Haven - All For A Reason - Cover
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Haven All For A Reason


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 39 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Entstehungsgeschichte von „Haven“ liest sich recht originell: Zwei Musiker – hier der spätere Bandleader und Sänger Gary Briggs und der Gitarrist Nat Watson wollen sich in einem Second-Hand Musikladen dieselbe Platte kaufen („Happy Trails“ von Quiksilver Messenger Service), um dann von Vernunft geritten zu dem Schluss zu kommen, das man sich die Platte ja eigentlich gar nicht leisten kann. Die beiden teilen sich den Preis und spielen jetzt mit „Haven“ in einer Brit-Pop-Band. Rock `n Roll, was du noch für Geschichten schreiben kannst! Unfassbar.

Jedenfalls war „Between The Senses“ ein gefühlvoll-elegisches Erstlingswerk, das sich zwar eindeutig im Spannungsfeld zwischen The Verve, Coldplay oder U2 bewegte, aber doch allein durch seine über alle Maßen überzeugenden Songs bestechen konnte. Jetzt also „All For A Reason“. Das schwere, zweite Album, das leider ein bisschen zu schwer wurde, denn vor Ideenreichtum strotz die Platte leider eben nicht.

Das sind zwar an sich nett arrangierte Songs und Gary Briggs hat ein Organ, das man gerne jederzeit mit dem von Chris Martin eintauschen könnte. Aber leider bleiben schon die ersten Songs „Change Direction“ (an Feeder gemahnend!) und „Have No Fear“ erst mal nicht im Gehörgang sitzen sondern schwirren irgendwie leicht harmlos vorbei, ohne wehzutun oder zu bewegen. „I Wanna Change My Direction“ trifft da auch nur bedingt zu, schließlich hat sich das Konzept der Engländer kaum verändert. Leider aber die Songs, deren Qualität nur sehr selten an „Between The Senses“ heranreicht.

Der Titelsong „All For A Reason“ ist so ein Lied, das man jederzeit anhören könnte und das die britische Songwriterschule wohl mehr als einmal frequentiert hat: Eine geheimnisvolle Hauch-Stimme gepaart mit einer atmosphärischen Bassfigur und gutem Drumming ergeben eben auch noch heute einen sehr guten Song. Weitere Beispiele zum lohnenden Reinhören: „Something Moved Me“, das besonders zum Ende hin punktet oder das recht schnelle „What Love Is“. Der Rest gefällt ein bisschen, ist nett und melancholisch, aber eben in keiner Weise an das heranreichend, was Bands wie Coldplay oder auch Starsailor auf ihren aktuellen Alben an den Tag legen.

So ist „All For A Reason“ schon ein wenig die Entdeckung der Harmlosigkeit, die so viele viel versprechende britische Bands zu packen scheint: Auf ein superbes Debüt folgt postwendend eine okaye oder noch schlechtere Platte, die eigentlich nicht sein muss. Womit man „Haven“ nicht zu nahe treten Will: „All For A Reason“ ist schon eine gute Platte, aber eben nicht gut genug, um heutzutage noch vom Hocker zu reißen.

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