Snoop Dogg - Rhythm And Gangsta: The Masterpiece - Cover
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Snoop Dogg Rhythm And Gangsta: The Masterpiece


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 78 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

In Sachen Variantenreichtum kann Snoop in diesem Jahr kein HipHop-Kollege das Wasser reichen.

Calvin Broadus, alias Snoop Dogg ist vermutlich die coolste Sau im Rap- und HipHop-Business. Trotzdem ist auch er nicht vor kreativen Durchhängern, Bandenkriegen zwischen East- und Westcoast-Rappern und vor jegliche Kunst erstickenden Kämpfen mit Plattenfirmen gefeit. Dabei fing für den in Long Beach, Kalifornien geborenen „Gute Laune Gangster“ alles so gut an. Schon als junger Bursche mische er auf allerhand Rap-Produktionen mit, gründete mit Nate Dogg und Warren G die Gruppe 213 und zählte zusammen mit Mentor Dr. Dre zu den Erfindern des G-Funk.

Im Vertrieb des legendär-berüchtigten Labels Death Row von Suge Knight erschienen Anfang der 90er Jahre viele herausragende Alben. Doch Snoop’s „Doggystyle“ (1993) und Dre’s „The Chronic“ (1992) zählten zu den wegweisenden und bestverkaufenden Werken des Westcoast-Rap. Leider herrschte derzeit auch ein schlimmer Krieg zwischen West- und Eastcoast und schon bald drängten die harten Rhythmen des Wu-Tang Clan, Nas und The Notorious BIG die smoothen Klänge der G-Funker zurück. Es dauerte ganze drei Jahre, bis Snoop Dogg mit seinem zweiten Album „Tha Doggfather“ auf die Bildfläche zurückkehrte. Doch da war es fast schon zu spät um den passionierten Kiffer. Mit dem Wechsel vom Death Row zu No Limit Records um Label-Boss Master P, ging die Kreativität von „Da Big Boss Dogg“ ganz böse baden. Es folgen mit „Da Game Is To Be Sold, Not To Be Told“ (1998), „No Limit Top Dogg“ (1999) und „The Last Meal” (2000) drei erschreckend lahme Alben, die vor ausgelutschten Beats, billigen Samples und einfallsloser Produktionsweise nur so strotzten. Erst 2002 bekam Snoop die Kurve und kehrte mit „Paid Tha Cost To Be Da Bo$$“ zu alter Stärke zurück.

Eine lehrreiche Zeit, in der sich Snoop u.a. als Schauspieler („Training Day“, „Bones“, „The Wash“, „Starsky & Hutch“), Pornodarsteller bzw. Produzent und Klamottenlabelbetreiber („Snoop Dogg Clothing“) versucht hat. Dass dabei zu mehr als 14 Millionen verkauften Tonträgern allein in den USA gereicht hat, ist nur mit der grenzenlosen Loyalität seiner Fans zu erklären. Doch jetzt greift der Meister des G-Funk wieder an! Mit seinem Label Doggy Style Records ist er unter die Fittiche des Neptunes-Labels Star Trak gewechselt, das seine Releases immerhin über Geffen/Universal vertreibt. Zudem griff er für seine neue Platte „R&G (Rhythm & Gangsta): The Masterpiece“ auf die Hilfe der Neptunes, als eines der erfolgreichsten Produzenten-Teams der letzten Jahre zurück und fährt auch sonst eine große Schar berühmter Kollegen als ungewöhnliche Kollaborateure auf. Die Zeichen stehen also voll auf Angriff. Und mit 20 frischen Tracks aus der Westcoast-Schmiede geht der auf „Paid Tha Cost To Be Da Bo$$“ eingeschlagene Konsolidierungskurs munter weiter.

Seinen Humor hat Snoop Dogg auf jeden Fall nicht verloren. So posiert er auf dem Cover und im Booklet als Dollarbündel bügelnder Pimp und gibt auch auf der Platte mit amtlichen Klischees den Big Player zwischen fetten Beats, rappenden Bitches und peitschenden Gunshots („Bang out“). Doch deshalb kauft heute niemand mehr eine CD. Ausschlaggebend sind innovative Tracks wie das ebenso simpel wie genial anmutende Groove-Monster „Drop it like it’s hot“, bei dem Pharrell den G-Funk auf einen ganz neuen Level hievt. Und in der Tat erweisen sich The Neptunes und Snoop Dogg als wahre Meister der Erneuerung, die langweilige G-Funks und eindimensionale Gangsta Raps gegen fette Soul-Grooves („Perfect – Feat. Charlie Wilson“), lupenreine 70er Jahre Disco-Funks („Let’s get blown”) und echten Soulsongs („Fresh pair of panties on“) eintauschen. Da darf auch mal ein Bee-Gees-Sample verbraten - wie für den 70s-Groover „Ups & downs“ - oder auf die Hilfe von Funk-Legende Bootsy Collins zurückgegriffen werden, der bei „Can I get a flicc witchu” und „No thang on me” ein paar ganz abgedrehte Bass- und Beat-Variationen abliefert. Den „Exlicit Content” verdient sich das u.a. Album durch die Zusammenarbeit mit Trina und Lil’ Jon („Step yo game“), Soopafly („Can u control yo hoe“) und 50 Cent („Oh no“), während die Kollegen Nelly auf „Girl like u“ und Justin Timberlake („Signs“) für das nötige Hitparadenmaterial sorgen.

Snoop Dogg ist auf dem richtigen Weg. Seine Raps haben deutlich aufsteigende Form, auch wenn die neuen Tracks insgesamt noch recht deutlich von der Qualität seines Debütalbums entfernt sind. Der Mut, neues auszuprobieren und die eingerosteten G-Funk-Pfade zu verlassen, hat seinen Songs trotzdem hörbar gut getan. In Sachen Variantenreichtum kann ihm in diesem Jahr auf jeden Fall kein HipHop-Kollege das Wasser reichen. Damit hat Eminem und Xzibit schon mal etwas voraus.

Anspieltipps:

  • Signs
  • The bidness
  • Step yo game
  • Snoop d.o. double g
  • Drop it like it’s hot – Feat. Pharrell
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