Muse - Showbiz - Cover
Große Ansicht

Muse Showbiz


  • Label: Motor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 50 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Was die drei Burschen im zarten Alter von 20 Jahren bereits an künstlerischer Qualität für sich verbuchen können, ist wirklich phänomenal.

Muse – ein vielversprechender Name für eine vielversprechende Band? Abwarten! Schon im Vorfeld der Veröffentlichung des Debütalbums „Showbiz“ im Jahr 1999 wurden die damaligen Newcomer von der britischen Musikpresse als das nächste große Ding gehypt. Vergleiche mit den ebenso großartigen wie einzigartigen Progressive-Poppern von Radiohead machten die Runde. Dadurch wurde die Messlatte für die drei Jungs aus Devon von vorneherein extrem hochgelegt. Doch Muse können diesen Ansprüchen durchaus gerecht werden.

Tatsächlich präsentieren Dominic Howard (Schlagzeug), Chris Wolstenholme (Bass) und der Kopf der Band, Sänger und Songschreiber Matthew Bellamy, einen Sound, der nur schwer zu beschreiben ist. Das Wort extravagant würde am ehesten passen, für diese Mischung aus Alternative Rock und Klassik, mit einem Hauch Pop. Auf jeden Fall lassen die Briten auf dem von John Leckie (Radiohead, The Verve, John Lennon) produzierten „Showbiz“ ihrer Fantasie, ihrer Kreativität und ihren Emotionen freien Lauf. Gute-Laune-Musik produzieren Muse allerdings in keinem Fall. Irgendwie haben alle Lieder auf „Showbiz“ einen Bezug zu unglücklichen Beziehungen. Deshalb sind Muse-Songs gerne mal tieftraurig wie bei „Hate this & I’ll love you“ oder (schön) kitschig wie bei „Unintended“. Darüber hinaus verfügen Muse mit Matthew Bellamy über einen absoluten Ausnahmesänger, dessen Stimmrepertoire ein sehr breites Spektrum abdeckt. Von nervend bis niveauvoll, von weinerlich bis wütend, von traurig bis tyrannisch – und das in fast allen Tonlagen. Das mag den Durchschnittshörer beim ersten Durchlauf ziemlich abschrecken und ihn dazu verleiten, die Platte doch lieber im Laden stehen zu lassen. Aber dadurch würde er sicher eines der herausragenden Debüts des ausklingenden 20. Jahrhunderts verpassen.

Was die drei Burschen im zarten Alter von 20 Jahren bereits an künstlerischer Qualität für sich verbuchen können, ist wirklich phänomenal und lässt für die Zukunft auf weitere Großtaten hoffen. So ist der Emotionsgehalt der Musik schlicht atemberaubend. Man möchte Herrn Bellamy beim Song „Muscle museum“ am liebsten ein Taschentuch reichen und ihn fragen, was der Grund seines Leidens ist. Doch dazu hat der Hörer angesichts dieser hochdramatischen Darbietung eigentlich keine Zeit. Das Stück entwickelt sich ganz langsam, um sich kontinuierlich zu steigern, bis es beim ersten Refrain richtig anfängt zu kochen. Doch Muse können auch anders. Rockiger etwa, wie bei „Fillip“ oder „Overdue“. Wirklich schön ist auch der Song „Uno“, der besonders im Refrain mitreißen kann. Sicherlich neigt die Band hier und da etwas zu übertreiben. Legt vielleicht eine Instrumentenspur zuviel drauf oder verzettelt sich in etwas zu kitschigen Texten („Cave“), doch darüber schaut man gerne hinweg.

Das gesamte Album lässt sich sicher erst nach mehrmaligem Hören richtig Entdecken. Doch dann entfaltet sich die ganze Schönheit von Songs wie „Showbiz“ oder dem Opener „Sunburn“, der von einem wunderschönen Pianosolo eingeleitet wird. Doch dadurch besteht niemals die Gefahr, dass das Werk langweilig wird. So ist es auch heute noch ein wahrer Genuss, dieses Album knapp vier Jahre nach seiner Veröffentlichung hören zu dürfen. Denn was kann bei all dem Müll aus den TV-Casting-Shows oder Pseudo-Rock à la T.A.T.U. und The Rasmus schöner sein, als sich für die Länge eines Albums in die Fänge der muse’schen Melancholie zu begeben, die im richtigen Augenblick so schön sein kann wie eine heiße Schokolade an kalten Wintertagen.

Anspieltipps:

  • Sunburn
  • Showbiz
  • Muscle Museum
  • Hate This & I’ll Love You
  • Uno
Neue Kritiken im Genre „Rock“
7.5/10

Out Of The Sun
  • 2016    
Diskutiere über „Muse“
comments powered by Disqus