Oasis - Don´t Believe The Truth - Cover
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Don´t Believe The Truth


  • Label: Epic/SonyBMG
  • Laufzeit: 43 Minuten
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8/10 Unsere Wertung
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer hätte das noch für möglich gehalten: Die Pop-Proleten von Oasis kommen mit einem überraschend frischen und musikalischen Album um die Ecke, das möglicherweise ihr Bestes seit 1997 ist. Dabei reicht es natürlich nicht an die genialen Großtaten „Definitely Maybe“ und „(What's The Story) Morning Glory“ heran – das hatten wahrscheinlich nur die Diehard-Fans der Mannen um Noel und Liam Gallagher erwartet. Aber im Vergleich zum Beispiel zur unsäglichen letzten Platte, „Heathen Chemistry“ kann man irgendwie doch mit Fug und Recht, für den Moment festhalten, dass „Don't Believe The Truth“ tatsächlich eine positive Weiterentwicklung darstellt, die man den Briten im Grunde nicht mehr zugetraut hatte.

Seit 2002, als „Heathen Chemistry“ erschien und Coldplay mit ihrem „Rush Of Blood To The Head“ endgültig die indirekte Nachfolge von Oasis im Brit-Pop-Himmel antraten, war es recht ruhig um Oasis geworden. Kaum Nachrichten von Schlägereien und blutigen Nasen, nur hin und wieder Meldungen von angeblich unfassbar tollen Songs (das mysteriöse „Stop The Clocks“), die jetzt gar nicht auf dem neuen Album enthalten sind. Anfang des Jahres wurde der langjährige Drummer Alan White entlassen; Zak Starkey, Sohn des Beatles-Drummers Ringo Starr übernahm seinen Part, wenngleich noch nicht als ernsthaftes Bandmitglied. Ansonsten schien sich die Band in aller Ruhe auf ihr neues Album zu konzentrieren und zu einer echten Band zusammenzuwachsen – aber nur soweit das angesichts der nach wie vor großen Egos der Gallagher-Brüder überhaupt möglich ist.

Das Produkt dieser Prozesse ist nun als „Don't Believe The Truth“ zur Betrachtung freigegeben. Ein Album, das gleichzeitig zurückblickt (das alte Logo der Band wurde reaktiviert), aber an sehr vielen Stellen geradezu innovative Einflüsse geltend macht. Durch fast alle Stücke weht eine leichte Jazz-Wolke, wie zum Beispiel im verblüffenden „The Importance Of Being Idle“, wo sich Noel Gallagher zu ungeahnten Gesangsleistungen heraufschwingt. Die Platte bleibt zwar nach wie vor eklektisch – alles andere wäre einem Wunder gleichgekommen – aber man klaute diesmal bei anderen Vorbildern, z.B. den Stranglers beim beschwingten „Part Of The Queue“ oder den Stone Roses beim großartigen „Keep The Dream Alive“. Liam Gallagher schreibt inzwischen auch gute Songs, wenngleich er rein textlich noch nicht an seinen Bruder heranreicht („Love Like A Bomb“), der einige der besten Lyrics seiner Karriere zum Besten gibt.

Ansonsten wird hier manch einer die sogenannten Hits vermissen. „Lyla“, die erste Single-Auskopplung, ist eher ein durchschnittlicher Song, für sich genommen, im Albenkontext hingegen geht er vollends auf. Kaum ein Lied bietet sich als Singleauskopplung an, dafür gewinnt das Album als Ganzes, es finden sich keine Lückenfüller. Unfassbar: Das erste Album seit „Morning Glory“, das man ohne Schmerzen durchhören kann. Denn hatten die letzten drei Alben in „The Hindu Times“, „Little By Little“, „Go Let It Out“ oder „Stand By Me“ ihre Hits, die die Charts bevölkerten, so war doch der Rest der Platte oftmals eher Stückwerk. „Don't Believe The Truth“, so scheint es für den Augenblick, ist ein geschlossenes Werk einer gereiften Band. Nur der Schlusstrack, die obligatorische süßliche Ballade „Let There Be Love“ in der Tradition von „Stop Crying Your Heart Out“ hätte es nicht gebraucht. Wie auch immer: Selbst die notorischen Oasis-Schlechtfinder und nur „Definitely Maybe“-Gutfinder sollten hier mal einen vorurteilsfreien Blick riskieren, der sich lohnen könnte.

Dieser Artikel ging am um 22:34 Uhr online.
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  • 2014    
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