Shy - 35 Sommer - Cover
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Shy 35 Sommer


  • Label: Paul!/ZOMBA
  • Laufzeit: 47 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

"In Linz beginnt`s". Diesen Spruch kennt in Österreich jedes Kind. Ein Fünkchen Wahrheit ist da schon dran. Denn die Linzer Combo Shy war es, die moderne Popmusik in der Alpenrepublik wieder so richtig salonfähig gemacht hat. Und mit „Stahlstadtkinder“ setzte die Band der oberösterreichischen Industriestadt gleich ein musikalisches Denkmal. Doch nach dem 2001er-Album „Auf Reisen“ war es lange Zeit sehr ruhig um das Quintett. Der Deal mit der Plattenfirma platzte, die Luft war draußen, lange Zeit war es unsicher, ob es überhaupt noch einmal neues Shy-Material geben wird.

Solche Gedanken gehören ab sofort der Vergangenheit an: Mit ihrem mittlerweile sechsten Longplayer „35 Sommer“ will das Quintett nun auch in Deutschland durchstarten und beim Wuppertaler Label „Paul Records“, das schon Künstler wie „Angelika Express“ beherbergt, fanden die Mannen um Frontmann Andreas Kump auch gleich ein passendes musikalisches Zuhause. Der Plattentitel hat eine eigene Geschichte. Diese handelt von einem Konzert der Liverpooler Band 35 Summers in Colne, nördlich von Manchester, am Ende einer Bahnlinie, im tiefsten Reihenhauscounty. Circa 1991. Andreas Kump, damals in Sachen Musiktourismus und Anglophilie unterwegs, erlebte eine reife, euphorische Band, die ihn nicht mehr loslassen sollte. Geduldig wartete er – damals gerade 23 – auf seinen 35. Sommer, um daraus einen Song zu stricken. Der Albumtitel war also im wahrsten Sinne des Wortes nur eine Frage der Zeit.

Und schon bei den ersten Tönen des Openers „Fest steht“ wird dem Hörer klar: Shy 2004 stehen für verspielten Power-Pop mit ausgeprägtem Bläsereinsatz. Einzig und allein auf „Country und Western“ zollt die Band noch ein allerletztes Mal ihrer zuletzt ausgelebten Country-Phase Tribut. Und es bleibt alles anders: Auf der Single „Durch und durch“ dröhnen Shy rauer als je zuvor aus den Boxen. Erkenntnis: Das Rockgesicht steht den Jungs gut. Man traut sich jetzt schon zu prognostizieren, dass dieser Song wohl Stammgast auf unzähligen Sommer-Mixtapes sein wird. Ein weiteres Herzstück des Albums ist zweifellos der Track „Friedhof für Slacker“, die Fortsetzung des 98er-Songs „Frühstück für Slacker“. Schilderte der erste Song das Leben in einer typischen Studenten-Wohngemeinschaft, geht Teil Zwei noch einen Schritt weiter: Man begleitet immer noch die selben Protagonisten, doch die Uni ist aus, die Visionen sind vorbei, und das Berufsleben saugt die ganze Energie auf. Der Grabgesang eines Lebensgefühls. Bissig und nachdenklich zugleich.

Die Wiener Zeitung Falter kürte Andreas Kump einmal zum „derzeit bei weitem besten Texter des Landes“. Und es sind auch auf dem neuen Album vor allem die versierten Songtexte, die die Band wohltuend vom Einheitsbrei abhebt: So handelt „Unvorstellbar“ von der Sehnsucht, in einer besseren Welt zu leben, „35 Sommer“ führt uns das Leben in Zahlen vor Augen und für „Zwischenräume“ erfinden Shy kurzerhand das Genre „Musik für Architekten“. Ja, Sie haben richtig gelesen... Dass es trotzdem nicht ganz zu absoluten Bestnoten reicht, liegt vor allem an der leichten musikalischen Stagnation. So sehr Tracks wie „Durch und Durch“ und „Nach der Weltrevolution“ durch absolute Killer-Refrains bestechen, so sucht man diese in anderen Songs oftmals vergeblich. Selten setzt sich ein Track schon beim ersten Durchhören im Ohr fest. Und selbst die orchestrale, beinahe schon schlagerartige Instrumentierung in vielen Songs wirkte auf dem Vorgänger-Album „Auf Reisen“ noch homogener.

Doch Shy wollten sich nicht neu erfinden, Perfektion spielte für die Band beim neuen Album keine Rolle. Eher die Freude an der wiederentdeckten Freude am Musikmachen und Geschichten erzählen. Und das können die Jungs so gut wie eh und je. Und vor allem live sollte man die Andreas Kump und seine spielfreudigen Konsorten einmal gesehen haben.

Anspieltipps:

  • Durch und durch
  • Nach der Weltrevolution
  • Friedhof für Slacker
  • Was für ein Tag
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5/10

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