Morrissey - You Are The Quarry - Cover
Große Ansicht

Morrissey You Are The Quarry


  • Label: Sanctuary Records
  • Laufzeit: 47 Minuten
Artikel teilen:
10/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Morrisseys ewige Kritiker dürften nach diesem grandiosen Comeback endlich verstummen.

Man kann Morrisseys „You Are The Quarry“ wohl getrost als das Comeback des Jahres 2004 bezeichnen. Gekonnt und elegant in Szene gesetzt, zeigt sich Morrissey schon auf dem Cover und setzt dies mit überladenem Kitsch und Glamour wie es nur der Meister persönlich kann, und darf, in seiner Musik fort.

Morrissey scheute noch nie Weltbewegende Themen und nahm dafür gerne in Kauf, heftig kritisiert zu werden. 1992 sang er in einem Union Jack gehüllt, in der Mitte von zwei Skinheads stehend seinen Umstrittenen Song „The National Front Disco“, was einen langjährigen Morrissey-Boykott in der Englischen Musikpresse zur Folge hatte. Sieben Jahre hat er seine Fans nun warten lassen, nachdem er 1997 sein bis dahin letztes Soloalbum „Maladjusted“ veröffentlichte und in dessen Folge er ohne Plattenvertrag in der Versenkung verschwand. Doch nun ist er zurück – mit mehr Power und Schamlosigkeit als je zuvor.

Zuckersüß leitet „America Is Not The World“ das Album ein, zumindest musikalisch. Textlich übt er scharfe Kritik an den prüden Einwohnern seiner Wahlheimat: „But where the president / Is never black, female or gay / And until that day / You've got nothing to say to me”. Die ganze Kraft und Blüte des Albums erstahlt bereits im zweiten Song “Irisch Blood, English Heart”. Eine mitreißende Gitarre erklingt und Morrisseys Stimme setzt ein, um allem was ihm an Engand nicht gefällt eine schallende Ohrfeige zu verpassen: „I've been dreaming of a time when / The English are sick to death of Labour and Tories / And spit upon the name Oliver Cromwell / And denounce this royal line that still salute him / And will salute him Forever...”

Eingängig, aber niemals platt zeigt sich „You Are The Quarry” auch im weiteren Verlauf, wären alle Popalben so vielfältig, wären Musikkritiker arbeitslos. Ständig gibt es etwas neues zu entdecken, ständig findet der Meister neue Themen, die er mit blanker Emotion besingen kann, denn auch das Schreiben von Grund auf ehrlichen Liebesliedern hat Morrissey nicht verlernt und beweist dies gleich mehrfach. Den Gipfel der Ehrlichkeit erreicht das poppige „I Like You“: You're not right in the head and nor am I / And this why / This is why I like you.“

Doch nicht nur die „Royals”, die Cromwells und wie sie alle heißen bekommen ihr Fett weg. Auch Morrisseys ewige Kritiker dürften nach diesem grandiosen Comeback endlich verstummen. Den Schlusspunkt unter das Album setzt das im Dreivierteltakt gehaltene „You Know I Couldn’t last”, das sich, zumindest 2004, so ein wenig nach Abschied angehört hat. Danken wir jener unsichtbaren Kraft, welche ihn dazu bewegt hat, weiterzumachen.

Anspieltipps:

  • Irish Blood, English Heart
  • Come Back To Camden
  • First Of The Gang To Die
  • Let Me Kiss You
  • I Like You
Neue Kritiken im Genre „Rock“
5.5/10

Songs Of Experience
  • 2017    
Diskutiere über „Morrissey“
comments powered by Disqus