Blink-182 - Blink-182 - Cover
Große Ansicht

Blink-182 Blink-182


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 47 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Die große Leistung besteht hier darin, sich sowohl weiterzuentwickeln, als auch die Fans nicht allzu sehr zu verschrecken. Davor kann man den Hut ziehen.

Es klingt absurd und an der Grenze des Unvorstellbaren. Aber es muss gesagt werden: Die amerikanischen Fun-Popper Blink 182, deren entkernte Version des Ur-Punk Millionen pickliger Gören zu begeistern wusste, sind erwachsen geworden. Ob es ein Wunder ist, oder einfach nur der Sieg der Gerechtigkeit über den Schwachsinn, muss jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist: „Blink 182“, das neueste Album des Punk-Trios ist eine faustdicke Überraschung, und das im positiven Sinne.

Klang man bis vor kurzem noch wie die unheilvolle Heirat des Punk mit dem Kommerz, der Highschool mit dem Underground und sang man auf „Take Off Your Pants And Jacket“ noch über Popel und Pisse, so klingt man jetzt auf „Blink 182“ wie eine Mischung aus Green Day und Jimmy Eat World. Also doch ein Wunder? Die Tatsache, dass das aktuelle Studioalbum selbstbetitelt daherkommt, dürfte man als Beweis dafür werten, dass die Amerikaner vielmehr jetzt erst ihre Essenz erreicht zu haben glauben. Zu begrüßen ist das auf jeden Fall. Schon der Opener „Feeling This“ klingt in seiner Vertracktheit wie nichts, was bisher von den rotzfrechen Amis zu hören war. Und dennoch hat dieser Opener schon eine wunderbare Melodie, die länger haften bleibt als die alten Hits wie „Rock Show“ oder „All The Small Things“ zusammen.

In diesem Stile geht es konsequent weiter. Sicher, hin und wieder hat man die pubertären Hymnen doch noch im Gepäck („Obvious“, „Asthenia“), aber nie klang der Blink 182-Sound ausgereifter, frischer und besser. Hinzu kommen Gäste wie Robert Smith von The Cure, der das durchaus prätentiöse „All Of This“ zu allem werden lässt, nur nicht zu einem Song, von der in den Verdacht kommen würde, von Blink 182 zu sein. Zum Glück – möchte man fast sagen – folgt auf diese doch sehr progressive Einlage mit „Here’s Your Letter“ wieder ein bisschen mehr konventionelles Sing-Along-Party-Material, das die Fans nicht zu sehr verschrecken dürfte.

Insgesamt aber klingt „Blink 182“ eine Spur anders. Songs gehen ineinander über, das Album wirkt wie aus einem Guß und Soundcollagen wie das experimentelle „The Fallen Interlude“ durfte man von den Endzwanzigern Tom, Mark und Travis bisher noch nie hören. Dabei sind die Texte nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluß, wenn auch arg doofe Themen wie Masturbation oder Coitus Interruptus diesmal außen vor bleiben.

Um es auf den Punk zu bringen: Das neue Album von „Blink 182“ stellt eine sehr begrüßenswerte Entwicklung dar, wenn es auch noch lange nicht Emo-Größen wie die Rival Schools oder Jimmy Eat World erreicht. Mit ebendiesen sind Blink 182 jetzt eben auch zu messen, denn noch nie klang ihr Sound so sehr nach Emo wie eben anno 2003. Die große Leistung besteht hier aber wohl darin, sich sowohl weiterzuentwickeln, als auch die Fans nicht allzu sehr zu verschrecken. Davor kann man den Hut ziehen.

Anspieltipps:

  • Feeling This
  • I Miss You
  • Always
Neue Kritiken im Genre „Punkrock“
Diskutiere über „Blink-182“
comments powered by Disqus