Sportfreunde Stiller - Burli - Cover
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Sportfreunde Stiller Burli


  • Label: Motor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 42 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Burli“ ist bajuwarisch für Bürschchen und kann in diesem Kontext als „männlicher Säugling“ übersetzt werden.

Immer diese Sportfreunde. Haben den Freibad-Pop erfunden. Singen über vereiste Skipisten. Nennen ihr Album einfach mal „Burli“. Für die Preußen unter der Leserschaft sei hier als motivierender Einstieg mal eine Erklärung für diesen neuen Sportfreunde-Albumtitel geliefert: „Burli“ ist bajuwarisch für Bürschchen und kann in diesem Kontext als „männlicher Säugling“ übersetzt werden. Damit das mal geklärt ist.

Dieser „Burli“ ist das Neueste von drei Alben der Bayern-Fans und leider nicht das Beste geworden. Es knüpft hier und da an Großtaten an, und zwar immer dann, wenn es euphorischen Power-Pop bedient, der das Herz erfreut. So geschieht in „Ungewöhnlich“ ein herrlich unverblümtes Statement Richtung Mainstream („Geb ich mich mit dem Allgemeinen versöhnlich / Oder lebe ich lieber ungewöhnlich“). Oder „Frühling“, das so was von sicher die nächste oder übernächste Singleauskopplung wird, und schon jetzt in den Indie-Dissen der Nation das Frühjahr einläuten will. Oder dieses herrliche „Ein kleiner Schritt“, das alle Tugenden der sportlichen Freunde auf den Punkt bringt: treibender, schneller Rhythmus, Synthie-Hook und ein mitreißender Refrain: „Willkommen in einer neuen Zeit, ein kleiner Schritt für uns, ein großer Schritt für die Menschlichkeit“.

„Ein kleiner Schritt“ klingt da fast euphemistisch, handelt es sich bei „Burli“ doch eher um eine Stagnation im Sportfreunde-Lager, was man Peter Brugger, Rüde und Flo ja nicht unbedingt vorwerfen will. Schließlich geht es hier nicht um Radioheadsche Avantgarde und Bluträusche, sondern in erster Linie um spaßige Musik für den Sommer. Und genau da muss man mit der Kritik dann doch ansetzen: Denn wenn man schon Sportfreunde Stiller heißt, dann sollte es doch bitte selbstverständlich sein, dass hier von vorne bis hinten Freibad-Rock’n Roll regiert. Doch dem ist nicht so. Konnte man über das reflektierende „Siehst du das genauso“ noch verwundert den Kopf schütteln, und sich selbst versichern, das Album würde ja sicherlich besser werden, so sind wohl doch einige Balladen zu viel auf dieser CD.

„Was ich behaupten kann“ ist beispielsweise nicht mehr als Schlager im Sportfreunde-Gewand. Das hätte nicht sein müssen. „Im Namen der Freundschaft“ suhlt sich ebenfalls in dieser typischen Sportfreunde-Direktheit, die leider hier recht peinlich wirkt. Ganz abgesehen von der Musik, die hier doch ein bisschen beliebig bis nervig daherkommt. Sicher, Peter Brugger textet auch auf „Burli“ noch hier und da recht brillant („Dirk, wie ist die Luft da oben“) und „Ich Roque“ ist mit seinem spanischen Chor sehr charmant. Doch der Abschluss „1. Wahl“, der irgendwie Punk sein soll, wäre so auch nicht nötig gewesen.

Ein zweischneidiges Schwert, dieser „Burli“? Wahrscheinlich schon. Fans der Sportfreunde Stiller wird dieses Album sicherlich auch halbwegs glücklich stimmen, von außen betrachtet fehlt aber leider hier und da ein Lied wie „Ein Kompliment“ oder „Wie lange sollen wir noch warten?“, astreine Hits, die ein Album über gepflegte Durchschnittsware hinausheben. So aber bleibt „Burli“ ein ordentliches Fan-Album mit ordentlichen Songs, mehr aber leider nicht.

Anspieltipps:

  • Ich Roque
  • Frühling
  • Im Namen der Freundschaft
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