Sarah Connor - Key To My Soul - Cover
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Sarah Connor Key To My Soul


  • Label: X-Cell/SONY
  • Laufzeit: 55 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Im Vergleich zum Vorgängeralbum präsentiert sich Sarah Connor auf „Key to my soul“ deutlich ruhiger.

Deutschland deine Superstars - eine Geschichte in mehreren, unendlichen Akten. Denn kaum hat ein Sender eine Casting-Staffel beendet, startet der nächste Sender eine neue. Inzwischen möchte man meinen, dass die vorderen Chartränge nur noch für gecastete Möchtegernkünstler reserviert sind, mit denen sich die Plattenfirmen ihr Grab schaufeln. Oder glaubt von den hohen Major-Label-Herren wirklich einer ernsthaft daran, dass mit Boygroups wie Overground, Volldeppen wie Daniel Küblböck oder gesichtslosen Muttersöhnchen wie Alexander langfristig ein Staat zu machen ist? Hier geht es nur um die schnelle Kohle, aber nicht um gezielten Künstleraufbau, der auch in zehn Jahren noch für volle Kassen sorgt. Ein Teufelskreis, an dem die Plattenfirmen früher oder später kaputt gehen werden.

Traurig aber wahr: Die meisten, etablierten deutschen Musikstars würden heute gar keinen Plattenvertrag mehr bekommen, weil sie nicht in das Kompatibilitätsraster fallen. Wie schön, dass es auch noch heimische Acts gibt, die ohne Casting-Show auf Platz 1 der Charts gelangen. Eine dieser Ausnahmen ist Sarah Connor, die man im Hause Sony Music als Popstar für ganz Europa aufzubauen versucht. Bereits mit ihrer Debütsingle „Let's get back to bed boy!“ vom Album „Green eyed soul“ traf Sarah Connor im Frühjahr 2001 mitten ins Schwarze: Platz zwei der Singlecharts in Deutschland, Top Ten Platzierungen im europäischen Ausland, Platz 15 der European Top 100. Nach wenigen Wochen folgten für Single und Album Gold-Auszeichnungen in Deutschland und Österreich. Mit der Single „From Sarah with love“ vom Album „Unbelievable“ (2002) stellte die Delmenhorsterin einmal mehr ihre Stimmgewalt unter Beweis. Die Single war wochenlang auf Platz 1 der deutschen Singlecharts, wurde bereits nach wenigen Tagen vergoldet und erzielte mittlerweile mit über 750.000 verkauften Einheiten dreifach Gold! Inzwischen dürften die Gesamtverkaufszahlen bei geschätzten zwei Millionen Tonträgern liegen. Kein Wunder, dass das Label große Stücke auf die Dame hält und langfristig in das Starlet investiert.

Doch plötzlich war Eile angesagt. Frau Connor ist inzwischen im siebten Monat schwanger und bevor sich das Mädel in den Schwangerschaftsurlaub zurückzieht, musste ihr drittes Album „Key to my soul“ eingesungen werden. Sicher war man auch so umsichtig, ein paar Videoclips vorzuproduzieren, damit die nächsten Monate überbrückt werden können. Als Vorbote schickte man die Single „Music is the key“ ins Rennen, die durch ihren balladesken Bombast ideal fürs Weihnachtsgeschäft ist. Allerdings sollte die Frage gestattet sein, weshalb Connor, die Aretha Franklin, Stevie Wonder, Michael Jackson und Missy Elliott als ihre Vorbilder angibt, bei diesem Song auf dreisteste Weise den ´95er Megahit „One sweet day“ von Mariah Carey und Boyz II Men abkupfert. Nicht nur, dass Stil und Melodieführung unglaubliche Ähnlichkeiten aufweisen, man lud sich sogar die New Yorker Acapella-Künstler Naturally 7 ins Studio ein, um das Deja-vu-Erlebnis komplett zu machen. Da haben die Produzenten ein glattes Eigentor geschossen, selbst wenn die Single eine hohe Chartplatzierung einfahren sollte.

Im Vergleich zum Vorgängeralbum präsentiert sich Sarah Connor auf „Key to my soul“ deutlich ruhiger. Soulige Balladen („For the people“) treten an die Stelle von Dance-Beats, die nur noch selten vorkommen („Are u ready to ride?“). Kein Wunder, konnte man doch als Songwriter Größen wie Narada Michael Walden (Stevie Wonder, Whitney Houston, Aretha Franklin) und Diane Warren (Toni Braxton, Celine Dion, Anastacia) gewinnen, die mit „I'm gonna find you“ bzw. „I want some of that“ zwei Kompositionen beisteuerten. Besagter Soul ist den 13 Songs auf „Key to my soul“ allerdings kaum anzuhören. Auf dem Silberling regieren Kitsch, Bombast und auf den Mainstream zurechtgeschnittener Allerweltspop („When two become one“), der mit einer dicken Lage Zuckerguss versehen wurde. Wer da keine Kopfschmerzen bekommt, ist entweder hart im Nehmen oder tut das einzig richtige und nutzt das Album als Hintergrundbeschallung zum Bügeln, Abwaschen oder Staubsaugen, wobei ich letzteres wegen der Geräuschkulisse bevorzuge. Wie schon bei den Vorgängern, nerven die weich gespülten Standardsounds („Daddy´s eyes“) und harmlosen Beats („My intuition“) auf Dauer doch erheblich. Natürlich können sich Songs wie „Love is color-blind“, mit dem alten Genossen TQ als Gast, oder „Just one last dance“ locker in allen Charts der Welt platzieren. Doch haben die Produzenten bei „Love is color-blind“ nicht etwas zu genau bei Coolios „Gangsta´s paradise“ zugehört? Und klingt „Just one last dance“ nicht wie eine Mischung aus „From Sarah with love” und „Skin on skin“? So nicht, Freunde! Hier soll der Hörer augenscheinlich veräppelt und von Frau Connors samtweicher, lasziv angerauter Stimme hinters Licht geführt werden.

Connor und ihre Produzenten bedienen sich schamlos an fremden Riffs, Harmonien, Beats und Ideen und verwursten diese zu einem zuckersüßen Brei aus Pop und Soul. Das ist nicht nur langweilig, sondern auch ziemlich ärgerlich. „Key to my soul“ ist reinste Zeitverschwendung und präsentiert nicht mehr als gut gemeinte Fahrstuhlmusik, mit der die Diva aus Delmenhorst auch in Zukunft im transparenten Kleidchen die Pinkelpausen bei „Wetten, dass..?“ beschallen kann. Zu mehr reicht es definitiv nicht, deshalb kann Frau Connor den „Schlüssel zu ihrer Seele“ gerne behalten!

Anspieltipps:

  • When two become one
  • Are u ready to ride?
  • Love is color-blind
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