Singleauskopplung „Trouble“ (die Soundtrack-Single „Feel good time“, die sich ebenso auf der CD tummelt, lassen wir mal außen vor) eröffnet. Den rauen, krawalligen Song hat Pink zusammen mit Punk-Ikone Tim Armstrong von Rancid geschrieben, der sich mit Pink die Credits auf insgesamt zehn Songs teilt und somit fast das ganze Album produzierte. Pink lernte den Kopf der kalifornischen Punk-Rock-Truppe auf einem Video-Shoot in Los Angeles kennen, wo es „klick“ machte. Sie ging mit ihm und den Foo Fighters auf Tournee, schlief im selben Tourbus und schrieb mit Armstrong zehn Songs innerhalb einer Woche, die im mobilen Tour-Studio aufgenommen wurden. Darüber hinaus wirkte auch wieder die Hit-Schmiedin Linda Perry mit, die allein acht Songs zu „Missundaztood“ beisteuerte sowie Blink-182-Drummer Travis Barker und die Herren Beck Hansen und William Orbit. Doch Hauptverantwortlicher für den Sound auf „Try this“ ist Tim Armstrong – und das hört man sehr deutlich.

Rockmusik, oder besser gesagt das, was Pink dafür hält, ist an die Stelle von Dance-Pop, R&B oder gemäßigtem Gitarren-Pop getreten, sodass den Hörer potenzielle Hitsingles wie „Get the party started“, „Just like a pill“, „Family portrait“ oder „Don’t let me get me“ nach den ersten ein, zwei Hördurchgängen nicht unbedingt anspringen. Fräulein Moore begründet dies damit, dass sie keinen Bock auf eine schlichte Hit-Reproduktion hatte. „Beim letzten Album dachte jeder, dass ich komplett durchgeknallt war. Ich änderte die stilistische Richtung und erntete dafür so gut wie keine Unterstützung, bis zu dem Zeitpunkt, als ich mit der Hälfte des Albums fertig war“, erinnert sich Pink. „Dieses Mal konnte ich tun, was ich wollte. Also mischte ich zunächst Death Metal mit Opernmusik, aber das funktionierte nicht wirklich“, scherzt Pink. Na ja, so schlimm ist es dann auch nicht geworden, das dritte Werk des Mädchens aus Philadelphia. Trotz fehlender Hits und berauschenden Songs, die einem beim Vorgänger noch lange im Gehör blieben, gibt es auch heuer einige überdurchschnittliche bis gute Songs zu begutachten. Dass diese ausgerechnet aus der Feder von Linda Perry stammen – ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Besagte Lieder sind das Old-School-R&B-beeinflusste „Catch me while I’m sleeping“, der Retro-Led-Zeppelin-Track „Waiting for love“ und der poppige Rock-Kracher „Try too hard“.

Die nächste Singleauskopplung von „Try this“ wird „God is a DJ“, eine Kollaboration mit Billy Mann. Das Stück ist eine coole Partynummer, die auf der Tanzfläche genauso gut funktioniert, wie in einem Rock-Schuppen. Ebenso spleenig verschmelzt „Humble neighborhoods“ wilde Dance-Beats mit harten Rock-Riffs und reinem Adrenalin. Das Resultat lässt sich, ähnlich wie die Person Pink, schwer in eine Schublade pressen. „Last to know“ ist zwar kein kreatives Highlight, bollert aber mit ziemlicher Power aus den Speakern, denn hier ist Grimm angesagt. Pink rechnet mit einem Typen ab, der nicht, wie versprochen, zu ihrer Show kommt und bestätigt damit, dass auch Rockstars ihre Probleme mit beziehungsunfähigen Kerlen haben. „Tonight's the night“ geht mit coolem Samba-Dance-Groove und beschwingten Trompeten ganz gut ins Ohr. Die soulige Soft-Core-Nummer „Oh my god“ mit Rapperin Peaches, die Pink als „this hot Canadian born, Berlin-bred, Jewish rapper girl” bezeichnet, sorgt beim Hörer für einen Satz rote Ohren. Die beiden heißen Feger werden zu sanften Raubkatzen, die den Männern auf erotische Weise Honig ums Maul schmieren. Schwing!

Auch wenn das neue Album weit weniger von Pinks Selbstfindungstherapie aufweist als der Vorgänger, sind autobiografische Elemente nach wie vor präsent. So setzt der persönlichste Moment des Albums mit dem Stück „Love song“ einen bewegenden Schlusspunkt, den Pink zusammen mit Dionne Warwicks Sohn Damon Elliot schrieb und produzierte. Das Motto von „Try this“ lässt sich recht passend mit „erwarte das Unerwartete“ beschreiben. Das Album ist eine genauso verwirrende wie überwältigende Rock- und Pop-Ausgeburt einer Künstlerin, die nur so vor Selbstbewusstsein strotzt. Die neuen Songs sind nicht mehr so radiokompatibel, sodass sie auch nicht sofort ins Ohr gehen. Doch das muss ja nicht schlecht sein. Gibt man den 14 Songs (+ einem Hidden-Track) etwas Zeit zur Reife, wird man als Liebhaber von „Missundaztood“ auch an diesem Album seine wahre Freude haben.

Anspieltipps:

  • Trouble
  • Oh my god
  • Save my life
  • Waiting for love
  • Humble neighborhoods
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