Jay-Z - The Black Album - Cover
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Jay-Z The Black Album


  • Label: Def Jam/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 56 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein weiterer großer Rapper möchte sich aus dem Musikbiz verabschieden, jedenfalls als Solokünstler. Shawn Corey Carter, alias Jay-Z aus New York wird sich vorerst in Sachen Schauspielerei beweisen, wo er bereits Erfahrungen in den Roc-a-fella-Filmen „Street is watching“, „Paper soldiers“ und „State property“ sammelte. Den ganz großen Wurf in Hollywood-Produktionen muss Jay-Z erst noch landen, was er wohl demnächst auch in Angriff nehmen wird.

Die Fans waren vom Vorgängeralbum „The blueprint 2“ etwas enttäuscht, weil sich neben den vielen starken Stücken, auch einige durchschnittliche Tracks darauf befanden und man etwas den Eindruck vermittelt bekam, als sollten diese dazu dienen, das Album aufzufüllen. Außerdem fehlte der Zusammenhang untereinander. Jay-Z wollte mit „The blueprint 2“ Kultstatus erreichen wie es damals 2Pac mit seinem Doppelalbum „All eyez on me“ gelang, reagierte allerdings auf die Stimmung der Fans und brachte „The blueprint 2.1“ raus. Er wählte dabei seine 12 Favoriten aus den beiden Scheiben aus und packte diese auf eine Scheibe, weitere fünf Stücke gab es als Bonus oben drauf, darunter zwei neue Remix-Versionen, ein neuer Song und zwei Stücke aus „The blueprint 2“, die seiner Meinung nicht zu den ersten 12 passten. Der Erfolg gibt ihm Recht, denn dass voraussichtlich letzte Solowerk „The black album“ stieg bereits in der ersten Woche auf den ersten Platz der US Charts ein und erreichte wie auch die Vorgänger jeweils Gold- und Platinstatus, was man bei neun Longplayern in sieben Jahren erst einmal nachmachen muss. Die schwarzgefärbte Hülle des Albums weißt auch gleich auf den Titel „The black album“ hin. Dienste nimmt er dabei von einer ganzen Armada an Top-Produzenten in Anspruch - als da wären Just Blaze, Kanye West, The Neptunes, Timbaland, 9th Wonder, Eminem, Rick Rubin und DJ Quik. Welch Überraschung – so lang die Liste der Produzenten auch sein mag, es befindet sich kein einziges größeres Feature auf dem Album und auf R&B-Kollaborationen wurde ebenfalls verzichtet.

Den Anfang macht der autobiographische Song „December 4th“. Die einleitenden Worte gehören seiner Mutter Gloria Carter, die mit sämtlichen Daten von seiner Geburt am 4. Dezember 1970 beginnt und auch zwischendrin mit weiteren Geschichten, wie dem Erwachsenwerden ihres Sohnemannes, den Rap von Jay-Z unterbricht. Der Beat von Just Blaze, mit der richtigen Mischung aus Samples und Drums, ist für diesen Song sehr geeignet. Mit den folgenden Zeilen aus dem Song „What more can I say“ sorgte er bei Rap-Kollege Busta Rhymes für ein großes Missverständnis („And no I ain't get shot up a whole bunch of time, or make up shit in a whole bunch of lines, and I ain't animated like say a Busta Rhymes, but the real shit you get when you bust down my lines, add that to the fact I went plat` a bunch of times“), denn Busta Rhymes empfand dies als Diss und konterte gleich mit einem Track namens „You a memory“, dem er einer amerikanischen Radiostation zum abspielen gab. Jay-Z klärte dieses Missverständnis bereits auf, denn was er damit meinte, war dass animierte Videos nicht seine Stärke sind, wie sie eben Busta Rhymes Stärke sind. Wäre auch nicht klug gewesen, auf seinem letzten Album einen neuen Beef mit anerkannten Rapstars anzufangen.

Genauso dürfte 50 Cent die Anspielung in den bereits erwähnten Reimen, was die Schüsse betrifft, ganz cool sehen. Eher geht es darin um S. Carters Stärken, Schwächen und seine erreichten Ziele, um den Leuten zu verdeutlichen, was Ihnen nach seinem Rückzug fehlen wird. „I´m supposed to be number one on everybody´s list, we´ll see what happens when I no longer exist. Fuck this!“ Gegen Ende des Tracks wird der hymnenartige Beat abgeschaltet und es gibt eine kleine Freestyle-Einlage mit den gerade genannten Zeilen von Jay-Z. Einfach raushören lässt sich der Stifter des Beates zur bouncigen Singleauskopplung „Change clothes“. Die Neptunes haben hieran getüfftelt und so weißt dieser Track auch gewisse Ähnlichkeiten mit den Songs „Frontin`“ und „Excuse me miss“ (beide von den Neptunes produziert) auf, wobei es sich Pharrel auch dieses mal nicht nehmen ließ, den Refrain zu singen. Bei „Threat“ bediente man sich der Akkorde von „A woman´s threat“ von R. Kelly, veränderte diesen Sound nur minimal und versah diesen mit einigen Loops. Total uninspiriert und monoton wirkt dagegen der Sound von „Dirt off your shoulder“ von Timbaland, der schon mit besseren Produktionen zu überzeugen wusste. Im düsteren „Moment of clarity“ (produziert von Eminem) holt Jay-Z zu einem Schlag gegen seine Kritiker aus. Der rockige Old-School-Track „99 problems“ wurde mit Gitarrenriffs versehen und wirkt wie ein Song von den Beastie Boys. Das basshämmernde „Justify my thug“, produziert von DJ Quik, verwendet Samples aus „Justify my love“ von Madonna und „Rock box“ von Run D.M.C., gehört aber nicht zu den ganz großen Highlights des Albums. Es folgen die Uptempo-Nummer „Lucifer“ und das smoothere „Allure“. Den Abschluss macht ironischerweise das Stück „My 1st song“, das sich mit den Geschwindigkeiten von Midtempo bis Uptempo abwechselt und leicht bluesig angehaucht ist.

Anmerkung: Sicher kann man an ein Abschiedswerk auch höhere Erwarten stellen, auch wenn man lobenswerter Weise erwähnen muss, dass Jay-Z keinen einzigen Gastrapper einlud, sondern komplett alleine rappte. Vielleicht wünschte man auch zu sehr, dass mit „The black album“ ein Jay-Z-Klassiker á la „Reasonable doubt“ (sein Debütalbum) erscheinen würde. Fakt ist, dass zwar die meisten Songs überzeugen können, aber es auch nicht viel bringt, sich eine Menge hochrangiger Top-Produzenten an Bord zu holen, um potenzielle Klassiker zu fabrizieren. Auch die Spiellänge von 56 Minuten wäre ausbaufähig gewesen, um möglichst viel Material an den Mann zu bekommen, wobei das einigen Fans wohl auch wieder nicht gepasst hätte. Man kann nun hoffen, dass sich Jay-Z nach ein paar Jahren Pause wieder danach sehnt, ein Soloalbum zu machen und dieses die Karriere wesentlich besser abrundet.

Anspieltipps:

  • December 4th
  • What more can I say
  • Moment of clarity
  • My 1st song
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