Korn - Issues - Cover
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Korn Issues


  • Label: Epic/SONY
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Poppiger, dadurch angenehmer zu hören, und das O(h)rgan wird nicht ganz so doll belastet wie auf den Vorgängeralben.

Korn sind das Symbol für ein gesamtes Genre, dem Nu-Metal. Außerdem ist die Band im Alternative-Bereich eine nicht mehr wegzudenkende Größe, die im Laufe der Jahre tausende Moshpits zum Explodieren gebracht hat. Ihre Musik ist extrem, in jeder Hinsicht - Innovation gepaart mit Depression - und war schon nach wenigen Jahren Kult, in der von ihnen angesprochenen Zielgruppe. Sie stehen für Ehrlichkeit, Härte und für eine gesamte Generation unzufriedener „Kids“. Korn sind eine Ausnahmeband, so viel steht fest. Ihr viertes Studioalbum „Issues“ (Deutsch: Streitpunkte) kam 1999 auf den Markt. Was durfte man vorab von der Platte erwarten? Nachdem Korn mit dem Vorgängeralbum „Follow The Leader“ endgültig den kommerziellen Durchbruch schafften, war man gespannt, in welche Richtung der Nu-Metal-Zug fahren würde.

16 Tracks umfasst das, von der Fangemeinde lang ersehnte vierte „kornerer“ Album. Schon vorab wurde einmal mehr die Fannähe Korns demonstriert, indem sie das Albumcover von einem Fan entwerfen ließen. Eine Tatsache, die das Album gleich sympathisch macht. Musikalisch wird man begrüßt mit Altbewerten. Dudelsackklänge schallen einem im Intro „Dead“ entgegen, gepaart mit rhythmischen Trommelschlägen. Man fühlt sich auf ein mittelalterliches, schottisches Schlachtfeld transportiert, mit Jonathen Davis als Reiseführer. Der Text knüpft dort an, wo beim Vorgänger „Follow The Leader“ aufgehört wurde. Zynisch bemerkt Davis, fast nebensächlich, dass sein Traum, von einem glücklichen Leben immer weiter in die Ferne rückt und für ihn unerfüllbar scheint.

Der zweite Titel „Falling away from me“ ist gleichzeitig die erste Singleauskopplung. Der Titel beginnt mit einem kurzen Keyboardintro, danach wird man mit gewohnt tiefen Bässen konfrontiert, die für die Strophen von wunderschönen Keyboardklängen unterbrochen werden, wodurch dem Zuhörer das Verstehen des Textes erleichtert wird. Gewohnt düster erzählt Sänger Jonathan Davis von seinem Flirt mit dem Selbstmord, der seinen Schmerz für kurze Zeit zu verbannen scheint, doch die Qual kehrt zurück und schlägt ihn immer wieder tief in den Boden. Mit „Trash“ folgt ein wirklich atemberaubender Song, der anfangs langsam und kühl wirkt, aber dann in einem psychotischen Geschrei Davis’ mündet. Bei „4U“ gönnt man dem Zuhörer eine kurze Verschnaufpause. Doch nur, damit dieser im nachfolgenden „Beg for me“ direkt eins auf die Nase bekommt. Davis fühlt sich beobachtet, verfolgt (von den Medien, von den Fans?) und möchte, dass sie ihn doch bitte einfach nur auf die Bühne lassen, da dort seine Qualen verblassen. Trotzdem hofft er am Ende des Stückes, dass diese Leute für ihn da sein werden, wenn er sie braucht („…be there for me.“). „Make me bad“ erscheint für Korn-Verhältnisse ungewöhnlich hitverdächtig. Doch was will uns der Autor mit den Zeilen „The flesh make me bad…“ sagen? Nach dem eher einschläfernden „It’s gonna go away“ folgt mit „Wake me up“ der passende Wachmacher. Der Song könnte ein treffender Einstieg für zukünftige Korn-Konzerte sein, denn Davis erinnert sich und seine Bandkollegen im Text daran, wofür sie überhaupt spielen: das „Wir-Gefühl“.

„Am I going crazy“ stellt ein kurzes, elektronisches Wirrwarr dar, durch das die Verwirrung, Verzweiflung oder auch Verrücktheit Davis’ ziemlich gelungen zum Ausdruck gebracht wird. „Hey daddy“ bietet einen krassen Kontrast zwischen kindlich niedlichem Gesang im Intro und einem ziemlich expliziten Refrain. „Somebody someone“ ist einer der besten Tracks des Albums. Wirklich schöne Wechsel von laut und leise, schnell und langsam, Gesang und psychotischen Geschrei, lassen den Song auch nach mehrmaligem Hören einfach nicht langweilig werden! Dagegen ist „No way“ leider nur ein durchschnittlicher Korn-Song. Davis sing(k)t traurig, fast gelangweilt (in) den Titel. War wohl mal wieder einer der fortgeschritten depressiven Tage des Korn-Frontmanns. Am Ende des Titels fühlt man sich sogar an Marilyn Mansons „Mechanical Animals“-Album erinnert, was für Korn ein eher untypischer Sound ist. Als Entschädigung gibt es mit „Let’s get this started“ einen buchstäblich traumhaften Track. Kopfhörer auf, volle Lautstärke und der Titel entfaltet seine ganze Kraft und transportiert den Hörer in eine andere Welt. „Wish you could be mine“ ist dann kurz vor Schluss leider einer der belanglosesten Titel des Albums. Ein Glück, ist er auch einer der kürzesten. So endet „Issues“ nach ca. 50 Minuten mit dem Track „Dirty“. Davis bittet in diesem Song hauptsächlich um zwei Sachen: Er möchte endlich wieder sein Leben leben. Ein Wunsch, der nachvollziehbarer nicht sein kann. Und er möchte, dass man die Welt einmal aus seinen Augen sehen kann. Und irgendwie schafft er es tatsächlich, zumindest einen seiner beiden Wünsche in Erfüllung gehen zu lassen. Denn nach dem Hören von „Issues“ fühlt man sich tatsächlich etwas näher an Jonathen Davis’ Sichtweisen hinangeführt, obwohl man sicherlich nicht alles hundertprozentig nachvollziehen kann, was der gelernte Leichenbestatter da während der gesamten Spielzeit von sich gibt.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Korn sich auf diesem Album keinesfalls verschlechtert haben. Die Songs sind teilweise etwas poppiger, dadurch aber auch angenehmer zu hören, und das O(h)rgan wird nicht ganz so doll belastet wie zum Beispiel auf den Vorgängeralben „Life Is Peachy“ oder „Follow The Leader“. Es sind wirkliche Ohrwürmer auf „Issues“ vorhanden, die für einige Bewegung in den Alternative Discos und bei den alljährlichen Rock-Festivals gesorgt haben. Ob das genug ist für ein Korn-Album, bleibt jedem selbst überlassen, denn viele Kritiker scheinen innovative bis progressive Quantensprünge von dieser Band zu erwarten, die mit diesem Album sicherlich nicht erreicht werden konnten.

Anspieltipps:

  • Falling Away From Me
  • Somebody Someone
  • Let’s Get This Started
  • Trash
  • Dirty
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