Norah Jones - Feels Like Home - Cover
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Norah Jones Feels Like Home


  • Label: Blue Note/EMI
  • Laufzeit: 46 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Alles in allem ist „Feels Like Home“ ein charmanter Nachfolger eines in allen Belangen sensationellen Debütalbums.

Wenn man nach den Topsellern der Musikbranche gefragt wird, fallen allerhand bekannte Namen. Doch einer ist kaum darunter: Norah Jones. Die 25-jährige Sängerin und Komponistin erklomm mit ihrem Debütalbum „Come Away With Me” (2002) heimlich, still und leise den Thron der Populärmusik. Ohne Skandale, aufreizende Bilderstrecken in Männermagazinen und freizügigen Video-Clips, überzeugte das in Texas geborene Mädchen aus New York City nur durch ihre wunderschöne Musik, einer beseelten Melange aus Folk, Country, Blues und Jazz. Die Belohnung waren über 16 Millionen verkaufte Alben und acht Grammys. War die Karriere der Norah Jones bis hierhin ein einziger Traum, beginnt spätestens jetzt der Ernst des Lebens. Selbst wenn es in der Chefetage niemand öffentlich zugeben würde, setzt der angeschlagene EMI Konzern auf einen erneuten Erfolg seines Sprösslings.

Im Branchenlatein spricht man in so einem Fall gerne vom kritischen zweiten Album. Kritisch, weil die Plattenfirmen auf einmal anfangen, dem Künstler in seine Arbeit reinzureden, um den Erfolg mit Biegen und Brechen zu wiederholen. Doch im Hause Blue Note/EMI ist man offensichtlich etwas vernünftiger. Zwar versuchte man das Werk noch in das Weihnachtsgeschäft 2003 hineinzudrücken, ließ der Künstlerin dann aber doch die nötige Zeit, ein ausgewogenes Album einzuspielen. Dieses kommt im Februar unter dem Namen „Feels Like Home“ in die Läden und wurde mit jener Formation aufgenommen, die Norah Jones auch auf ihren Tourneen begleitet: Adam Levy und Kevin Breit an den Gitarren, Daru Oda am Keyboards, Norahs Boyfriend Lee Alexander am Bass und Andrew Borger an den Drums. Stilistisch hat sich ebenfalls nicht sehr viel geändert. Arif Mardin, der seine Fähigkeiten bereits als Produzent des Debüts unter Beweis stellte, hielt den Sound auf „Feels Like Home“ erneut so schlicht wie möglich und vertraute auf die bewährte Mischung aus Blues, Jazz, Folk und Country. Die Songs schleichen sich, ähnlich wie beim Vorgänger, mit Bedacht in die Gehörgänge und von dort ins Langzeitgedächtnis.

Mit einer fabelhaften, organisch-warmen Instrumentierung aus Piano, Slide-Gitarre, Hammond Orgel, Bass, Drums und erfreulich wenig Streichern, ist „Feels Like Home“ wie das Wiedersehen mit einem alten Freund. Vom ersten Ton an, der Singleauskopplung „Sunrise“, hat Norah Jones den Hörer fest im Griff und lässt ihn bis zum Schluss nicht mehr los. Es reiht sich ein akustisches Songjuwel an das nächste, die von einem auf dem Boden gebliebenen Talent, das sich erstaunlich abgeklärt mit einer Horde exklusiver Gaststars wie Dolly Parton, Levon Helm und Garth Hudson (The Band) durch die 13 Tracks des Albums arbeitet, dargeboten werden. Erfreulicherweise wurden Norah die Gäste nicht vom Label aufgezwungen, sondern aus eigenen Stücken eingeladen. So hat sie sich als großer Fan von „The Band“ Levon Helm und Garth Hudson ins Studio eingeladen, die ihr bei den Aufnahmen zu „What I am to you“ halfen. Die selbst verfasste Midtempo-Ballade wird durch sanfte E-Gitarrenklänge und ein Wurlitzer-Piano dominiert.

Beim flott swingenden Bluegrass-Song „Creepin' in“ gesellt sich Country-Star Dolly Parton als Duettpartnerin hinzu. Der Song ist schon seit geraumer Zeit ein Highlight bei Norah-Jones-Konzerten und wurde im Nachgang der Country Music Awards 2003 mit Dolly Parton eingespielt. Neben diesen Kollaborationen hat Fräulein Jones noch ein paar ausgesuchte Fremdkompositionen aufgenommen, wie „The long way home“ (Tom Waits), „Be here to love me“ (Townes Van Zandt) und Duke Ellingtons „Melancholia“, das Norah Jones in die vor vier Jahren entstandene, bittersüße Ballade „Don't miss you at all“ verwandelte.

Alles in allem ist „Feels Like Home“ ein charmanter Nachfolger eines in allen Belangen sensationellen Debütalbums, das künstlerisch wie kommerziell nicht getoppt werden kann. Trotzdem lassen die 13 Songs eine deutliche Weiterentwicklung auf höchstem Niveau erkennen. Songtempi und Stilistiken werden harmonisch variiert und zu einem stimmigen Ganzen zusammengefügt. Und da es auf dem Musikmarkt so gut wie keine Vergleiche für solch stimmige Melangen gibt, ist auch für „Feels Like Home“ wieder eine Top-Bewertung obligatorisch.

Anspieltipps:

  • Creepin’ in
  • What am I to you?
  • Be here to love me
  • The long way home
  • Don’t miss you at all
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