Usher - Confessions - Cover
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Usher Confessions


  • Label: Arista/BMG
  • Laufzeit: 62 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

“Mit jedem Album versuche ich besser zu werden. Ich bin Perfektionist. Trotz des Erfolges der letzten Alben, war ich nicht sicher, ob ich alles aus mir herausholte – als Performer und als Sänger. Mich beschlich das Gefühl, dass ich mich auf meinen bisherigen Alben immer etwas zurückhielt. Eigentlich auf jedem meiner Alben. Ich spielte eine Rolle, hinter der ich mich versteckte. Dieses mal entschloss ich mich dazu, meine Ängste abzuschütteln und meine wahre Persönlichkeit ans Licht zu bringen. Ich habe dieses Album gelebt und befinde mich nun auf einem guten Weg. Ich bin 25 Jahre alt und übernehme meine Verantwortung als Mann, habe keine Angst davor, realistisch zu sein und über Dinge zu sprechen, mit denen ein Mann in einer Beziehung konfrontiert wird. So beschrieb Usher Raymond IV die inhaltliche Weiterentwicklung seiner Texte und zugleich den Titel „Confessions“ (Geständnisse), den sein neuestes Werk trägt. Natürlich wird er damit versuchen an die Erfolge seiner Vorgänger „8701“ (2001), „My Way“ (1997) und „Usher“ (1994) anzuknüpfen.

Usher Raymond aus Chattanooga, Tennessee wuchs mit 12 Jahren in Atlanta, Georgia auf, wo er bereits im Kirchenchor mit dem Singen anfing und auf sich aufmerksam machte. Entdeckt wurde er von einem Talentscout von LaFace-Records, worauf ihn Plattenmogul Antonio „L.A.“ Reid verpflichtete, der auch Outkast, Donell Jones und Pink groß vermarktete. Natürlich wurde Usher anfangs als Teenie-Sänger abgestempelt und man konnte nicht wirklich annehmen, dass er auch 10 Jahre später immer noch als Sänger auf der Bühne stehen würde. Mit seinem dritten Album „8701“ festigte Usher jedoch seinen Ruf als guter R&B-Künstler und erreichte den Status eines richtigen Superstars. Auf den letzten drei Alben arbeitete Usher mit vielen Interpreten und Produzenten zusammen, konnte sich dadurch stets verbessern und vom Stil seiner früheren Werke unterscheiden. So griff er dieses mal erneut auf altbewehrte Produzenten wie Jermaine Dupri, Just Blaze und Jimmy Jam & Terry Lewis zurück, verzichtete zwar ausnahmsweise mal auf die Zusammenarbeit mit P. Diddy, der für ihn viele Hits produzierte, aber nahm dafür den derzeit angesagten Südstaaten-Rapper und Produzent Lil' Jon mit aufs Boot.

Was dem Vorgängeralbum „8701“ fehlte, war ein richtiger Party-Hit. Um diesen auf dem Album „Confessions“ zu garantieren, lud er den selbsternannten „King of crunk“, Lil' Jon ein, der aus dieser Zusammenarbeit den Club-Burner „Yeah!“ fabrizierte. Der Übergang vom ruhig-relaxten „Intro“ zu „Yeah!“ ist zwar etwas heftig, aber man gewöhnt sich mit der Zeit daran. „Yeah!“ besteht aus einem einfach gestrickten Synthesizer-Bass-Beat, angereichert mit Pfiffen, Clap-Samples und Glockengeräuschen. Den Rap-Part steuert jedoch Ludacris bei, da sich Lil' Jon darin lediglich auf das Dazwischenbrüllen beschränkt. Eigentlich hätte es Usher nicht nötig gehabt, sich mit einem solchen Party-Hit, der seine gesanglichen Stärken gar nicht in den Vordergrund stellt, zurückzumelden, dennoch ein gelungener Song mit sehr radiofreundlichen Texten. Die Radiostationen danken es ihm, denn in den USA bekamen bereits 60 Millionen Amerikaner (allein in den ersten beiden Wochen), „Yeah!“ zu hören und auch hier zu Lande wird „Yeah!“ hoch und runter gespielt. Eigentlich sollte Der Song gar nicht die erste Singleauskopplung werden, da sich aufgrund von Sicherheitslücken erneut ein Track vor dem offiziellen Start im Umlauf befand. Dennoch wurde das Stück veröffentlicht und wird wie in den USA (Billboard Platz 1), auch in Deutschland in Richtung der Top-Ränge marschieren. Selbst inhaltlich macht „Yeah!“ der Bezeichnung des Party-Tracks alle Ehre, denn darin geht es um gewöhnliche Situationen wie man sie im Club erleben kann. Man lernt jemanden kennen, tanzt mit ihm/ihr und die Geschichte entwickelt sich.

Ein weiterer Höhepunkt ist „Throwback“, dessen Beat gleich heraussticht. Inhaltlich beginnt nun die Phase der Beziehungsprobleme in diesem und in so gut wie allen folgenden Songs. In „Throwback“ geht es darum, dass er seine Partnerin vernachlässigt und er einige Fehler gemacht hat, welche er gerne wieder rückgängig machen würde, doch es ist zu spät. In „Confessions (Interlude)“ befindet sich Usher gerade im Musikstudio und wird von einem Telefonanruf unterbrochen. Usher erfährt in dem Telefongespräch anscheinend eine schockierende Nachricht, worauf er schnell das Gespräch beendet. Er gesteht anschließend seiner Freundin, dass er sie betrogen hat und seine Ausreden – er müsse manchmal länger arbeiten, eben nicht wahr gewesen sind und er sich während dieser Zeit mit einer anderen Frau traf. Diese kurze Einleitung führt dann zu „Confessions Part II“, in der man gleich eine weitere Auflösung über das Gespräch erhält. Es folgen weitere Geständnisse, wie die aus diesem Seitensprung resultierende dreimonatige Schwangerschaft, für die er die Konsequenz tragen muss. Außerdem bittet er seine Freundin um Vergebung für die begannen Fehler. Soll man den Gerüchten glauben schenken, soll es in dem Song um ein wahres Geschehnis handeln, was Usher allerdings abstreitet. Seine Ex-Freundin Rozonda „Chilli“ Thomas (Mitglied der Girlband TLC), soll dabei die Betrogene gewesen sein und ein Fan diejenige, die nun Schwanger sein soll. Usher erzählte jedoch bereits viel früher, dass die Beziehung in die Brüche ging, weil „Chilli“ ihn heiraten und Kinder von ihm haben wollte, wozu Usher jedoch noch nicht bereit gewesen ist. Auch „Confessions Part II“ brilliert mit einem guten Gesang, denn der Beat ist eher von der einfacheren Sorte. Die folgende melodische und sehr emotional gesungene Herz-Schmerz-Ballade „Burn“ wird mit Sicherheit die zweite Single werden und beeindruckt ebenfalls mit sehr viel Gefühl. Mit „Caught up“ folgt dann eine Uptempo-Nummer mit Syntesizer-Beat. „Superstar (Interlude)“ leitet anschließend in den gleichnamigen Song ein, in dem es um einen Superstar, in Form seiner vielleicht mal zukünftigen Frau geht. „Superstar“ ist natürlich wieder ein Slow-Jam mit Gesang in vielen Stimmenfacetten. Selbstverständlich sind auch einige Midtempo-Songs auf dem Album vertreten, als da wären „Simple things“, „Bad Girl“ oder „Truth hurts“, wobei „Bad Girl“ aufgrund sehr gittarenlastig ist. In „Truth hurts“ dreht er inhaltlich dann den Spieß um und singt darüber wie ihn seine Freundin mit jemanden betrogen hat und wie schmerzlich die herausgefundene Wahrheit dann doch ist. Den teilweise basstrommelnden Slow-Jam „Do it to me“ erinnert vom Gesang her sehr an den früheren Prince und tatsächlich bezeichnet Usher diesen Song auch als Tribut an einen seiner Vorbilder Prince.

Usher ist mit seinem vierten Werk „Confessions“ ein sehr gutes R&B-Album gelungen, allerdings fehlt immer noch ein kleines bisschen zu einem richtigen Spitzenalbum. Er beweist in vielen Songs seine große Stimmenvielfalt und bietet von Slow-Jam bis Midtempo eine Menge Abwechslung. Sogar zwei Uptempo-Songs sind vertreten, allerdings setzt Usher nur in wenigen Songs alles auf eine Karte und geht lieber auf Nummer sicher. Negatives gibt es kaum zu berichten, denn hörenswert sind alle 17 Tracks von Anfang bis Ende. Natürlich hat er sich für das gesamte Album, hauptsächlich dem Thema Beziehungen gewidmet und scheint darin auch sehr viele eigene Erfahrungen verarbeitet zu haben, was man an seinen reiferen Lyrics merkt. Übrigens, Usher wird wie fast alle großen Stars des Genres, in Zukunft sein eigenes Plattenlabel gründen und potenzielle zukünftige Nachfolger fördern.

Anspieltipps:

  • Yeah!
  • Throwback
  • Burn
  • Caught up
  • Truth hurts
  • Do it to me
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