Olli Schulz Und Der Hund Marie - Brichst Du Mir Das Herz, Dann Brech´ Ich Dir Die Beine! - Cover
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Olli Schulz Und Der Hund Marie Brichst Du Mir Das Herz, Dann Brech´ Ich Dir Die Beine!


  • Label: GHVC/Indigo
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Trifft der Stürmer in einer Halbzeit dreimal hintereinander ins gegnerische Tor, nennt man dies in der Fußballfachsprache einen Hattrick. Mit dem Debütalbum von Olli Schulz (& der Hund Marie) sorgt das aufstrebende Hamburger Label Grand Hotel Van Cleef ebenfalls für einen Hattrick. Denn nach den herausragenden Werken von Kettcar („Du und wieviel von deinen Freunden“) und Tomte („Hinter all diesen Fenstern“) ist „Brichst Du mit das Herz, dann brech’ ich Dir die Beine!“ das dritte Klassealbum innerhalb eines Jahres auf dem Label der Kettcar/Tomte Masterminds Marcus Wiebusch und Thees Uhlmann.

Die 12 Songs wurden standesgemäß von keinem geringeren als von GHVC-Hausproduzent Swen Meyer produziert und stellen eine ziemlich kauzige Reise durch das Leben von Olli Schulz dar. Und was diese Reise so alles mit sich bringt. Da kann man nur staunen. Zum Beispiel über die unendliche Suche nach dem Glück im forschen Gitarren-Popsong „Spürhund“, bei dem sogar die amerikanischen Bundesbehörden eingeschaltet werden („Hi, F.B.I. einmal neues Leben bitte. Mein einziges Verlangen ins Zeugenschutzprogramm. Schickt mich auf die Insel zu Biggie Smalls und 2Pac. Gebt mir einen neuen Namen und bringt mich von hier weg. Diese Stadt ist eine Reise ohne Führung. Karneval das ganze Jahr und ich spiel hier den Spürhund“). Oder die mit einem treibenden Beat und krachenden Gitarren unterlegte Großstadthymne „Unten mit dem King“, die diese ganz besondere Romantik erzeugt wie wir es schon bei Kettcars „Landungsbrücken raus“ lieben gelernt haben. Nur, dass der Text um eine ganze Ecke kryptischer ausgefallen ist („Du weißt wovon ich sing. Ich bin grad unten – Unten mit dem King. 1-7-0, so schnell war er noch nie. Ich hör’ ’Down with the king’ von Run DMC. Ich hab alte Tapes dabei und ich sing alles mit. ’Got me hanging on a rope’ Rocket From The Crypt”).

Glück muss man haben. Wie Olli Schulz. Schließlich konnte dieser die wunderbare Nora Tschirner („Soloalbum“) als eine Art Duettpartnerin für den rührseligen Song „Küss mich schnell bevor Du platzt“ gewinnen. Da könnte man glatt neidisch werden. Auch wenn bereits das Intro („Das ewige Date“), von Nora gesprochen, alles andere als romantisch veranlagt ist. Da stammelt der gute Olli den Versuch einer Liebeserklärung und was fällt Nora dazu ein? „Merkst Du Dir mal ganz kurz, was Du sagen wolltest? Ich geh' noch mal in die Küche und mach uns was warm. Du hast doch bestimmt auch Hunger, ne?“. Wie gemein. Es erscheint fast paradox, dass sich die großen Momente des Albums in solchen kleinen Passagen widerspiegeln. Etwa wenn in „Weil die Zeit sich so beeilt“ eine Mundharmonika im E-Street-Band-Sound erklingt oder Olli Schulz bei „Nimm mein Mixtape, babe“ plötzlich mit der cool-monotonen Stimme eines Tilman Rossmy aufsingt. So wartet „America-Ibiza Connection“ als feiner Schrammel-Popsong mit Westcoast-artigem Chorgesang auf, „Das letzte Königskind“ kommt als fröhlich-netter Country-Blues daher, den Rick Rubin für Johnny Cash sicher zu einem schwermütigen Moll-Brocken umarrangiert hätte. Aber Herr Schulz ist ja nicht der deutsche Johnny Cash. Und deshalb folgt nach einem witzigen Intro auf plattdeutscher Sprache („Platt“) mit „Durch die Nacht“ ein waghalsiger Akustiksong, bei dem der Toningenieur die Klangkanäle mit dem Hackebeil trennt und den Kopfhörerfreund auf eine harte Probe stellt.

Was bietet dieses Album also dem geneigten Käufer? Neben handgemachter Singer/Songwritermusik mit frechen Texten zwischen beißender Ironie und klugen Alltagsweisheiten eines Twentysomethings, natürlich einige herausragende Tracks, sowie den verrücktesten Bandnamen 2003, den abgefahrensten Plattentitel 2003 und eine sehr hochwertige Aufmachung als Digipack, mit zwei Booklets und, ähem, sehr hübschen Tierbildern. Zwar erklimmt „Brichst Du mit das Herz, dann brech’ ich Dir die Beine!“ nicht ganz das hohe Niveau der Labelkollegen von Tomte und Kettcar und auch die naive Frische einer Newcomerband vom Schlage Wir Sind Helden wird nicht durchgehend erreicht, doch unterm Strich steht immer noch ein überdurchschnittlich gutes Debütalbum der neuen deutschen Songschreiberhoffnung Olli Schulz. Deshalb ist die CD für Anhänger deutschsprachiger Gitarren-Popmusik uneingeschränkt empfehlenswert.

Anspieltipps:

  • Elefanten
  • Spürhund
  • Durch die Nacht
  • Unten mit dem King
  • Nimm mein Mixtape, babe
  • Küss mich schnell bevor du platzt
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