Homespun - Homespun - Cover
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Homespun Homespun


  • Label: Homespun Recordings/SONY
  • Laufzeit: 40 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Von Zeit zu Zeit brechen Musiker aus dem immer wiederkehrenden Popstar-Einerlei Platte/Tour/Platte aus und gönnen sich etwas Abwechslung in Form eines Soloprojekts. So wartet die Rockwelt schon seit drei Jahren gespannt auf den Heavy-Metal-Ausflug von Foo Fighters Mastermind Dave Grohl (das Album „Probot“ erscheint voraussichtlich am 9. Februar 2004) und auch Dave Rotheray, besser bekannt als Gitarrist und Songschreiber der etwas biederen BritPopper The Beautiful South, kommt dieser Tage mit einem ambitionierten Freizeitprojekt namens Homespun daher. Rotheray nutzte dazu eine dreijährige Plattenpause seiner Hauptband, um die Einträge in sein musikalisches Tagebuch zusammen mit Tony Robinson (Keyboards) und One-Hit-Wonder Sam Brown („Stop“, Vocals) in eine veröffentlichungswürdige Form zu gießen.

Dabei merkt man den elf Stücken sofort an, dass das Schreiben und Erproben der Arrangements als reine Erholung und Abwechslung gedacht war. Doch wie bei Musikern üblich, hat sich das Freizeitprojekt mit der Zeit verselbstständigt. Zwar wurden die ersten Aufnahmen ausschließlich zu Hause im englischen Hull und im Zirkel der guten Freunde eingespielt, hob sich aus den persönlichen Skizzen ein Zyklus von Songs heraus, deren persönliche Natur sich perfekt für ein Album eignen würden. Doch um dieser intimen Note die richtige Stimme zu verleihen, bedurfte es eines passenden Sängers oder einer Sängerin. Nach einigen holprigen Versuchen mit verschiedenen Kandidaten hatte Tony Robinson die richtige Eingebung. Er schlug vor, Sam Brown zu kontaktieren, die nach seiner Meinung „genau die Stimme hat, die dir das Herz bricht und es im gleichen Moment mit Kontaktkleber wieder zusammenfügt“. Diese Entscheidung stellte sich als goldrichtig raus.

So findet man auf dem simpel „Homespun“ betitelten Album diverse musikalische Kleinode vor, die äußerst zurückhaltend instrumentiert wurden und somit viel Platz zur Entfaltung von Gefühlen und Stimmungen lassen. Ähnlich wie bei The Beautiful South dominieren auf der Homespun-Platte schlichte, akustische Lieder mit kleinen aber feinen Melodien. In einer gefälligen Mischung aus Pop („Did you ever?“), Folk („Footsteps“), Country („Unfortunately young“) und etwas Soul („Your radio“) werden Rotherays Texte und dessen unprätentiöse Beobachtungsgabe aus der Songwriter-Perspektive zu einem stimmigen Gesamtwerk zusammengeführt. Deshalb sind es die fragilen Kompositionen wert, in Ruhe entdeckt zu werden, da sie ansonsten in unserer lauten und hektischen Welt unterzugehen drohen. Also raus mit den Kopfhörern und eingetaucht in die kleinen Klanglandschaften eines Dave Rotheray.

„Homespun“ ist eine der typischen Lieblingsplatten am Anfang eines jeden Jahres, die am Ende in kaum einer Jahresauswertung auftauchen wird, da die meisten sie wieder vergessen haben werden. Das ist zwar sehr schade, aber ein Schicksal, das sich viele Platten Jahr für Jahr teilen. Ein Grund mehr, dieses intime Album ins Herz zu schließen und vielleicht im Kalender zu vermerken – dann, wenn es wieder heißt „wählen Sie ihre Platten des Jahres!“.

Anspieltipps:

  • Days
  • Let me be good
  • Lonely together
  • I’m in your head
  • Don’t force me to be free
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