Sophie B. Hawkins - Wilderness - Cover
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Sophie B. Hawkins Wilderness


  • Label: Trumpet Swan Records/WEA
  • Laufzeit: 54 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Es ist doch immer dasselbe: Nach einem überaus erfolgreichen Start, gerät das zarte Gebilde einer Musikerkarriere ins Straucheln, weil Plattenfirma und Künstler unterschiedlicher Ansicht über den weiteren Verlauf der musikalischen Entwicklung sind. Es kommt zum Streit und die üblicherweise am längeren Hebel sitzende Major-Company zieht dem Musiker den Stecker aus der Karriere. Unzählige Beispiele gibt es für diese gängige Praktik des Auslebens von Macht und Geld. Sophie B. Hawkins kann ebenfalls ein Liedchen davon singen.

Schon mit ihrer ersten Single „Damn I wish I was your lover” (1992) startete die 1967 in New York geborene Anwaltstochter an die Spitze der Charts durch und verhalf dem Label Columbia Records (Sony Music) zu einem weltweiten Pophit, in Zeiten, wo Grunge den Ton angab und es nichts anderes zu geben schien. Es folgte eine Grammy-Nominierung für besagte Single und mit „Tongues And Tails“ (1992) ein respektables Debütalbum. Das bessere Album war allerdings der Nachfolger „Whaler“ (1994) – leider ohne dieselbe Aufmerksamkeit wie „Tongues And Tails“ zu erhalten. Und das, obwohl mit „Right beside you”, „Don’t tell me no” und „As I lay me down” drei veritable Singles auf dem Album waren. Mit dem dritten Werk „Timbre“ (1999) begannen dann die Querelen zwischen Sophie und ihrem Label. Weil den Oberen von Columbia Records die neue künstlerische Ausrichtung ihrer ehemaligen Hitlieferantin nicht gefiel, wurde das Album kaum beworben. Nach langem hin und her kaufte Hawkins die Masterbänder des in Eigenregie aufgenommenen und produzierten Werkes zurück, um es auf ihrem eigenen Label Trumpet Swan Records nochmals zu veröffentlichen.

Das vierte Album von Sophie B. Hawkins, „Wilderness“, erschien im Frühjahr 2004 ebenfalls auf Trumpet Swan Records und wird jetzt im Vertrieb der WEA auch in Deutschland auf den Markt gebracht. Diesmal hat sich Frau Hawkins wieder einen Produzenten ins Haus geholt; um genau zu sein, sogar zwei. Die Dance-Pop-Producer Frank und Christian Berman (u.a. The Real McCoy, Baha Men) sollten dafür sorgen, dass die neuen Songs, die laut Sophie B. Hawkins in einer „incredibly bright periode“ geschrieben worden sind, entsprechend lebensfroh und beschwingt für den Hörer aufbereitet werden. Die erdige Produktion des Vorgängers, mit allerlei exotischen Instrumenten wie Djembe, Marimba, Udu, Vibraphone und Banjo, wich einer elektronisch orientierten Produktionsweise mit Synthesizern, Drum-Computern und Keyboards, die durch organische Bläser-, Gitarren- und Pianoklänge aufgelockert wird. Das klingt mitunter nach einer 80er Jahre Produktion und streckenweise auch etwas billig, aber unterm Strich durchaus charmant.

Die Markenzeichen der New Yorkerin sind auch weiterhin ihre unverkennbare, hell-rauchige Stimme und die luftig leichten Harmonien, die ihre Songs seit jeher auszeichnen. Stücke wie „Sweetsexywoman“, „Open up your eyes“ und „Blue“ nehmen diese Tradition auf und führen sie mit Dance Music orientierten Rhythmen in neue Gefilde. Durch diese leichte Neuausrichtung ist „Wilderness“ ein entspanntes Popalbum geworden, das zum Teil mit ungewohnt deftigen Beats daherkommt („Adrian“, „Beautiful girl“), sich aber die meiste Zeit im groovigen Midtempo bewegt („Meet me on a roodtop“, „Soul lover“). Kein Meisterwerk, aber gewiss nicht schlechter, als die meisten Popalben, die Woche für Woche in die Läden gewuchtet werden.

Anspieltipps:

  • Beautiful girl
  • Sweetsexywoman
  • Open up your eyes
  • Walking on thin ice
  • You make me high
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