The Doors - Boot Yer Butt! The Doors Bootlegs - Cover
Große Ansicht

The Doors Boot Yer Butt! The Doors Bootlegs


  • Label: Rhino/WEA
  • Laufzeit: 310 Minuten
Artikel teilen:
9/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Obwohl James Douglas Morrison, Sänger und Aushängeschild der kalifornischen Rockband The Doors bereits seit mehr als 30 Jahren tot ist, lebt der Geist des „Lizard Kings“ und seiner außergewöhnlichen Band bei Millionen Musikfans weiter und wird durch regelmäßige Neuauflagen der Studioalben und durch das zu Tage fördern zahlreicher unbekannter Live-Versionen immer wieder an neue Generationen musikverrückter Menschen vererbt.

Damit das Geschäft mit der Musik der Doors auch weiterhin floriert, haben sich die verbliebenen Bandmitglieder Robby Krieger, John Densmore und Ray Manzarek entschlossen, über die Doors-Homepage und das Label Bright Midnight Records (im Vertrieb von Rhino Handmade/Time Warner AOL) sukzessive rares und unveröffentlichtes Songmaterial zu heraus zu bringen. Das neueste Produkt stellt dabei ein vier CDs umfassendes Box-Set dar, dessen Aufmachung leider etwas billig anmutet, was wohl daran liegt, dass es sich hier um eine Sammlung von gebootlegten Songs handelt. Und Bootlegs werden eben fälschlicherweise mit billigen Covers und Verpackungen in Verbindung gebracht, was bei den meisten Bootleg-CDs schon lange nicht mehr stimmt. Aber sei’s drum. Was zählt ist der Inhalt. Und dieser ist von historischen Ausmaßen!

„Boot Yer Butt! – The Doors Bootlegs“ bietet verteilt auf vier Compact Disks nicht weniger als 56 unveröffentlichte Live-Songs aus der Zeit zwischen 1967 und 1970. Die Stücke wurden von Gitarrist Robbie Krieger persönlich zusammengestellt, gemeinsam mit Mike Sims produziert und von Bruce Botnick neu abgemischt. Bei den Songs handelt es sich um Mitschnitte aus den USA, England, Holland und Deutschland, wobei sich der Fan im Klaren sein sollte, dass es sich ausschließlich um Bootleg-Aufnahmen handelt, die in der Soundqualität natürlich zu wünschen übrig lassen. Hier sollten also nicht Doors-Laien und Neuentdecker zuschlagen, sondern vornehmlich Fans und Sammler, die alles von ihren Helden im Regal stehen haben müssen. Aber für diese Abgrenzung wird allein der Preis von mindestens 80 Dollar sorgen, den für den US-Import hingeblättert werden müssen. Doch für Fans ist dies eine durchaus lohnenswerte Anschaffung.

Während der erste Rundling mit einem kleinen Hit-Sammelsurium der allerersten Doors Live-Aufnahmen aus dem Jahr 1967 aus San Francisco, Santa Clara, Denver, Danbury und San Bernadino aufwarten kann (u.a. „Moonlight drive“, „Back door man“, „Break on through“, „Light my fire“, People are strange“, „Alabama song“, „Love me two times“, „Soul kitchen“), bietet die zweite CD einem Ausschnitt („Wild child“) des legendären Konzerts, in der Singer Bowl in Queens, New York, vom 2. August 1968. Dieses war zugleich das Live-Debüt von „Wild child“, das erstaunlich gut ablief. Doch nach dem letzten Song („The end“) flogen plötzlich Stühle auf die Bühne und das Publikum begann die Halle zu zerlegen. Dazu gibt es eine von drei bekannten Live-Aufnahmen von „Spanish caravan“ aus der Philadelphia Arena (August 1968) sowie extrem begehrte Mitschnitte aus London („Five to one“, The Roadhouse, 7. September 1968), Frankfurt („The unknown soldier“, Kongresshalle, 14. September 1968) und Amsterdam („Break on through“, Concertgebouw, 15. September 1968).

Der dritte Silberling enthält insgesamt 17 Stücke aus der Zeit von Januar 1969 bis Juli 1970, aufgezeichnet u.a. im New Yorker Madison Square Garden, in der Long Beach Sports Arena und dem Honolulu Convention Center. Den Auftakt macht eine ausladende Version von „Back door man“ (New York, 24. Januar 1969), die direkt in eine stampfende „Five to one“-Kanonade mündet. Ja, Jim, wir glauben dir, dass dort keiner lebend raus kam. Vor allem, wenn du mal wieder im Suff diverse Songs total versaut hast, was durch „Forget this is the Square Garden“, „Hitler poem“, „I’m talkin’ about having a good time“ und „No limits, no laws“ eindrucksvoll bewiesen wird. Dabei kann du es so viel besser. Man höre nur das anmutige „The crystal ship“ (Varsity Stadium, 1969), das bluesige „Rock me“ (Winterland Arena, 1970), den furiosen „Roadhouse blues“ aus Honolulu (April 1970) oder das schier endlose „Mystery train“.

Auf der vierten CD finden wir vier Songs vom „L.A. Woman“-Album, das zum Zeitpunkt der Live-Einspielung in seiner Entstehung war, sodass man hier ein paar höchst seltene „Work in progress“-Versionen geboten bekommt. Als Highlight fungiert eine dumpf grollende Version von „L.A. Woman“. Aufgenommen am 11. Dezember 1970 in der State Fair Music Hall in Dallas, Texas, rumpelt der Song völlig ungewohnt, wie eine alte, schnaufende Dampflok, in Zeitlupengeschwindigkeit los, um dann ganz langsam an Fahrt hinzuzugewinnen. Morrison gibt mit seiner vom Alkohol angegriffenen Stimme eine beeindruckende Performance ab, die die zweitletzte zusammen mit den Doors sein sollte.

„Boot Yer Butt! – The Doors Bootlegs“ ist ein zweischneidiges Schwert. Denn bei der Soundqualität müssen zum Teil erhebliche Abstriche gemacht werden. Vor allem wer die bisherigen „Bright Midnight“-Veröffentlichungen kennt, wird eventuell ob des ziemlich schlechten Klangs etwas verwirrt sein. Auch macht die etwas lieblose Verpackung und das schwachbrüstige 12-Seiten-Booklet nicht besonders viel her. Dadurch sind die vorliegenden CDs eher etwas für Puristen und „Alleskäufer“, die solche „Kleinigkeiten“ verschmerzen können. Diese bekommen allerdings ein mehr als fünf Stunden andauerndes Mega-Konzert geboten, das es in dieser Form noch nie gegeben hat.

Wer bei diesem Gedanken kein nervöses Augenflackern und Schmetterlinge im Bauch bekommt, kann kein echter Doors-Fan sein!

Anspieltipps:

  • L.A. Woman (Live 12/11/1970)
  • The End (Live 08/02/1968)
  • Five To One (Live 01/24/1969)
  • Mystery Train (Live 04/18/1970)
  • Little Red Rooster (Live 11/10/1968)
  • Moonlight Drive (Live 03/04/1967)
  • Break On Through (Live 07/09/1967)
  • Alabama Song (Live 12/16/1967)
Neue Kritiken im Genre „Rock“
Diskutiere über „The Doors“
comments powered by Disqus