Liars - They Were Wrong, So We Drowned - Cover
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Liars They Were Wrong, So We Drowned


  • Label: Mute/EMI
  • Laufzeit: 41 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Album voller atmosphärischer Soundeffekte, verzerrter Stimmen, Drum-Computer-Loops, verpiepsten Gitarren und manischen Bassläufen.

Am Anfang war die Story, nicht die Musik – oder einfach nur die Frage, wie man als relativ unbekannte Rockband auf sich aufmerksam macht, wenn man nicht im Radio bzw. auf MTVIVA gespielt wird? Nun, eine interessante Geschichte um die Entstehung einer Platte oder gerne auch eine blumige Biografie haben in solchen Fällen schon oft Wunder gewirkt. Man denke nur an Bands wie White Stripes und Kings Of Leon. Am Ende allerdings gibt es aber nur eines, was wirklich überzeugen und einen vermeintlichen Hype zu etwas Handfestem werden lassen kann: die Musik.

Jetzt ist es nicht etwa so, dass die Liars, nur weil sie in New York, der heimlichen Hauptstadt der „The“-Bands, ihre Basis haben, einem im Prinzip längst totgelaufenen Medien-Hype hinterher hecheln. Vielmehr setzte die Band mit ihrem in zwei Tagen aufgenommenen, Debütalbum „They Threw Us All In A Trench And Stuck A Monument On Top” (2001) selbst Maßstäbe, indem sie wüsten Punkrock mit elektronischen Spielereien kombinierte, woraus eine Art tanzbarer, melodischer Rocksound entstand. Schade nur, dass sich die Ursprünge der Liars in Los Angeles befinden, wo Sänger Angus Andrew und Gitarrist Aaron Hemphill erstmals ihre Ideen auf Demotapes festhielten. Nichts ist es deshalb mit einer Geschichte der Marke „aus den Kellern New Yorks in die Konzerthallen des Landes“. Aber spielt das wirklich eine Rolle? Eben! Und deshalb konnten die Liars bereits im ersten Jahr ihres Bestehens einen Plattenvertrag mit dem Indie Gern Blandsten einheimsen, der später in einen Vertriebsdeal mit Mute/EMI mündete.

Für die Aufnahmen zu ihrem zweiten Album verzogen sich Aaron Hemphill und Angus Andrew zusammen mit dem Ende 2002 hinzugekommenen Julian Gross und Produzenten-Kumpel David A. Sitek (Yeah Yeah Yeahs) in die Wälder New Jerseys, wo Angus Andrew zusammen mit seiner Freundin Karen O. (Sängerin der Yeah Yeah Yeahs) ein Haus bewohnt. Im Keller des Hauses entstand das Zweitwerk „They Were Wrong, So We Drowned“, welches nicht nur durch die abgelegene Lage des Aufnahmeorts inspiriert wurde. So stellt jeder der zehn Songs ein Kapitel einer Geschichte dar, die Angus Andrew nach intensiven Recherchen über die Schrecken der Hexenverbrennungen im Mittelalter und der Walpurgisnacht-Legende entwarf. Darüber hinaus fand das Trio neue musikalische Inspiration bei so unterschiedlichen Bands wie Matmos, den Prog-Rockern This Heat, Silver Apples oder Sonic Youth, deren Einflüsse sich besonders deutlich im neuen Album wieder finden.

So liefern die Liars schon zum Auftakt mit „Broken witch“ eine ziemlich kranke Mischung aus Break Beats, Elektro-Geplucker und echolotartigen Pfeifgeräuschen ab, dass es einem ob diesen Gewitters Angst und Bange wird. „Steam rose from the lifeless cloak” kommt mit dräuendem Bass-Drum-Geboller und winselnden Gitarrenfeedbacks aus der dunkelsten Ecke deiner Seele gekrochen und baut sich binnen Minuten zu einer wild zuckenden Wall Of Sound auf. Dagegen überrascht „There's always room on the broom“ mit einer im Ansatz erkennbaren Hookline, die von einem kreischenden Etwas niedergemäht wird, als ob man sich mit einer Kreissäge durch Granit arbeiten wollte. „If your a wizard, then why do you wear glasses?” ist purer Horror-Punk, der mehr Angst macht, als jeder Death Metal Song auf der Welt und zum psychotischen „We fenced other gardens with the bones of our own” tanzt der gemeine Schamane ums Lagerfeuer, um die Götter zu beschwören. Und wem das noch nicht genug ist, der wird mit dem angsteinflößenden Instrumental-Soundtrack „Read the book that wrote itself” zum Tanz der Hexen auf dem Brocken eingeladen.

„They Were Wrong, So We Drowned“ ist ein Album voller atmosphärischer Soundeffekte, verzerrter Stimmen, Drum-Computer-Loops, verpiepsten Gitarren und manischen Bassläufen zwischen Post-Punk, Post-Industrial und knochentrockenem weißen Funk geworden, das mit seinen paranoiden Klangebilden für einige Verwirrung beim Hörer sorgen wird. Die durch und durch verstörenden Songs sind ein künstlerischer Ritt auf der Rasierklinge, der sich so schnell nicht verdauen lässt. Damit haben sich Aaron Hemphill, Angus Andrew und Julian Gross ihr eigenes kleines „Blair Witch Project” geschaffen, bei deren Erkundung so mancher Hörer auf der Strecken bleiben dürfte.

Anspieltipps:

  • There's always room on the broom
  • Hold hands and it will happen anyway
  • They don't want your corn they want your kids
  • If your a wizard, then why do you wear glasses?
  • We fenced other gardens with the bones of our own
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