Wilco - A Ghost Is Born - Cover
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Wilco A Ghost Is Born


  • Label: Nonesuch/WEA
  • Laufzeit: 59 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer so was wie „A Ghost Is Born“ vollbringt, kann eigentlich nur krank sein.

Die Bezauberer sind zurück. Nach dem genialen Doppelalbum „Being there“ und dem schönen „Yankee Hotel Foxtrot“ dachte man, diese Band könne sich an Magie nicht mehr überbieten. Und dann kommt dieser unglaubliche Opener „At least that’s what you said“, der nur mit dem Klavier erstmal dynamisch alles emotionale sprengt, was man kennt und dann mit der E-Gitarre alles zerstört, um das Stück mit Drums und Bass neu aufzubauen. Ein Geist ist geboren. Und Wilco sind deren Schöpfer.

Und weiter geht es mit den beflügelnden Fingern auf den Tasten in „Hell is chrome“. Die Tasten bleiben nicht lange bedient und Bass und Drums harmonisieren wieder perfekt, während sich wieder der zerstörende Geist der E-Gitarre andeutet. Zweifelsohne erzählt die Band nicht nur mit den Texten eine Geschichte über Luzifer und, ja, da ist sie wieder. Diesmal sägt die Gitarre nicht, sie seziert den Song, damit Jeff Tweedy die Worte des Teufels singen kann: „Come with me“.

Zweifelsohne ist das neue Wilco-Werk eines der ungewöhnlichsten Alben des Jahres 2004 und nicht, weil irgendwelche Stile wild miteinander verworren werden oder neue Synthesizer den Weg ebenen. Nein, das einzig ungewöhnliche ist die E-Gitarre, die jeden Song zwei Gesichter aufdrückt. Selten unterwirft sich die Gitarre dem Song und nahezu immer will sie dennoch Aufmerksamkeit („Spiders“). Das erreicht man heutzutage nicht mehr mit Perfektion, sondern mit dem genauen Gegenteil. Der kratzige Sound klingt nicht umsonst nach Sonic Youth: Der SY-Produzent Jim O’Rourke stand auch diesmal für „A ghost s born“ wieder mit der Band im Studio. Wilco-Fans sollten sich an den Ungewöhnlichkeiten nicht wirklich stören und wenn doch, dann kommt mit „Muzzle of bees“ ein typischer Wilco um die Ecke, sagt Hallo und man verliebt sich sofort wegen den schönen Melodien. Ach ja, die E-Gitarre ist auch wieder da...

„Hummingbird“ klingt natürlich auch nach Wilco, könnte aber auch ein Beatles-Song sein. Mit zuckersüßen Melodien von Streichern und einem treibenden Beat des Schlagzeuges bewegt sich der Song so schnell durch seine 3 Minuten, dass man sich ernsthaft fragt, warum der so schnell weggelaufen ist. „Wishful thinking“ ist aber ein wunderbarer Ersatz. Die kleine Mandoline in „Company in my back“ bringt dem Song einen Niedlichkeitsfaktor ein, das eigentliche Highlight ist allerdings das Finale gegen Ende.

Das zügig voranschreitende „I’m a wheel“ stampft mit seinem großen Rockriff in neue Gewässer, die die Männer um Jeff Tweedy so erfolgreich meistern, als sei es gar nichts. Da benötigt es nicht mal einer krank-klingenden Gitarre. Wo ist die eigentlich? – Egal. Weiter geht es mit dem „Theologians“-Gesang, der sogar schon ziemlich normal klingt. Wie schnell man sich doch an Ungewöhnliches gewöhnen kann!

Bei „Less than you think“ erwartet man schon wieder radikales von der Chicagoer Band. Jeff Tweedy am Piano in einem 12 Minuten Song, das kann nicht gut gehen, doch alle Erwartungen werden in dem tieftraurigen Song noch einmal vernichtet. Nach 3 Minuten setzt ein Feedback-Pfeifen ein, dass den Song, der schon längst vorbei ist, seiner Traurigkeit nimmt, alles auf den Kopf stellt und dabei eigentlich nur eines klar macht: Wilco-Dynamik ist genauso wie der ansteigende Feedback-Sound aus den Verstärkern: ansteigend, explosiv, logisch und ein physikalisches Gesetz.

Zum Schluss kommt mit „The late greats“ noch mal ein lockerer Wilco-Song, den man sich auch hervorragend auch auf dem vorigen Album vorstellen könnte und sich wohl deshalb durch das Pfeifen von dem Rest des Albums distanziert. Muss es auch, denn wer so was wie „A ghost is born“ vollbringt, kann eigentlich nur krank sein. Und das sind ja bekanntlich die größten Genies.

Anspieltipps:

  • At least that’s what you said
  • Hummingbird
  • Company in my back
  • I’m a wheel
  • Less than you think
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