Adaro - Schlaraffenland - Cover
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Adaro Schlaraffenland


  • Label: Inside Out/SPV
  • Laufzeit: 54 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Im Märchen vom Schlaraffenland wird auf fast schon parodistische Weise der menschliche Traum vom Paradies auf die Schippe genommen. Im Schlaraffenland ist Faulheit erwünscht und Tugend verpönt. Dem Überfluss sind keine Grenzen gesetzt und die guten Sitten haben Sendepause. Mal ehrlich, wer hat noch nicht vom einem Land geträumt, in dem die Brunnen mit süßem Wein gefüllt sind, in die Bächen Milch fließt, die Spanferkel gebraten umherlaufen und derjenige dem Land verwiesen wird, der gerne arbeitet, Gutes tut und Böses lässt? Aber Vorsicht! Einfach abhauen geht nicht, denn um das ganze Land herum ist eine hohe Mauer aus Reisbrei gezogen, durch die man sich erst quer hindurchfressen muss.

Die schwäbische Rockband Adaro lässt diesen Traum mit ihrem neuen Album wahr werden, auf dem sie zu einer Reise ins „Schlaraffenland“ aufgebrochen ist und dabei die Sinnesfreuden des späten Mittelalters entdeckt. Erzählte der Vorgänger „Minnenspiel“ (2002) noch von ehrbaren Rittern und sittsamen Maiden, geht es auf dem vierten Werk der Tübinger etwas eindeutiger zur Sache: „Gott beschuf mit seiner Hand den Nagel zu der Rinne. Wohl dem Leibe, der dem Weibe solche Freude machen kann“. Mit einer höchst interessanten Instrumentierung aus Dudelsack, Drehleier, Bombarde, Flöten, Krummhorn und dem klassischen Rock-Werkzeug aus E-Gitarre, Bass und Schlagzeug, liefern Christoph Pelgen (Vocals), Konstanze Kulinsky (Vocals), Jörg Bielefeldt (Drums), Henrik Mumm (Bass) und Jürgen Treyz (Gitarre) ein Album ab, das sowohl traditionelle Folkeinflüsse als auch harte Metal-Riffs mit neu interpretiertem Lied- und schriftgut des Mittelalters verbindet. Es braucht zwar einige Zeit, bis man sich an die ungewöhnlichen Texte und die daraus resultierenden Gesänge gewöhnt hat, doch nach und nach entwickelt das Songmaterial einen ganz besonderen Charme, der seine Höhepunkte ganz klar in den von Konstanze Kulinsky eingesungenen Stücken findet (man höre nur „Es ist ein Schnee gefallen“). Darüber hinaus gefällt besonders die Kombination aus harten Gitarren und hypnotischen Dudelsack-Einlagen, die Stücke wie „Nu ruh mit Sorgen“ oder das hitverdächtige „Lieg still“ veredelt.

Unterm Strich ist Adaro mit „Schlaraffenland“ ein mehr oder weniger abwechslungsreiches Album gelungen, das deutlich macht, dass man das Thema mittelalterliche Musik auch ohne peinliche Textkreationen und brachial dumpfen Metal-Sound angehen kann. Stattdessen überzeugt das Werk streckenweise durch anmutige Instrumentierung und authentische Textzitate, die „Schlaraffenland“ zu einem annehmbaren Album erheben.

Anspieltipps:

  • Lieg still
  • Komm her zu mir
  • Nu ruh mit Sorgen
  • Es ist ein Schnee gefallen
  • Herr, wer hat sie begossen
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