Fish - Field Of Crows - Cover
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Fish Field Of Crows


  • Label: Chocolate Frog Records
  • Laufzeit: 67 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Es war im Sommer 1986, als das britische Rock-Flagschiff Queen mit der „A Kind Of Magic“ Tour in Deutschland gastierte. Im Vorprogramm wurde eine Band namens Marillion als „Special Guest“ präsentiert, die mit ihrem charismatischen Sänger Derek William Dick, besser bekannt als „Fish“, gerade auf dem Zenit ihres Schaffens war. Queen sind inzwischen aus bekannten Gründen Geschichte. Die Karriere von Marillion geriet dagegen arg ins Straucheln, als Fish im November 1988 seinen Ausstieg erklärte. Obwohl Marillion noch immer aktiv sind (im Mai 2004 kommt voraussichtlich das neue Doppelalbum „Marbles“ auf den Markt), haben sie längst nicht mehr den Status vergangener Zeiten. Und auch der Werdegang von Fish ist alles andere als ruhmreich zu bezeichnen, selbst wenn der Künstler mit seiner autarken Lebensweise zufrieden sein sollte.

Von seinem Wohnsitz aus, im schottischen Haddington, versorgt er seine recht überschaubar gewordene Fangemeinde alle paar Jahre mit einem neuen Album, das dann vornehmlich über das Internet vertrieben und mit kleinen Konzertreisen beworben wird. So kam in den letzten Jahren, neben diversen Studioalben, auch eine beträchtliche Anzahl an Live-CDs zusammen, die auf eindrucksvolle Weise dokumentieren, wie aus dem einstigen Frontman einer der innovativsten Kapellen der 80er-Jahre, ein vom Alkohol gezeichneter Kneipenrocker geworden ist. Doch seine Fans halten ihm weiterhin die Treue. Denn wirklich böse kann man dem sympathischen Hünen nicht sein. Außerdem haben sich bisher auf jedem seiner Alben ein paar progressive Rock-Perlen gefunden. Und so machte sich Derek Dick an die Produktion seines mittlerweile achtes Studioalbums „Field Of Crows“, über deren Entstehung der geneigte Fan im Internet stets auf dem Laufenden gehalten wurde. Als Belohnung kamen die Fish Fanclub Mitglieder wie immer in den Genuss einer sogenannten „Pre-Order“, die ihnen das fertige Werk vor allen anderen sicherte. Danach folgt ein Abverkauf über die Fish Homepage, ehe die CD im April/Mai in die Läden kommt.

Auf „Field Of Crows“ präsentiert Fish elf Songs in typischer Prog-Rock-Länge zwischen fünf und neun Minuten, die von epischen Rohdiamanten („The field“), über unnötiges Füllmaterial („The lost plot“) und typische Fish-Hymnen („Moving targets“, „Innocent party“) wieder alle Register der progressiven Rockmusik ziehen. Der Opener „The field“ legt einen Soundteppich aus voluminösen Bassgrooves, sparsamen Gitarren und ebenso ungewöhnlichen wie gelungenen Bläserriffs. Erinnert das Stück anfänglich an alte Marillion Tage, bekommt es zum Ende hin einen leicht folkigen Touch. Nicht schlecht, nur unterm Strich, mit fast neun Minuten Spieldauer, etwas lang geraten. Weniger wäre hier mehr gewesen. Vielleicht sollte Herrn Dick mal jemand stecken, dass guter Prog-Rock auch in vier Minuten funktioniert. „The rookie“ ist ein aggressiver, straighter Rocksong ohne große Schnörkel. Zwar wieder etwas zu sehr in die Länge gezogen, aber dieses „Problem“ wird dem Hörer auf „Field Of Crows“ noch des Öfteren begegnen. Obwohl „Zoo class“ kein schlechter Song ist, kann er nicht wirklich zu Begeisterungsstürmen hinreißen. Der Refrain erinnert etwas an Alice Coopers „Schools out“. Dafür können die mit Schmackes eingespielten Gitarren gefallen. „The lost plot“ erschrickt mit billigen Synthie-Klavier-Sounds, schlappen Vocals, bemühter Atmosphäre und dem Nichtvorhandensein einer Melodie. „Old crow“ versucht sich an etwas moderneren Klängen, was überraschend gut gelingt. Die Gitarren kommen schneidig aus der Hüfte geschossen, das Schlagzeug watet mir feschen Break Beats auf, und selbst die Bläsersektion trägt Ihr Scherflein zum Gelingen bei. Im heutigen Sprachgebrauch kann man „Old crow“ deshalb schlicht als „cool“ bezeichnen. „Numbers“ ist eine atmosphärische Rocknummer, die wie „Exit wounds“ zu den Höhepunkten des Albums gezählt werden kann. „Exit wounds“ ist eine Jazz/Blues Gänsehautnummer mit wunderschöner Saxophon-Begleitung, die Fish auch als Fachmann für Balladen ausweißt. Höhepunkt der CD ist allerdings das Schlussstück „Scatterring crows“, das alle Stärken des schottischen Hünen vereint und als dramatische Prog-Rock-Opera zum Besten gezählt werden darf, was Mr. Dick in seiner langjährigen Solokarriere auf Band gebracht hat.

Was bleibt, ist ein Fish-Album, das zu den besseren in seinem Schaffen gehört. Nach verheißungsvollem Auftakt, eher durchwachsenem Mittelteil und einem herausragenden Schlussspurt mit „Exit wounds“, „Innocent party“, „Shot the craw“ und „Scattering crows“, kann der sympathische Singer/Songwriter unbesorgt sein, dass sich seine Fangemeinde von ihm abwendet. Denn mit „Field Of Crows“ bekommen Fish- und Prog-Rock-Fans genau das geboten, worauf sie die letzten Monate so sehnlich gewartet haben, wenn auch dieses Werk wieder mit kleinen Schwächen ausgestattet ist.

Anspieltipps:

  • Old crow
  • The field
  • Exit wounds
  • Shot the craw
  • Scattering crows
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