The Coral - Nightfreak And The Sons Of Becker - Cover
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The Coral Nightfreak And The Sons Of Becker


  • Label: Deltasonic/SONY
  • Laufzeit: 28 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Nicht erst seit den Beatles weiß man, dass ein bisschen verrückt zu sein nicht schaden kann. Servierten uns die Herren Lennon/McCartney kryptische Texte vom Schlage „Strawberry fields forever“ oder „Lucy in the sky with diamonds“, kommt uns die west-englische Kiffer-Band um die Gebrüder Skelly heuer nicht minder skurril. Ganz offensichtlich gelten für The Coral keinerlei Regeln, denn weder musikalisch noch geschäftlich lässt sich das Sextett in irgendwelche Korsette zwängen. So erscheint jetzt, nur wenige Monate nach der CD „Magic And Medicine, ein limitiertes Mini-Album mit dem geheimnisvollen Titel „Nightfreak And The Sons Of Becker“.

Das insgesamt dritte Werk innerhalb von 18 Monaten wurde in nur sieben Tagen in den Bryn Derwen Studios in Wales eingespielt und enthält eine spontan aufgenommene Ansammlung von First Takes, die sich in 28 Minuten Spielzeit auf elf Tracks verteilt. Zum ungewöhnlichen Titel des Werkes ließen The Coral im NME verlauten, dass sie alle uneheliche Söhne von Ex-Tennisstar Boris Becker sind und ihm nun nachreisen, um Geld von ihm zu bekommen. Alles klar? Da haben die Sportzigaretten wohl ganz vorzüglich geschmeckt. Und deshalb dürfen die Songs auch klingen wie aus dem Takt geratene Psychedelik-Fisimatenten („Precious eyes“), schräg groovende Funk-Absurditäten („Venom cable“), wild rockende „Frank Zappa jagt Iggy Pop“-Derivate („I forgot my name“), rumpelnde 60s Psycho-Pop Adaptionen aus der Abteilung „The Velvet Underground meets Sonic Youth“ („Song of the corn”) oder einfach nur verschroben-schöner BritPop mit kongenialem Gitarrengezirpe und elfenartigem Gesang („Sorrow or the song“).

The Coral ziehen auf ihrem Drittwerk alle Register des Wahnsinns und präsentieren ein Maximum an Merkwürdigkeiten, die sich hart an der Grenze zur Unerträglichkeit befinden. Zu diesem Repertoire zählt auch wieder die Coral-typische Weirdo-Polka („Auntie’s operation“), ebenso wie charmanter Unsinn, der ziellos vor sich hin groovt („Grey harpoon“) oder einfach nur irgendwelche Hall-Effekte verarbeitet, aus denen sich ganz langsam so etwas wie eine Melodie herauskristallisiert („Keep me company“). Hat der Hörer bis hierhin durchgehalten, wird er noch von einem zuckenden Rock ’N Roll Bastard heimgesucht („Migraine“), ehe er um Gnade bettelnd alle Viere von sich streckt.

Die sechs Briten machen es ihren Fans wirklich nicht einfach. Zwar bleiben sie ihrer Linie treu und verarbeiten auch auf „Nightfreak And The Sons Of Becker“ zahlreiche Einflüsse aus 60s-Pop und Psychedelica, doch diesmal ist es wesentlich schwieriger, dem Treiben eine gewisse Struktur abzuringen. Die Musiker toben sich wie spielende Kinder aus und vergessen dabei schon mal die Grundregeln der Popmusik. Es rumpelt, zerrt und wabert an allen Ecken und Kanten. Da können Songaufbau oder Melodie durchaus auf der Strecke bleiben. Aber wen schert es? The Coral sicher nicht. Deshalb liebt oder hasst dieses Werk - ignorieren geht nicht!

Anspieltipps:

  • Migraine
  • Venom cable
  • Song of the corn
  • Auntie’s operation
  • Sorrow or the song
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