Korn - Take A Look In The Mirror - Cover
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Korn Take A Look In The Mirror


  • Label: Epic/SONY
  • Laufzeit: 57 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Für das neue Album nahm Jonathan Davis die Zügel selber in die Hand und produzierte das Werk kostengünstig in den eigenen Studios in Tarzana.

Gott verdammtes Internet! Kaum dass eine neue Platte einer teenagerrelevanten fertig gestellt ist, taucht sie auch schon in bestechender Qualität illegal im Internet auf. Zwar geben es nur wenige Künstler zu, aber über diesen Diebstahl ihres kreativen Gedankenguts ist keiner wirklich erfreut. Nur kann man dies nicht öffentlich äußern, da man in der verkaufsrelevanten Zielgruppe dann sofort als total uncool und somit als out gilt. Zwar zieht sich das illegale Beschaffen und Verbreiten von Bild und Ton durch alle Altersschichten, doch gerade die Jugendlichen haben das Brennen und Kopieren zum Volkssport erhoben. Was bildet sich diese Generation eigentlich ein und vor allem, warum besitzt sie keinerlei Unrechtsbewusstsein mehr? Durch dieses Verhalten werden Arbeitsplätze und kreatives Potenzial auf massive Art und Weise vernichtet. Aber es ist wie immer: merken werden wir es erst, wenn es längst zu spät ist.

Was das mit Korn zu tun hat? Nun, auch bei dieser Band steht dieser Tage die Veröffentlichung einer neuen CD an. Doch obwohl das Album „Take a look in the mirror“ noch gar nicht in den Läden steht, gibt es die Songs bereits auf allen Internet-Tauschbörsen. Aus diesem Grund reagierte Sony Music und zog, genau wie Universal bei Metallicas „St. Anger“, den Verkaufsstart in den USA um vier Tage vor. So hofft man der illegalen Verbreitung den Wind aus den Segeln zu nehmen. Klar, die Fans sind heiß auf das neue Langeisen. Und das, obwohl der Vorgänger „Untouchables“, gemessen an den Produktionskosten von ca. vier Millionen Dollar, mit einer Million verkaufter Einheiten in den USA ein Flop war und auch künstlerisch eher zwiespältig aufgenommen wurde (die Michael-Beinhorn-Produktion fiel den meisten zu melodisch und nicht düster genug aus). Doch die Nu-Metal-Gemeinde lechzt nach neuen Songs aus dem Hause Reginald „Fieldy“ Arvizu (Bass), James „Munky” Shaffer (Gitarre), David Silveria (Drums), Brian „Head” Welch (Gitarre) und des Ex-Leichenbeschauers Jonathan Davis (Vocals). Jeder will als erster die neuen Stücke der Quasi-Erfinder des Nu-Metal hören, die auf ihrem Debüt anno 1994 die wütende Attitüde des HipHop und die bedrohliche Gewalt des Death Metal auf unnachahmliche Weise miteinander verbanden und durch gnadenlose Bass-Grooves und extrem tiefe Riff-Kanonaden siebensaitiger E-Gitarren zu einem viel kopierten Trademark machten.

Für das neue Album nahm Jonathan Davis die Zügel selber in die Hand und produzierte das Werk kostengünstig in den eigenen Studios in Tarzana, Kalifornien, nachdem er die Ideen der Bandmitglieder auf einem 3-Wochen-Bus-Trip quer durch die USA in fertige Songs umwandelte. Die Marschroute lautet „zurück zu den Wurzeln und diese Spontaneität hört man dem Werk auch an. Es geht deutlich härter zur Sache, wie schon der grollende Opener „Right now“ zeigt. Die Bässe wüten wie ein Erdbeben während sich Davis’ Vocals zwischen psychopathischem Flüstern und rauen Brüll-Parts („I fuckin’ hate you!!“) abwechseln. Bei „Break some off“ wird das Bollern der Dampfwalze durch akustische Parts unterbrochen. Trotzdem bleibt die Aggressivität nicht auf der Strecke. Auch „Counting on me“ bietet einen stetigen Wechsel zwischen lauten und leisen Parts. Hier drückt sich das Basssound besonders tief in die Magengrube. „Did my time“ kennt man bereits als Beitrag zum Film „Tombraider 2“. Das Stück war als Single überraschend erfolgreich und setzt auf dynamische Bass-Grooves und an Machine Head erinnernde Gitarren. Ursprünglich sollte das Stück für das letzte Album verwendet werden, doch Produzent Michael Beinhorn lehnte es ab.

„Everything I’ve known“ ist ein atmosphärisches Groove-Ungetüm, das ebenso auf die genretypischen laut/leise Changierungen setzt. Bei „Play me“ erhielten Korn Unterstützung von Rap-Star Nas, der sich mit Jonathan Davis ein wütendes Duett oder besser Duell liefert. Bei „Alive“ klingt der Bass wie ein rostiger Nagel, an dem herumgekratzt wird. Das Stück stammt aus einer alten Demosession mit Ross Robinson, dem Producer des Korn-Debüts. Diesen beinahe klassischen Korn-Sound hört man dem Stück deutlich an. Dazu grunzt Davis zwischendurch wie ein waschechter Black-Metal-Shouter, dass einem angst und bange wird. „Let’s do this now“ ist die Auferstehung des Dudelsacks, den die Band in der Vergangenheit gerne mal verwendete. Bis auf den gewalttätigen Text („Let me watch your blood hit the ground“) bietet der Track aber nichts Besonderes. „Y’all want a single“ ist ein böser Gruß an alle Plattenfirmen, die immer nur nach einem Hit suchen. Korns Antwort ist ein etwas alberner Metal-Rap im Limp-Bizkit-Stil, der eben diesen Ansinnen nachkommen soll.

„Take a look in the mirror“ ist ein routiniert gutes Album geworden, das mit alter Aggressivität aufwartet und den High-End-Bombast des Vorgängers weitgehend über Bord geschmissen hat. Die Fans werden mit dem Material sicher voll zufrieden sein. Ob das schlingernde Schiff Nu-Metal damit wieder auf Kurs gebracht werden kann, wird die Zukunft zeigen. Eine Sensation ist dieses Album nämlich auch nicht.

Anspieltipps:

  • Right now
  • Did my time
  • Counting on me
  • Y’all want a single
  • Everything I’ve known
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