Air - Talkie Walkie - Cover
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Air Talkie Walkie


  • Label: Labels/EMI
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Achtung: Diese Musik aus Frankreich bietet Angriffsflächen en masse. Verkopft, steril, oder wahlweise seicht soll sie sein. Zumindest letzteres ist ja nicht ganz aus der Luft gegriffen, die Musik dieser eigenwilligen Franzosen von Air will sicherlich niemandem weh tun und einfach nur schön seicht sein. Aber hin und wieder ist die Musik von „Air“ einfach nur passend am richtigen Ort an der richtigen Stelle: Musik für den Morgen danach oder die Zeit zwischen Mitternacht und Sonnenaufgang. Jedenfalls nicht ganz von dieser Welt scheint auch die neue Platte von Nicolas Godin und Jean Benoit Dunckel. Musik, die am besten unter Kopfhörern und beim weltvergessenen Stieren an die Decke funktioniert. Der Soundtrack zum Tagträumen.

Ein musikalisches Konzept, das sich seit dem Durchbruch, dem hochgelobten „Moon Safari“ nicht mehr groß geändert hat. Eine wohldosierte Mischung aus Trip-Hop, Elektro-Dance-Gefrickel und einer Prise Indie-Pop-Melodieseligkeit. Aber dennoch will „Talkie Walkie“ (der französische Name für „Walkie Talkie“) nicht in dem Maße begeistern wie noch „Moon Safari“ oder auch das 2001 Werk „10 000 Hz Legend“. Zwar sind Lieder wie „Venus“ mit seinem schleppenden Klavier im Hintergrund und der sphärischen Hookline über alle Maßen erhaben und für einen Song wie „Alone In Kyoto“, der den wunderbaren Sofia Coppola-Film herrlich melancholisch ergänzt, kann man den Franzosen eigentlich nur dankbar sein. Und „Run“ scheint ja nun gar nicht von dieser Welt zu sein, und das im positiven Sinne.

Insgesamt muss jedoch konstatiert werden, dass es bei „Air“ mit „Talkie Walkie“ etwas abwärts geht. Vielleicht weil dieses träumerische Schwelgen ein kleines bisschen ausgelutscht daherkommt? Gerade im Mittelteil betreten Air hauptsächlich mehr als ausgetretene Pfade, die keinen noch so von bewusstseinserweiternden Drogen schwangeren Freund ihrer Musik von dem Ofen weglocken können.

Aber dann überzeugen Air wieder mit frischen Songs wie dem, ähem, originell betitelten „Alpha Beta Gaga“, dessen naive Instrumentierung durchaus zu gefallen weiß. Ein Widerspruch in sich scheint diese Platte manchmal zu sein. Mal einfach nur uninteressant und seicht, dann wieder schön, gerade wegen ihrer Schlichtheit. Vielleicht ist es aber auch einfach nur der Versuch von Air, ihren bewährten Weg weiterzugehen – das letzte Werk „Everybody Hertz“, ein Remix-Album, hinterließ einen schalen Beigeschmack – und sich auf seine Stärken zu besinnen. Das klingt manchmal sehr fein, manchmal aber auch etwas langweilig und irrelevant. Kann man haben, muss man aber nicht.

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