Deftones - White Pony - Cover
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White Pony


  • Label: Maverick/WEA
  • Laufzeit: 49 Minuten
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10/10 Unsere Wertung
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Bevor man auf allerhöchstem Niveau stagnierte, war 2000 erst einmal das Jahr der Deftones. „White Pony“ wurde veröffentlicht und wird wohl – das muss man annehmen – für lange Zeit DAS Werk der Amerikaner bleiben. Um es kurz zu machen: „White Pony“ ist ein vielschichtiges Meisterwerk, das nie aufhört den Hörer aufs Brutalste zu berühren und ihn mit allen seinen Sinnen zu fordern. „White Pony“ verschafft eine ungefähre Vorstellung davon, was Nu Metal sein könnte, wenn er nicht belegt wäre durch Einheitsbrei wie Linkin Park oder POD.

Ein Album, das zunächst wie ein Schlaf ins Gesicht erscheinen muss. Es wird derartig beherzt und emotional losgebrettert, dass zarte Seelen und unerfahrene Ohren erst mal ihren Schock weghaben. „Elite“ beispielsweise, mit Sicherheit der härteste Song, den die Deftones je aufgenommen haben, ist pure Wut, verpackt in prügelnd-intensive Gesangszeilen und messerscharfem Riffing. Oder gleich der Opener, der wenn schon nicht so aggressiv, dann doch sehr emotional und auf den ersten Blick etwas vertrackt daherkommt. Mit der Zeit wird der Hörer anfangs zwar noch den Kopf schütteln und gar in Versuchung kommen, diese Platte mit Nichtbeachtung zu strafen, es steht aber außer Frage, das er eben dann etwas verpasst.

Es sind Songs wie „Digital Bath“, die man anfangs noch als „ganz ok“ abgestempelt hatte, die dem geduldigen Hörer bald in voller Blüte erscheinen, ihn gefangen nehmen und nicht mehr los lassen. Ein Song ist das, dieses digitale Bad, wie ein Orkan weht er über den Hörer hinweg und ist dabei mehr und mehr grandios-melodisch und packend. Ähnlich verhält es sich mit „Change (In The House Of Flies)“, dem wohl noch am ehesten an Chart-Rock gemahnenden Stück, das gar recht konventionelle „Aaaah, Aaaah“-Passagen enthält, die in diesem Kontext jedoch eine gänzlich andere Wirkung haben. Den Mannen um Sänger Chino Moreno gelingt es hier in selten genialer Weise, ihre Emotionen auf den Hörer geradezu zu übertragen und lässt spüren, mit welcher Urgewalt diese Platte eingespielt wurde.

Die weiteren Highlights dieser durch und durch homogenen und in sich geschlossenen Platte lassen sich gar nicht aufzählen, Beispiele seien nur die geniale Riff-Idee, die wie aus dem Nichts in „Korea“ auftaucht und den Hörer schier überrollt und in Trance fallen lässt. Oder Maynard James Keenans (A Perfect Circle, Tool) Gastspiel in „Passenger“. Oder das unfassbare Break im grandiosen Abschluss „Pink Maggit”. Mit Worten ist es nur unzureichend zu beschreiben, was die Deftones hier abziehen. Bei aller Depressivität ist das keine Musik zum Einlullen, eher zum Frustabbau oder zum ultimativen Wachwerden am Morgen. Für warme Sommertage ist das wahrscheinlich keine Musik und es gibt genügend Menschen, die an den hohen Ansprüchen, die die Deftones an den Hörer stellen, sicher scheitern werden. Wer aber grundsätzlich für alternativ-innovative, harte Musik aufgeschlossen ist, der wird hier reichlich belohnt mit einem der besten Alben der 90er Jahre.

Anspieltipps:

  • Elite
  • Korea
  • Pink Maggit
Dieser Artikel ging am um 11:34 Uhr online.
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