Tori Amos - Tales Of A Librarian - Cover
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Tori Amos Tales Of A Librarian


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 79 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine 20 Songs umfassende Essenz aus über 10 Jahren Musikkarriere.

Wenn Popstars die Plattenfirma wechseln, ist die erste Amtshandlung des verlassenen Labels, noch schnell irgendein Material des abtrünnigen Künstlers auf den Markt zu verwerfen, um weiterhin Kasse zu machen. Dagegen kann sich ein Künstler in den allermeisten Fällen nicht wehren, schließlich besitzt er nicht die Rechte am eigenen Gedankengut. So er scheinen Jahr für Jahr haufenweise Compilation-CDs, die von den Musikern nicht autorisiert wurden. Nur in ganz seltenen Fällen wird auch nach einem Plattenfirmenwechsel sehr behutsam mit Oeuvre eines Künstlers umgegangnen und dieser im Falle eines Falles in die Zusammenstellung einer Compliation miteinbezogen.

So geschehen bei dem jüngst erschienen Tori-Amos-Werk „Tales of a Librarian: A Tori Amos collection“. Bei dieser allerersten Compilation der preisgekrönten Songschreiberin auf dem Atlantic Label, hat sich die vor kurzem zu Epic/Sony gewechselte Musikerin aus North Carolina persönlich um das Material gekümmert und teilweise im Studio die alten Mehrspuraufnahmen überarbeitet, um dem Hörer eine neue Perspektive hinsichtlich einiger ihrer beliebtesten Songs zu ermöglichen. Zusätzlich enthält das Album zwei neue Songs: „Angels“ (ein gefühlvoller, zurückhaltender Popsong) und „Snow cherries from France“ (ein beschwingter Song mit luftigen Piano- und Gitarren-Harmonien), sowie die neu aufgenommenen Interpretationen von zwei sehr raren B-Seiten - „Mary“ war ursprünglich auf der europäischen Version der „Crucify“-Single. Es handelt sich um einen akustischen Gitarren-Popsong, der mit einer wunderbaren Melodie aufwartet. „Sweet dreams“, ein funky Piano-Popsong, stammt von der ’92er „Winter“-Single.

Tori Amos zählt zu den einflussreichsten und am meisten gefeierten Künstlern der modernen Zeit. Ihre Karriere begann mit dem Album „Little earthquakes“ (1992), für das sie in den USA mit Doppel-Platin ausgezeichnet wurde. Jede darauf folgende Platte erhielt mindestens Platin. Insgesamt konnte sie mehr als zwölf Millionen Alben absetzen und wird zurecht zu den Vorreitern der weiblichen Singer/Songwriter-Welle der 90er-Jahre gezählt. Seit 1994 wurde sie für bisher acht Grammies (dreimal als „Best Rock Female Vocal“ sowie fünfmal als „Best Alternative Music“) nominiert. Amos Musik wurde von Anfang an mit der von Kate Bush verglichen, die in den Achtzigern zu den Ikonen der weiblichen Songschreiber zählte. In den 90er-Jahren nahm Tori Amos den Platz von Kate Bush ein und überraschte mit vertrackten Melodien und kryptischen Texten. War das Debütalbum „Little earthquakes“ eher nur Insidern bekannt, hatte bereits das ´94er-Werk „Under the pink“ einen entscheidenden Vorteil: Das Zweitwerk enthielt mit der Single „Cornflake girl“ einen weltweiten Hit, der sich mit seinem genialen Piano-Riff tief in das Gedächtnis der Hörer einprägte und natürlich auch auf „Tales of a Librarian“ vertreten ist, das einen äußerst gelungenen Querschnitt durch das Schaffen der Amerikanerin darstellt.

Ihre Songs sind Kombinationen aus himmlischen Melodien („Mary“, „Winter“, „Spark“, „Crucify“, „Tear in your hand“), expressionistischen Pianoläufen („Silent all these years“, „Way down“), rhythmischen Schrägheiten („God“, „Mr. Zebra“), Dance-Pop-Ausflügen („Professional widow“) und intimen Einblicken („Me and a gun“, „Bliss“, „Playboy mommy“), die auf dieser Werkschau in frischem Glanz erstrahlen. „Tales of a Librarian“ ist keine „Greatest Hits“- oder „Best Of”-Sammlung im herkömmlichen Sinn, da es sich bei Tori Amos um keine Künstlerin handelt, die man anhand von Singlehits klassifiziert. Trotzdem ist diese 20 Songs umfassende Essenz aus über 10 Jahren Musikkarriere für Fans und Neueinsteiger gleichermaßen unverzichtbar.

Anspieltipps:

  • Silent all these years
  • Tear in your hand
  • Precious things
  • Cornflake girl
  • Crucify
  • Winter
  • Mary
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