Max Raabe - Palast Revue - Cover
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Max Raabe Palast Revue


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 103 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine 30 Songs umfassende Zusammenstellung von Max Raabe um seinem Palast Orchester, live aufgenommen im Festspielhaus zu Baden Baden.

Welcher Filmfreund erinnert sich nicht an Sönke Wortmanns Kult-Komödie „Der bewegte Mann“ aus dem Jahr 1992, in der zahlreiche deutsche Schauspieler ihren Durchbruch als Leinwandhelden feierten und dem beengten TV-Format entkamen? Damals hatte auch ein gewisser Max Raabe mit seinem Palast Orchester einen Auftritt in besagtem Film, als er die über 6 Millionen Kinobesucher mit „Kein Schwein ruft mich an“ anflehte. Schon damals war der 29 Jahre alte Raabe in Musikerkreisen kein unbeschriebenes Blatt. Doch mit diesem Kurzauftritt brannte sich Max Raabe in das Gedächtnis eines großen Publikums, das seine kongenialen Adaptionen der Musik der 20er- und 30er-Jahre bewundernd aufnahm.

Der aus dem westfälischen Lünne stammende Raabe machte seine ersten musikalischen Gehversuche im Kinderchor seiner Heimatgemeinde, später in der lateinischen Schola des von ihm besuchten Internats in Ost-Westfalen und der dort ansässigen Cantorei. Mit 18 Jahren entzog er sich dem Einfluss des Bistums Paderborn, um in die damals zwar noch eingeschlossene, aber doch weltoffene Stadt zu gehen, in der er seinem Ruhm eine Wiege zimmern sollte: Berlin. 1986 zählte er zu den Gründern des Palast Orchesters. Zwei Jahre später nahm Raabe an der Hochschule der Künste das Studium des Opernfaches auf, die ihn sieben Jahre später als staatlich geprüften Bariton entließ. Neben seinem musikalischen Engagement sammelte Raabe immer wieder Erfahrungen im Filmmetier. So trat er in Peter Zadecks „Der blaue Engel“ als Primaner auf. Zwei Jahre später gab er den „Dr. Siedler“ in der Berliner Kult-Inszenierung „Im weißen Rössl“. Er übernahm die Rolle des betrunkenen Antialkoholikers „Attilla“ in dem Fernsehfilm „Charleys Tante“ und gab in Werner Herzogs „Invincible“ einen Conférencier, der in den 30er-Jahren durch ein Varieté-Programm führt.

Das Hauptaugenmerk liegt aber noch wie vor auf der Musik. Und deshalb erscheint passend zum Weihnachtsgeschäft eine 30 Songs umfassende Zusammenstellung von Max Raabe um seinem Palast Orchester, live aufgenommen im Festspielhaus zu Baden Baden, dem Mekka der reichen Rentner und armen Glücksspieler. Max Raabe glänzt wie immer mit seiner stoisch nasalen Stimme, die von einem musikalisch über jeden Zweifel erhabenen Orchester begleitet wird, und präsentiert neben Eigenkompositionen wie „Klonen kann sich lohnen“ die großen Klassiker der 20er- und 30er-Jahre, als Berlin die kulturelle Hauptstatt Europas war. So erblüht Robert Stolz’ „orientalischer Foxtrott“ „Salomé“ in neuem Glanz oder wird aus Walter Donaldsons „You are driving me crazy“ ein schelmisches „Hallo, was machst du heut’ Daisy”. „Ninon“ bietet Raabe ausschließlich in Piano-Begleitung und „Lady be good“ führt das Palast Orchester in die Metropolen der USA, in denen Swing und Jazz das musikalische Bilder der 20er- und 30-Jahre bestimmten.

Tom Jones feierte vor ein paar Jahren mit „Sexbomb” ein ebenso großes wie kurzes Comeback. Max Raabe hat sich den Track vorgeknöpft und das rhythmische Feuerwerk des Originals auf zwei Minuten komprimiert. Auch der Evergreen „Ich brech’ die Herzen der stolzesten Frau’n“ wird in eine herrlich schräge Version umgewandelt und das romantisch beschwingte „Bel Ami“ ist einfach immer wieder schön zu hören. Als kleine Überraschung wird der Hit „Kein Schwein ruft mich an“ mit der Melodie von „New York, New York“ gekoppelt, was ungewöhnlich gut funktioniert. Es folgen noch einige Pflichttitel im Programm des Palast Orchesters („Ich tanze mit dir in den Himmel hinein“, „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“, „Mein kleiner grüner Kaktus“, „Capri-Fischer“, „Dein ist mein ganzes Herz“), ehe die kurzweilige Live-Darbietung von Herrn Raabe und seinem Orchester mit „You’re the cream of my coffee“ und „Donna Marie“ endet.

Die meisten der 30 Stücke auf „Palast Revue“ sind auch heute noch so populär, dass „sie sie gewiss auch erkennten wenn ich sie pföffe“ (Raabe). Selbst wenn die Lieder zum Teil mehr als 80 Jahre auf dem Buckel haben, gehören sie zur musikalischen Allgemeinbildung und werden von Max Raabes Palast Orchester mit entsprechendem Respekt vor den Originalen nachgespielt, ohne die gewohnte Priese Skurrilität ihres Frontmannes in den Hintergrund zu drängen. Das Doppelalbum ist deshalb ein gutes Mittel, um sich mit dem Schaffen eines Max Raabe und diversen Klassikern aus der Blütezeit des Schlagers vertraut zu machen.

Anspieltipps:

  • Capri-Fischer
  • Swinging on a star
  • Dein ist mein ganzes Herz
  • Mein kleiner grüner Kaktus
  • Ich tanze mit dir in den Himmel hinein
  • New York, New York (Kein Schwein ruft mich an)
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