The Distillers - Coral Fang - Cover
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The Distillers Coral Fang


  • Label: Reprise/Warner Bros.
  • Laufzeit: 45 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Guten Punkrock zu produzieren und dabei nicht einfallslos und uninspiriert zu klingen, ist wirklich nicht leicht. Auf "Coral Fang", dem neuen Album der Band um Frontröhre Brody Dalle, "The Distillers", gelingt dies definitiv. "Coral Fang" ist ein lebendiger Beweis dafür, dass das Genre noch lange nicht tot ist: Erweitert um viel Grunge, Pop, Rock und Metal sowie durch das unverkennbar kaputte Organ von Dalle gelingt es dieser Band ein rundum gelungenes, schnelles Album zu produzieren, das nicht nur klassische Punk-Klientel ansprechen dürfte. Denn während man auf den ersten beiden Alben noch eher rauere Töne anklingen ließ, verfügt "Coral Fang" über unverkennbar melodisch-harmonietrunkene Züge.

Liest man heutzutage etwas über "The Distillers", wird man an deren Frontfrau Brody Dalle nicht vorbeikommen. Die hieß mal Brody Armstrong und war mit Rancid-Frontmann Tim Armstrong liiert. Das ist jetzt vorbei und heute wird ihr eine womöglich im Hafen der Ehe wollende Beziehung zu QOTSA-Mastermind Josh Homme nachgesagt. Und nach Courtney Love klingt sie nicht nur ein bisschen, sie sieht ihr gar ähnlich. Alles Informationen, die zum Verständnis der eigentlich Musik dieser Band unwesentlich sind. Denn "Coral Fang" legt kompromisslos los und schon der Opener "Drain The Blood" (nicht das einzige Lied der Platte, das sich um den roten Lebenssaft dreht) kann als Sinnbild für die weitere CD gelten: Eine höchst gelungene Melange aus altbekannter Cobain-Kaputtheit und der gleichzeitigen Bewahrung eines nicht zu unterschätzenden Pop-Faktors.

Das mündet eigentlich so gut wie nie in Langeweile, sondern wird hin und wieder von straighteren, fast Alternative-Rock-ähnlichen Klängen unterbrochen. "Hunger", ein über fünfminütiges Stück beispielsweise ist einfach - Punk hin oder her - gutes Songwriting. Zwar hört man bei Liedern wie "The Gallon Is God" sehr deutlich Nirvanaeskes durchklingen, doch insgesamt bewahren sich "The Distillers" eine hübsche Eigenständigkeit, die nicht zuletzt an der unverwechselbaren Stimme ihrer Frontröhre liegt. Weitere Highlights markieren "Hall Of Mirrors", das sehr spannungsgeladen aufgebaut ist, sowie das herrlich grungende "Dismantle Me". Schwachpunkte liegen indes genauso offen wie die Stärken. Da wäre einmal der vollkommen unnötige, aber 12-minütige Abschluss "Death Sex", ein ärgerliches Stück, das sich penetrant in progressivem Geschwurbel und jede Menge Geschrei suhlt, um in einer Sound-Brei-Orgie zu enden. Genauso unter die Kategorie: "Das wäre aber nicht nötig gewesen" fällt das eher geschmackfreie Cover, was aber natürlich nicht schwer wiegen muss.

Ansonsten nämlich ist "Coral Fang" eine durchaus unterhaltsame, abwechslungsreiche Platte geworden, mit der es - und hier kommt die subjektive Meinung des Rezensenten zum Tragen - Brody Dalle gelingt, ihren Ex-Mann und seine Band "Rancid" locker in die Tasche zu stecken. Ihren Neuen, Josh Homme, zwar nicht ganz, und man kann sich fast sicher sein, das Miss Dalle am nächsten QOTSA-Album eine kleine Nebenrolle erhalten wird. Wüste Spekulationen, sicher, für heute bleibt mit "Coral Fang" ein schönes Album, das sein Geld in jedem Fall wert ist.

Anspieltipps:

  • Dismantle Me
  • The Gallon Is God
  • Hall Of Mirrors
  • Beat Your Heart Out
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