Sophie Zelmani - Love Affair - Cover
Große Ansicht

Sophie Zelmani Love Affair


  • Label: Epic/SONY
  • Laufzeit: 44 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit „Love Affair“ ist dem kongenialen Duo Zelmani/Halapi ein wunderschönes Stück Musik geglückt, das den Status eines Geheimtipps nicht verdient hat.

Plattenfirmen legen ihren Promotion-CDs in der Regel so genannte „Waschzettel“ bei, die den Redakteuren anhand von mehr oder weniger wichtigen Infos und blumigen Formulierungen, den rechten Weg zur adäquaten Kritik weisen sollen. Ein Musterbeispiel für die Sprachkunst in solchen Kurzinfos, ist der Text zum neuen Album „Love Affair“ der Schwedin Sophie Zelmani. Darin heißt es wörtlich: „’Love Affair’ ist eine Sammlung von Liedern, die gekonnt Intensität und Stille verbinden; ein Album, das erstrahlt wie die rötlich-gelblich schimmernden Herbsttage Skandinaviens, wenn die erste dünne Schneeschicht den warmen Farben des Herbstes ein reines, weißes Glitzern verleiht“. Alter Schwede! Dick aufgetragen ist noch untertrieben.

Nüchtern betrachtet ist die Musik der 31jährigen Singer/Songwriterin sanft-fragiler Akustik-Pop im Fahrwasser von Jewel Kilcher, Heather Nova und Enya, allerdings ohne die Esoterikspinnereien des irischen Megasellers. Ihre Songs sind spärlich instrumentiert, mit sensibler Stimme eingesungen, aber umso intensiver in der Wirkung. In ihrer schwedischen Heimat ist Sophie Zelmani mit ihrer zarten Melancholie schon lange erfolgreich. Auch in Japan verkauft sie erstaunlich viele Alben, nur in Deutschland hat sie den Status eines Dauergeheimtipps. Ihr Debütalbum erschien 1995 und konnte sofort einen schwedischen Grammy als „Best Newcomer“ einheimsen. Dabei begründet sich die Karriere sympathischen Songschreiberin mehr oder weniger auf einen Zufall. Aufgewachsen in einem Vorort von Stockholm, hatte Sophie lange Zeit keine Ahnung, was aus ihm mal werden sollte. Sie verdingte sich als Kellnerin oder Schuhverkäuferin. Doch jeden Tag zur Arbeit zu gehen war absolut nicht ihr Ding. Aber irgendwie muss man sich den Lebensunterhalt ja verdienen. Doch bevor sie sich dem Leben mit irgendeinen freudlosen Gelderwerb hingab, wollte sie sich noch einen Traum erfüllen: ein paar von den Liedern, die sie geschrieben hatte, zu veröffentlichen. Sie nahm ein paar Songs auf Kassette auf und verschickte die Kopien an Plattenfirmen. Als dann tatsächlich jemand von Sony Music zurückrief und ihr einen Vertrag anbot, ging alles sehr schnell. Zusammen mit dem Produzenten Lars Halapi wurde ein Studio gebucht, wo das Debütwerk ruckzuck aufgenommen wurde. Inzwischen hat Sophie Zelmani fünf Alben eingespielt und bis heute arrangiert und produziert Lars Halapi ihre Songs.

Die aktuelle CD „Love Affair” ist im weitesten Sinne ein Album über Menschen und deren Beziehungen, bei dem die Songs so romantisch und intim klingen, dass das gern zitierte Klischee von der Melancholie der Skandinavier ausnahmsweise mal zutreffend ist. Zauberhafte Kleinode wie das mit Piano und Pedal-Steel Guitar eingespielte „September tears“ oder melancholische Geniestreiche wie das verträumte „Maja’s song“ sind beispielhaft für ein Werk, das bereits jetzt zu den schönsten des noch jungen Jahres gezählt werden kann. Denn mit „Love Affair“ kehrt Stille ein. Die Hektik des Alltags wird schlagartig ausgeknipst und weicht zumindest für eine Dreiviertelstunde der beruhigenden Schönheit von 13 zarten Kompositionen, die die gesamte Aufmerksam des Hörers fordern. Aber auch so wird das Werk nicht langweilig. Mal singt Sophie ein inniges Duett mit Lars Halapi („Memories“), dann zieht das Tempo etwas an und durch ein überraschend grooviges Klanggerüst sticht eine herzerweichende Blues-Gitarre im Stile eines Mark Knopfler oder Chris Rea („Truth“). „Keep it to yourself“ variiert das Tempo auf geschickte Weise und tendiert sehr stark in Richtung Folk-Blues. „Grand as loving“, keine zwei Minuten lang, ist eine Pianoballade mit Gänsehautgarantie und „Dream gets clear“, „Fade“ und „Hard to know“ sind sehsuchtsvolle Exkursionen in die Pedal-Steel Gitarren- und Pianokünste des Lars Halapi, der der heimliche Star auf dem Album ist. Seine sparsam inszenierten Akustik-Klangwelten erzielen mit minimalem Aufwand maximale Wirkung und bieten den idealen Nährboden für das fragile Organ von Sophie Zelmani.

Mit „Love Affair“ ist dem kongenialen Duo Zelmani/Halapi ein wunderschönes Stück Musik geglückt, das den Status eines Geheimtipps nicht verdient hat. Andererseits ist dieser kleine Independent-Einschlag gar nicht schlecht, bewahrt er die scheue Musikerin doch vor ihren größten Alpträumen: Interviews, Fotosessions und Klinkenputzen bei Radio- und Fernsehsendern. Es geht schließlich auch ohne, wie das fünfte Album von Frau Zelmani beweißt.

Anspieltipps:

  • Truth
  • Lost in love
  • Maja’s song
  • Hard to know
  • Stay with my heart
Neue Kritiken im Genre „Singer/Songwriter“
8/10

The Days Of Never Coming Back And Never Getting Nowhere
  • 2017    
6.5/10

Trouble No More: Bootleg Series Vol. 13 (1979-1981)
  • 2017    
Diskutiere über „Sophie Zelmani“
comments powered by Disqus