Crash Test Dummies - Songs Of The Unforgiven - Cover
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Crash Test Dummies Songs Of The Unforgiven


  • Label: Soulfood/SONY
  • Laufzeit: 41 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Abgrundtief düster, melancholisch bis zur Schmerzgrenze - das neue Album der Crash Test Dummies ist absolut nichts für notorische Miesepeter und Suizidgefährdete. Wir wollen ja nicht unken, aber klingen Brad Roberts und Co. nur deshalb so verzweifelt, weil sie als Paradebeispiel eines One-Hit-Wonders gelten? Okay, nicht wieder die alte Leier. Gestehen wir den Crash Test Dummies einfach zu, dass sie sich spätestens mit dem Album „Puss ’N’ Boots“ (2003) vom Mainstream verabschiedet haben und nur noch die Musik machen, die sie wollen - ganz ohne Plattenfirmen-Doktrin .

Nur so lässt sich letztendlich die Konsequenz begreifen, mit der Brad Roberts an das neue Album „Songs Of The Unforgiven“ herangegangen ist. Zusammen mit Produzent Scott Harding diskutierte er seine Vorstellungen und spielte ihm ein paar Demos vor. Harding kam sofort in den Sinn, dass man die Atmosphäre der neuen Songs durch die ganz spezielle Akustik in einer Kirche besser „einfangen“ könnte. Und wer das letzte Johnny-Cash-Album „American IV: The Man Comes Around“ (2002) kennt, wird bestätigen können, warum der Klang einer Orgel, zusammen mit dem grandiosen Nachhall in einer Kirche, für pure Gänsehaut sorgen kann. Als pfiffiger Allround-Producer hatte Scott Harding auch gleich den perfekten Aufnahmeort an der Hand: In Duluth, Minnesota befindet sich nämlich eine katholische Kirche aus dem Jahr 1896, mit eingebautem Aufnahmestudio („The Sacred Heart Recording Studio“) und einer schönen, alten Orgel, die sofort in die Aufnahmen integriert wurde.

Für zehn Tage verkrochen sich Brad Roberts, Scott Harding und ihre Mitmusiker Chris Brown und Drew Glockin im letzten Winter in der kleinen Kirche und nahmen die Grundspuren für das Album auf. Dazu gesellten sich mit Suzzy Roche (The Roches) und Ellen Reid, die bekannte Backgroundsängerin der Crash Test Dummies, sowie Al Sparhawk und Mimi Parker von Low, ein paar ganz spezielle Gäste. In dieser einzigartigen Atmosphäre, mit einem überwältigenden Blick über den zugefrorenen Lake Superior, entstand das düsterste Album in der Geschichte der Crash Test Dummies, das, wenn wir ehrlich sind, kommerziell keinerlei Chancen hat.

Mit einer noch intensiveren Grabesstimme, als man es von Brad Roberts eh schon gewohnt ist, trägt der Kanadier seine sparsam instrumentierten Düster-Balladen vor, die zwischen tiefster Depression („The beginning of the end“) und zart aufflackerndem Optimismus („Everlasting Peace”) pendeln. Um diese Stimmung dauerhaft zu ertragen, muss man schon besonders abgehärtet sein oder der persönlichen Melancholie mit einer Flasche Rotwein nachhelfen. Denn Brad Roberts zieht das Programm unbeirrt durch und lockert das Songmaterial, wie zum Beispiel Nick Cave bei seinen „Murder Ballads“, nicht mal ansatzweise auf.

„Songs Of The Unforgiven“ hat die Wirkung eines 40-minütigen Friedhofsmarsches: Schmerzvoll, bedrückend, schleppend. Wer als Hörer nicht bereit ist, sich diesen Songs mit derselben Hingebung wie der Komponist zu widmen, wird mit dieser CD baden gehen. Und auch wenn das Album „nur“ 40 Minuten lang ist, sind die 17 Tracks fast zuviel des Guten. Es gehört eben eine besondere Leidensfähigkeit dazu, mit Brad Roberts um die Wette Trübsal zu blasen.

Anspieltipps:

  • Sonnet 1, 2, 3
  • The unforgiven ones
  • You’ve had your run
  • And so will always be
  • The wicked and the evil
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