Rancid - Indestructible - Cover
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Rancid Indestructible


  • Label: Hellcat Records/WEA
  • Laufzeit: 52 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Dominierten auf dem letzten Album aggressive Töne und düstere Texten, womit Rancid eher ein Punk-Klischee bedienten, so klingt das neue Album entspannter und vor allem viel melodiöser.

Drei Jahre nach dem schlicht „Rancid“ betiteltem Album, welches nicht nur mit weißem Totenkopf auf schwarzem Cover sehr grimmig und kompromißlos daherkam, sondern auch klangtechnisch in alte Hardcore-Tage zurückführte, erscheint nun der Nachfolger „Indestructible“. Diesmal zeigt ein blutrotes Cover den Kopf eines Punks, dessen Blick in eine nur schwer definierbare Landschaft schweift. Ein Blick in die Zukunft? Kommt hin, denn eine gewisse Symbolträchtigkeit kann man den Rancid-Covers kaum absprechen.

Dominierten auf dem letzten Album aggressive Töne und düstere Texten, womit Rancid eher ein Punk-Klischee bedienten, so klingt das neue Album entspannter und vor allem viel melodiöser. Das ist Punkrock der (mindestens) zweiten oder dritten Generation, der keine Abgrenzung zu anderen Musikrichtungen benötigt und durch intelligente Texte, tolle Melodien und besonders durch sehr spannende Bass-Läufe besticht. So peitscht der Titeltrack kräftig nach vorne, ebenso wie das Schlussstück „Otherside“. Doch die meiste Zeit geht es eher relaxter zu als beim letzten Werk. Mit „Arrested in Shanghai“ gibt es diesmal sogar eine Ballade zu hören. Gesondert hervorzuheben sind die Songs „Ghost band“, in dem einer verflossenen Liebe nachgesungen wird (Sänger und Gitarrist Tim Armstrong war bis vor einer Weile mit Brodi Dalle von der Band The Distillers zusammen) und „Fall back down“, ein Freundschafts-Song zwischen den einzelnen Rancid-Mitgliedern – jedenfalls nach etlichen Aussagen der Musiker, die in Interviews immer wieder betonen, wie wichtig sie seit vielen Jahren füreinander sind. Beide Songs gehen gleich beim ersten Hören ins Ohr, bei anderen Songs benötigt es eine gewisse Anlaufzeit. Doch nach ungefähr drei Hördurchgängen erschließen sich wirklich phantastische Melodien und etliche Ohrwürmer.

„Red hot moon“ und „Start now“ kommen schon fast fröhlich daher. Die Melodien wirken alle wie aus dem Ärmel geschüttelt, flott und sorglos, jedoch bleiben Rancid ihrem unverwechselbaren Stil treu. So rumpelt die Musik trotz eingängigen Melodien an allen Ecken und Kanten, nichts klingt glattpoliert wie bei vielen angesagten amerikanischen Punk-Bands, gleichzeitig merkt man der Platte einen gewissen Hang zum Perfektionismus an. Am ehesten fühle ich mich – zumindest bei den von Tim Armstrong gesungenen Songs - an Tom Waits erinnert, obwohl der ein ganz anderes musikalisches Terrain beackert. Das Album erweckt den Eindruck, als ob Rancid ein größeres Publikum wie bisher anvisieren. Zwar sind sie nach wie vor beim hauseigenen Label „Hellcat Records“, haben jedoch seit kurzem einen Vertriebsdeal mit Warner Brothers. Ein Sachverhalt, den Rancid in früheren Zeiten weit von sich gewiesen hätten, denn irgendwo bringt immer jemand das böse Wort vom „Sell Out“ ins Spiel.

Nachdem Tim Armstrong, der neben Lars Frederiksen (Gitarre) für Texte, Musik und Gesang verantwortlich ist, seine Fühler etwas weiter ausgestreckt hat und für das neue Pink-Album „Try this“ ungefähr die Hälfte aller Songs geschrieben und produziert hat, kann auch das aktuelle Rancid-Album voll überzeugen. Die Band hat das spannendste, zugänglichste und wahrscheinlich beste Album ihrer Karriere produziert und zumindest theoretisch sind auch einige Hit-Singles dabei, die neben Punkrock-Fans auch Menschen für Rancid interessieren (und begeistern) könnten, die sich bisher wenig oder gar nicht mit dieser Musik beschäftigt haben. Und das, obwohl die Band ihren Wurzeln absolut treu geblieben ist.

Highlights:

  • Fall back down
  • Ghost band
  • Red hot moon
  • Start now
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