Cyndi Lauper - At Last - Cover
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Cyndi Lauper At Last


  • Label: Epic/SONY
  • Laufzeit: 50 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Auf „At Last“ interpretiert Cyndi Lauper insgesamt 12 Klassiker und Standards, die sie von Kindesbeinen an begleiten.

Es ist in keiner Weise despektierlich gemeint, wenn man bei Cyndi Lauper von der großen, alten Dame der Rrrrriot-Girl-Bewegung spricht. Mit den Songs „Girls just wanna have fun“, „True colors“, „Time after time“ und „All through the night“ von ihrem Debütalbum „She’s so unusual“ (1984) prägte die Sängerin aus dem New Yorker Stadtteil Queens den Sound und die Optik des 80er-Jahre Pop nachhaltig. Ihre wild auftoupierte, grell leuchtende Haarpracht, großmaschige Netzstrümpfe und ein selbstbewusstes Mundwerk waren ein optisches Markenzeichen, das ihre Musik noch besser zur Geltung brachte. „She’s so unusual“ verkaufte sich alleine in den USA über sechs Millionen mal und ist bis dato das erfolgreichste Album in Cyndi Laupers Karriere. Inzwischen ist die Grande Dame 50 Jahre alt und kann von sämtlichen Höhen und Tiefen eines Musikerlebens berichten.

Anstatt auf Nummer Sicher zu gehen, löste sich Lauper mit ihrem Zweitwerk „True colors“ vom New-Wave-Image und schlug gemäßigte Poptöne an. Trotz eines immensen Staraufgebots (Billy Joel, Aimee Mann, The Bangles, Nile Rodgers) und der zweifellos vorhandenen Qualität des Albums, kann es den Vorgänger nicht toppen. Im Gegensatz zur fast gleichzeitig gestarteten Madonna beginnt der Stern der Sängerin stetig zu sinken. Obwohl es hin und wieder kleine Achtungserfolge zu vermelden gibt (die Single „I drove all night“ vom´89er-Album „A night to remember“ erhielt eine Grammy-Nominierung), können die sich nachfolgenden Alben in den Charts nicht mehr durchsetzen. Das komplett fertig gestellte Album „Shine“ (2001) erblickt gar nicht erst das Tageslicht, weil der Vertragspartner Edel Records in finanzielle Schwierigkeiten gerät. Erst Ende 2003, nahezu zwanzig Jahre nach ihrem fulminanten Debüt, veröffentlicht die Sängerin und Schauspielerin („Goonies“), die bei jungen, hippen Bands wie den Strokes derzeit große Wertschätzung erfährt, nach mehrjähriger Musikabstinenz mit „At last“ ein neues Album.

Auf „At last“ interpretiert Cyndi Lauper insgesamt zwölf Klassiker und Standards, die sie von Kindesbeinen an begleiten, darunter All-Time-Favourites wie „Walk on by“, „Unchained melody“ und „La vie en rose“. Die CD wurde von Russ Titelman (James Taylor, Eric Clapton, George Benson, Randy Newman) produziert und stellt laut Cyndi Lauper eine Sammlung von Geschichten dar. Geschichten von Leuten, die sie beobachtete, während sie aufwuchs. Stories, die sie sammelt, seit sie fünf Jahre alt ist. „At last“ ist Laupers Ode an die New Yorker Jazz-Clubs und Piano-Bars, aus denen die Songs wie ein Windhauch aus längst vergangenen Zeiten wehen. So gibt es unter anderem eine feurige Version von „Stay” mit kräftigen Bläser-Riffs und viel kubanischem Flair zu bestaunen, oder ergreifende Fassungen von „La vie en rose“ und „Unchained melody“, bei denen sich Lauper nur vom Piano und minimalen Geigen- und Basstupfern begleiten lässt. Gerade bei solchen Stücken merkt man, dass die Stimme der 50-Jährigen unheimlich gereift ist und ganz neue Facetten dispensiert. Da bedeutet aber auch, dass das Album absolut nichts mit dem wilden Pop-Punk ihrer Anfangstage zu tun hat, sondern fast völlig in eine melancholisch, herbstliche Swing-Stimmung abtaucht.

Passend dazu wird dem Hörer mit „Makin’ whoopee“ ein Duett mit dem Swing-Haudegen Tony Bennett präsentiert oder der Nina-Simone-Klassiker „My baby just cares for me“ in einen vertrackt groovenden Jazzsong mit „aktualisiertem“ Text umfunktioniert. Dem treibenden „Don’t let me be misunderstood“ wird das Tempo vollständig entzogen und der Song in eine gewaltige Pianoballade verwandelt, die wie erkaltende Lava aus den Boxen läuft. Das sind einige der Höhepunkte des Werkes. Doch nicht alle Neuinterpretationen auf „At last“ sind zu 100% gelungen. Manchmal geht es doch arg schräg zu. Aber das verleiht dem Album einen gewissen Charme und die berühmten Ecken und Kanten. Die CD versprüht ein feines 50er-Jahre-Feeling und passt hervorragend in die dunkle Jahreszeit, sodass es sich mit „At last“ vor dem Kamin, mit einem guten Glas Rotwein, richtig gemütlich machen lässt.

Anspieltipps:

  • Stay
  • Walk on by
  • La vie en rose
  • Unchained melody
  • Don’t let me be misunderstood
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