Lostprophets - Start Something - Cover
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Lostprophets Start Something


  • Label: J Records/SONY
  • Laufzeit: 60 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Album knallt mit einer amtlichen Dicke-Hose-Produktion aus den Boxen, als gäbe es kein Morgen.

Ach Gott, ach Gott, man hat’s aber auch schwer im Leben. Da legen die walisischen Jungspunde namens Lostprophets gleich mit ihrem, für läppische 4.000 Pfund eingespielten, Debütalbum „The Fake Sounds Of Progress“ (2001) einen waschechten Chartstürmer hin und müssen sich im gleichen Atemzug gegen allerlei Vorwürfe und Klischees verteidigen. So holte die berüchtigte britische Presse angesichts der sechs Musiker im Alter zwischen Anfang und Ende 20 den Hype-Hammer von der „Boy-Rockband“ heraus und stellte die Lostprophets auf dieselbe Stufe mit Fun-Punkern wie Good Charlotte und Nu-Metal-Epigonen à la Linkin Park. Und als das Album im U.K. mehr als 140.000 Mal über die Ladentische gegangen war, legte die Presse der Band plötzlich ihr Image zur Last, das eigentlich ihre eigene Erfindung war und äußerte leise Kritik an der Produktion von „The Fake Sounds Of Progress“, das innerhalb einer Woche im Hauruckstil eingespielt wurde. Verrückte Welt!

Für ihr zweites Album „Start Something“ haben sich die Lostprophets deshalb Großes vorgenommen, um es all ihren Kritikern zu zeigen. Die Herren Ian Watkins (Vocals), Mike Lewis (Gitarre), Lee Gaze (Gitarre), Stuart Richardson (Bass), Mike Chiplin (Schlagzeug) und Jamie Oliver (Gesang/Turntables/Samples) aus dem Dörfchen Pontypridd bei Cardiff haben sich satte vier Monate lang mit Produzent Eric Valentine (Queens Of The Stone Age, Good Charlotte, Smash Mouth, Dwarves) in dessen Barefoot Studio in Los Angeles eingeschlossen, um das zur Verfügung gestellte Produktionsbudget richtig auszureizen. Für die Band war klar, dass sie ein episches Album machen wollte. „Ich liebe grandiose, ausschweifende Bands wie Queen,“ sagt Sänger Ian. „Wir dachten, das ist jetzt unsere Chance.“ Und episch, um nicht zu sagen bombastisch, ist das Album definitiv geworden. Mit einer amtlichen Dicke-Hose-Produktion im Rücken knallt das Album 60 Minuten lang aus den Boxen, als gäbe es kein Morgen. Da ist nichts mehr von wegen Indie-Rock oder dergleichen. Stücke wie der Opener „We still kill the old way“ oder „To hell we ride“ sind einfach laut und heftig abrockende Nu-Metal-Feuerwerke mit eingestreuten Keyboard-Breaks, die für das Genre typisch sind. Das kommt davon, wenn man mit Linkin Park auf Tour geht.

„Last Train Home“, das mit einem atmosphärischen Intro beginnt und schließlich in einem hymnischen Highspeed-Sing-Along gipfelt, wird stilecht durch die Backing Vocals einiger Good-Charlotte-Mitglieder ergänzt, wogegen „Last summer“ und „Make a move“ hitparadentauglicher Metal-Pop sind. Ja, auch so was gibt es. Und weil es gerade so schön chartkompatibel rockt, legen die Jungs mit der Singleauskopplung „Burn burn“ einen furiosen Rocksong mit grandios-druckvollem Refrain nach, dass das Haus wackelt. Dagegen kommt das geschmeidige „Goodbye tonight“ als New-Wave-inspirierter Popsong daher, während „We are Godzilla, you are Japan“ oder der knüppelharte Titeltrack „Start something“ voll fette Krachmacher sind. Dadurch bleibt das Album stets ambivalent: Eigenwillige Elemente wie das vertrackte Ambient-Outro bei „Start something“, dramatische Piano-Codas oder Vollgas-Rock, Streicher-Passagen oder Keyboard-Teppiche, wilde Scratch-Einlagen oder Ian Watkins prägnante Stimme, die sehr stark an Ex-Faith-No-More-Shouter Mike Patton erinnert, irgendwie passiert hier alles zur richtigen Zeit.

„Start Something“ ist ein gelungenes „Gute Laune“-Album, was bitte nicht falsch zu verstehen ist, denn vom massenkompatiblen Stadionrock sind die Lostprophets noch ein gutes Stück entfernt, obwohl sie auf ihrem Zweitwerk bereits erste Ansätze eines Megasellers aufweisen: Ein Bündel starker Songs, super-fette Produktion und ein Major-Label im Rücken – wäre doch gelacht, wenn diese Band nicht auch bald außerhalb des British Empire für Furore sorgt.

Anspieltipps:

  • Burn burn
  • Make a move
  • Start something
  • Goodbye tonight
  • We still kill the old way
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