Fury In The Slaughterhouse - Nimby - Cover
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Fury In The Slaughterhouse Nimby


  • Label: SPV Records
  • Laufzeit: 54 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Die stilistische Rückkehr zu „Brilliant Thieves“-Tagen darf als gelungen angesehen werden.

Da schau her, ein Jubiläums-Album! Mit „Nimby“ legen die Hannoveraner von Fury in the Slaughterhouse ihr mittlerweile zehntes Studio-Album vor. Und obwohl ihre Biographie den klingenden Namen „Scheiß Rock`n Roll“ trug, zeigt sich Deutschlands letzte richtige Rockband auch im 16. Jahr ihres Bestehens alles andere als amts....äh, gitarrenmüde. Nachdem man nach den letzten beiden Scheiben „Home inside“ und „The colour fury“ bereits das Abdriften in seichte Pop-Dimensionen befürchten musste, überrascht das Sextett im Jahr 2004 mit einem radikalen Richtungswechsel: Die Rückkehr auf das Wesentliche, der nackte Song und das pure Zusammenspiel der Bandmitglieder bestimmte die Produktion des aktuellen Tonträgers. Und schon die ersten Klänge des Openers „Welcome to the other world“ zeigen: Hier sind sechs erwachsene Männer am Werk, die ganz ohne Produzenten die Sache selbst in die Hand nehmen.

„I am getting older but my girls are getting younger every day“ intoniert Kai Wingenfelder im witzigen „V.I.P.“ und nimmt darin gnadenlos die Selbstbeweihräucherung der Musikszene aufs Korn. Und obwohl auch „Goodbye so long“ durch recht stattliche Ohrwurm-Qualitäten überzeugt, so richtige Gänsehautgefahr ist erst bei der ersten Single „Protection” angesagt: Die rockige Halbballade, einst von Fischer Z zu Ruhm und Ehre gebracht, geisterte schon seit Jahren in den Köpfen der Bandmitglieder herum. „Erst jetzt sind wir erfahren genug für diesen Song“ meint Thorsten Wingenfelder. Gut Ding braucht eben Weile: „Protection“ hat sogar das Zeug, dem Klassiker „Time to wonder” den Titel als die „größte Fury-Hymne aller Zeiten“ streitig zu machen. Die Feuerzeug-Industrie kann sich jedenfalls schon mal auf steigende Umsätze gefasst machen. Und wenn man nicht allzu gut wüsste, dass die Spitze der heimischen Single-Chart fast ausschließlich von talentfreien Möchtegern-Superstars und blonden Micky Mouse-Imitatorinen bevölkert wird, wäre man geneigt zu sagen, „Protection“ hätte sich einen Platz ebendort mehr als verdient.

Zu den besseren Fury-Songs der letzten Jahre zählt auch noch das intensive „Warchild“, bei dem die Fans ihre schon verloren geglaubte Fury-Luftgitarre auspacken dürfen sowie das reduzierte„Heroin of flowers“, das sich mit guten Erfolgsaussichten für den Titel „Ballade des Jahres“ bewerben darf. Damit wäre allerdings das Pulver bereits verschossen: Das laue „Creep No.2“ und der Reggae-Langeweiler „One chord Reggae“ beenden ein Album, das mit 15 Tracks vielleicht mit dem einen oder anderen Song zuviel aufwartet.

Dennoch: Die stilistische Rückkehr zu „Brilliant thieves“-Tagen darf durchaus als gelungen angesehen werden. Fans der Band bekommen 15 neue Songhappen zum Auswendiglernen und Mitsingen bei der anstehenden Tour und werden nicht durch lästige Pop-Attitüden und Sound-Experimente vor den Kopf gestoßen. Wo Fury draufsteht, ist eben Fury drin. Doch gerade hier liegt vielleicht auch der Hund begraben: Wer bisher nicht auf den Band-Zug aufgesprungen ist, wird sich auch mit „Nimby“ nicht bekehren lassen, denn Innovation klingt nun mal anders. Aber Fury in the Slaughterhouse haben sich nun auch wirklich nichts mehr zu beweisen. Jede deutsche Band, die mehr Rock-Klassiker geschrieben haben als die Furies, möge bitte die Hand heben! Eben. Daumen hoch für ein reifes Spätwerk.

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