Franz Ferdinand - Franz Ferdinand - Cover
Große Ansicht

Franz Ferdinand Franz Ferdinand


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 39 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Hype, der (neudeutscher Begriff für Newcomer-Bands und deren meist gar nicht mal so guter musikalischer Auslegware, die hochgeschrieben von meist eher unseriösen Blättern in aller Munde sind und in geradezu penetranter Art und Weise die Musikmedien übervölkern).

So oder so ähnlich könnte eine Umschreibung lauten für das, was derzeit mit den Engländern mit dem bemerkenswerten Namen "Franz Ferdinand" passiert. Jeder kennt ihre Single "Darts Of Pleasure" und inzwischen auch "Take Me Out" aus dem Radio, der Bandname ist der eines erschossenen habsburgischen Thronfolgers und die Musik klingt verdächtig nach verwandten Hype-Bands à la "The Strokes". Und ich soll eine objektive Rese dieser Musik verfassen. Die berühmte Quadratur des Kreises. Gott steh mir bei.

Zunächst einmal: Was sind das für Menschen, die sich und ihr erstes Album "Franz Ferdinand" nennen und in der Single "Darts Of Pleasure" "Ich heiße superfantastisch und trinke Schampus und Lachsfisch" singen? Deutsche Emigranten? Verkopfte Germanistik-Studenten? Oder hat der Sänger einen habsburgischen Urgroßvater? All das bleibt vorerst unbeantwortet, jedenfalls sehen die vier Engländer in ihren gebügelten Hemden und einigermaßen braven Frisur wie das Gegenteil von dem aus, was man von einer Rock `n Roll Band im Stile der "The"-Bands-Flut erwarten könnte. Ganz anders die Musik: Rock wohl, das steht mal fest, schließlich enthält die Chose Gitarren und vorzugsweise solche, die direkt aus den Jahren 60 bis 70 und manchmal auch 80 stammen könnten. Alles wie gehabt also. Lied 1, "Jacqueline" beginnt verhalten, ehe eine schon mal sehr schöne Eruption erfolgt. Klingt gut gelaunt, fast hyperaktiv, und verleitet eigentlich umgehend zu rhythmischem Rumgeklopfe und Kopfnicken.

"Musik, um Mädchen zum Tanzen zu bringen", das sagen "Franz Ferdinand" selber über sich, und könnten damit durchaus recht haben. Denn nicht nur "Jacqueline", auch "Tell Her Tonight" oder die Single-Auskopplungen "Darts Of Pleasure" und "Take Me Out" schreien mit ihrem unkomplexen, und doch durchaus spannenden Aufbau nach Indie-Disse und ähnlichen Etablissements. Dazu Texte, die jedes Radiohead-Groupie (falls es so etwas überhaupt gibt) erschüttern lassen: Seicht, klischeehaft und überaus umkompliziert. Die Musik hingegen pendelt sich irgendwo zwischen Iggy Pop, den Beatles und ein bisschen Disco ein. Das klingt hin und wieder noch glattgebügelter als die Hemden der Briten, macht aber von vorne bis hinten eigentlich ausnahmslos Spaß. Kein Song dabei, den man einfach mal als schlecht abstempeln könnte. Dazu die überaus talentierte Stimme von Front-Ferdinand Alexander Kapranos, die jedem Lied den ganz eigenen Stempel dieser seltsamen Band aufdrückt. Singt er beispielsweise im gloriosen "Darts Of Pleasure" laut und deutlich vollkommen überdreht "superfantastiiiiisch", bleibt kein Auge trocken.

Nach einer Woche intensivem Hören nahm ich "Franz Ferdinand" dann sachte aus dem CD-Player und legte sie in der Plattensammlung zwischen die beiden Strokes-CDs. Die Halbwertszeit dieser Musik ist natürlich begrenzt, aber wenn ich jetzt im Auto sitze und im Radio läuft "Take Me Out", dann denke ich mir doch, das ein "Hype", insofern man dieses Wort im ernsthaften Musikjournalismus überhaupt gebrauchen darf, gar nicht so schlimm sein muss. Schließlich folgte besagte, zweite Franz Ferdinand-Single direkt auf "Alexander"s "Free Like The Wind". Es gibt noch Hoffnung.

Anspieltipps:

  • Jacqueline
  • Darts Of Pleasure
  • Take Me Out
Neue Kritiken im Genre „Indie-Rock“
Diskutiere über „Franz Ferdinand“
comments powered by Disqus