Waltari - Rare Species - Cover
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Waltari Rare Species


  • Label: Soulfood/SONY
  • Laufzeit: 71 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Alter Schwede! Was nach mehr als vier Jahren Wartezeit nicht mehr für möglich gehalten wurde, grinst uns jetzt in Form eines giftgrünen Tierchens an und nennt sich auch noch passend dazu „Rare Species“ („seltene Tierart“). Was das heißt? Endlich hat sich Finnlands ehemals bekannteste Rockband aufgerafft, den Nachfolger zum „Radium Round“-Album (1999) in die Läden zu bringen, und zwar in der legendären Urbesetzung, womit sie einer ganzen Menge Crossover-Metal-Fans eine große Freude bereiten. Doch was die einen freut, ist der anderen Zorn, denn nicht wenige werfen den Herren Kärtsy Hatakka (Vocals, Bass), Jariot Lehtinen (Gitarre), Sami Yli-Sirniö (Gitarre) und Mika Järveläinen (Drums) vor, dass sich ihr Sound seit der Bandgründung im Jahr 1986 kaum weiterentwickelt hätte. Doch wie viele Bands können von sich behaupten, ihren Sound stetig weiterentwickelt zu haben? Da fallen dem geneigten Kritiker auch nicht mehr als eine schlappe Handvoll ein. Also Mund abputzen und weitermachen!

Als Kulturbanause fällt einem zum Thema Finnland erstmal nicht so viel ein. Passable Eishockeyspieler haben unsere Freunde aus Suomi. Mika Häkkinen und Kimi Räikkönen machten bzw. machen Michael „Das Kinn“ Schumacher das Leben in der Formel 1 schwer und Ville Valo mit seiner Band HIM spaltet die MTVIVA-Seher mit seinem Pseudo-Gothic-Sound in zwei Lager. Der Türöffner für finnische Rockmusik in Europa waren ein paar junge Burschen aus Helsinki namens Waltari, die sich Mitte der 90er-Jahre einen Namen als herausragende Live-Band machten und nebenher geschätzte 200.00 Alben verkauften. Leider war es um Waltari lange Zeit still. Die Band zog sich nach der Tour zum „Radium Round“-Album in eine einjährige Pause zurück, die sich schnell in ein dreijähriges Spießrutenlaufen aus Line-Up-Wechseln und nervigen Verhandlungen mit diversen Labels entwickelte.

Doch jetzt melden sich die wackeren Finnen mit ihrem siebten Studioalbum zurück, das mit seiner spontanen Frische ziemlich überrascht. Die Zielsetzung der Band war es, so simple Songs wie möglich zu schreiben, die mit Einflüssen aus melancholischem Gothic-Rock, elektronisch aufgepeppten Crossover-Metal und einem ungewohnten 80er-Jahre Sound aufwarten. Aus diesem Rezept kochten die Skandinavier ein feines Gute-Laune-Süppchen aus eingängigen Melodien („One day“), messerscharfen Gitarrenriffs („Megacity rain“, „Alone“) und sphärischem Synthie-Metal („Life without love“, „Quick as a day“), die dem oftmals bierernsten Metal-Sektor mit seinen grundsympathischen Vibes absolut gut tun. So locker flockig kommen vielleicht noch die dänischen Kollegen von D.A.D. mit ihrem Fun-Metal daher, wobei „Rare Species“ nun wirklich nichts mit den Peinlichkeiten gewisser Spaßkapellen zu tun hat. Astrein dargebotener Hardrock der Sorte „What I really know“, Songs mit poppigem Einschlag („Dream“) oder elektronische Spielereien wie beim mit Samples durchgezogenen „My pain“ machen einfach Spaß, sodass bei keinem der 16 Songs Langeweile aufkommt.

Natürlich ist „Rare Species“ kein Meilenstein im Metal-Bereich. Dazu fallen die Songs bei allem Spaß einfach etwas zu konventionell aus. Trotzdem liefern die Finnen einen mehr als anständigen Silberling ab, der als leckere Zwischenmahlzeit neben Nu-Metal-Einheitsbrei und fadem Alternative-Rock-Gejammer uneingeschränkt bestehen kann. Kein Wunder, Skandinavier sind eben die wahren Rock ’n Roller.

Anspieltipps:

  • Alone
  • One day
  • Megacity rain
  • Quick as a day
  • No limit/Symphony of destruction
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