Laith Al-Deen - Für Alle - Cover
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Laith Al-Deen Für Alle


  • Label: Columbia/SONY
  • Laufzeit: 62 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Die meisten Stücke bieten gute bis sehr gute Ansätze, versinken aber immer wieder in langweiligem Mainstream-Pop.

Wenn man sich einmal vor Augen hält, welche vermeintlichen Topstars im letzten Jahr mit ihren Singles und Alben gnadenlos badengegangen sind, wird einem wahrlich angst und bange. Dabei sind heutzutage lediglich 20.000 verkaufte CDs in einer Woche notwendig, um eine Top 10 Single zu platzieren. Ja, und eine Goldene Schallplatte bekommt man auch schon für 100.000 abgesetzte Einheiten. Es sei denn, man heißt Marius Müller-Westernhagen. Der bekommt selbst dann eine Platin-Auszeichnung, wenn er noch nicht mal Gold-Statuts erreicht hat. Fürwahr, eine verrückte Welt, voll von künstlichen Superstars und solchen, die kein Bein mehr auf den Boden bekommen, ob der mit Möchtegernmusikern überfüllten Hitparaden. Dabei gibt es in Deutschland so viele Musiker, die für ehrliche Popmusik stehen; und das ganz ohne Casting und notgedrungenem Herunterleiern fader Dieter-Bohlen-Kompositionen.

Einer von dieser Sorte ist Laith Al-Deen, der bereits seit 15 Jahren als Instrumentalist und Sänger in verschiedenen Bands tätig ist und seit ein paar Jahren als erfolgreicher Solokünstler anerkannt ist. Laith Al-Deen kam 1972 als Sohn irakisch-deutscher Eltern in Karlsruhe zur Welt. Schon in frühester Jugend kommt er durch einen USA Aufenthalt mit verschiedenen Musikstilen in Berührung, die ihn mit 17 Jahren zum Musikmachen inspirieren. Es beginnt der übliche Weg. Demos werden an Plattenfirmen verschickt, Kontakte geknüpft – Hoffen auf eine Karriere als Musiker. Dann die große Chance. Sony Music veröffentlicht im Jahr 2000 die Single „Bilder von dir“, die sich mit einigem Anlauf in den Charts durchsetzen kann. Es folgen mit „Ich will nur wissen“ und „Melomanie“ zwei Alben. Der Song „Dein Lied“ wird zur erfolgreichsten Al-Deen-Single. „Melomanie“ erhält eine Gold-Auszeichnung für damals noch notwendige 150.000 abgesetzte CDs.

Jetzt erscheint das dritte Laith-Al-Deen-Album „Für alle“, das wieder in Zusammenarbeit mit dem Offenbacher Produzenten- und Co-Autoren-Team Schallbau entstanden ist. Aus der gemeinsamen Arbeit an allen bisherigen Alben ist eine Vertrautheit zwischen Laith Al-Deen und dem Schallbau-Team entstanden, die eine erneute Kooperation durchaus rechtfertigt. So steuern alle Beteiligten zu Anfang Ideen bei - eine simple Akkordfolge, das Fragment eines Refrains oder eine Textidee – an denen separat in einem der Schallbau-Studios oder in Laiths eigenem Ministudio weitergearbeitet wird. Etappenweise setzt er sich dann mit seinen Produzenten zusammen. Man spielt sich in wechselnden Formationen Ideen und Weiterentwicklungen vor, verwirft, kombiniert, skizziert neu, um schließlich das musikalische Fundament der Songs zu erhalten.

Auf diese Weise wurden 14 Songs für das Album zusammengestellt, von denen der Titel „Alles an dir“ bereits in den Singlecharts für Furore sorgt. Der Song vereint alle Stärken der Schallbauer um Laith Al-Deen: ein hymnischer Refrain trifft auf sauber produzierten Pop-Rock der von Al-Deens markanter Stimme zusammengehalten wird. Ein wahres Freudenfest fürs Autoradio. In dasselbe Horn bläst der Opener „Viel davon“, dessen Klanggerüst ein wenig wie das der Simple Minds in den späten 80er-Jahren, ergänzt um ein paar Streicher, klingt. Dazu kommt der Laith-Al-Deen-typische hymnische Refrain und alle schreien Hit! „Kann es sein“ ist dagegen ein wenig aufregendes Midtempo-Stück ohne großen Hitappeal, das allerdings eine behutsam gespielte Slide- und Pedal-Steel-Guitar präsentiert. Etwas mehr Pfeffer hat das Titelstück („Für alle“), das auf einem flauschigen Synthesizerteppich schwebt, aber ähnlich wie „Worauf wartest du?“, das mit einer akustischen Sologitarre im Flamenco-Stil daherkommt, nicht recht aus der Masse des Durchschnitts herauskommt. Ein Problem, das bedauerlicherweise zu viele Songs auf der CD auf sich vereinen.

Tatsächlich bieten die meisten Stücke durchaus gute bis sehr gute Ansätze, versinken aber immer wieder in langweiligem Mainstream-Pop. Besonders im Mittelteil hängt das Album gefährlich durch, kann aber zum Schluss gerade noch mal die Kurve zu einer passablen Bewertung bekommen. So sind kleine Perlen wie „Zu sehr“, „Das weiss ich“ oder das mit krachenden Rockgitarren eröffnende „Höher“, das mit seinen Harmonien etwas an Jochen Distelmeyers Blumfeld erinnert, was beileibe keine schlechte Referenz ist, eher rar gesät. Auch keine schlechte Idee war es, für den Reggae „Meilenweit“ den Shootingstar Zoe als Duettpartnerin zu verpflichten, die vor kurzem ihr gelobtes Album „Zoeciety“ veröffentlichte. So kann das Werk zumindest fünf bis sechs überdurchschnittliche Songs präsentieren, auch wenn einem während des einstündigen Hörgenusses ein ums andere Mal das Gefühl beschleicht, dass man den Titel „Für alle“ bei der Produktion etwas zu wörtlich genommen hat und eine Platte produzierte, die dem Massengeschmack entsprechen soll. Und dafür sind nun wirklich die Herren Engler und Bohlen zuständig!

Anspieltipps:

  • Höher
  • Zu sehr
  • Labyrinth
  • Meilenweit
  • Alles an dir
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