Interpol - Antics - Cover
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Interpol Antics


  • Label: Labels/EMI
  • Laufzeit: 40 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Gemessen am grandiosen Debüt „Turn On The Bright Lights“ ist „Antics“ leider eine Enttäuschung.

Das neue Interpol-Album hat eindeutige Vorzeichen: Statt schwarz ist es nun weiß, dieses Cover und dann auch noch dieser Opener „Next Exit“, der vielversprechend aus der Düsternis von „Turn On The Bright Lights“ in die Helligkeit eines neuen Tages hinausführt. Doch bevor wir darauf eingehen, wie den New Yorker „Interpol“ das Tageslicht bekommt, wagt der Rezensent einen kleinen Rückblick:

„Turn On The Bright Lights“ war groß: Ein Monument, eine Huldigung an die Nacht, schwermütig, fiebrig, bedrängend und doch hin und wieder euphorisch, mit eindeutigen 80er Referenzen an Smiths und ähnliches. Zwar brauchte es schon mal ein Glas Rotwein, um sich auf dieses Meisterwerk einzustellen, dafür wirkte es am Ende immer stärker, vor allem jener Abschluss namens „Leif Erikson“, der den Hörer mit dem Gefühl hinterließ, etwas Großes miterlebt und gehört zu haben. Was sollte da noch kommen, nach diesem Album, für das Interpol Jahre brauchten, bis auch wirklich jeder einzelne Ton perfekt saß?

Für „Antics“ ließen sich Interpol zwar auch 2 Jahre Zeit, und die ersten Lieder wie „Evil“ oder „Narc“ präsentieren ihren Stil leicht aufpoliert und mit ein bisschen mehr Pop und Rock im Hintern. Doch irgendwann beschleicht den Hörer das Gefühl, dass Interpol es mit „Antics“ einfach nicht schaffen, an die Brillanz und die Perfektion des Vorgängers anzuknüpfen. Und dieses Gefühl wird man auch erst mal nicht los, schüttelt z.B. über das letzte Lied den Kopf, „A Time To Be So Small“, das ohne ernsthafte Melodie auskommt und mit Flüstergeräuschen im Hintergrund viele Fragezeichen setzt. Was ist das für eine Platte, die so poppig beginnt, um dann gegen Ende finsterste Avantgarde-Gefilde zu durchwaten und den Hörer ratlos zu hinterlassen?

Natürlich verdienen Interpol-Platten viele, viele Durchläufe, bis man sie wirklich beurteilen kann, doch in diesem Fall tut der mehrmalige Genuß gar nicht gut, denn irgendwann ist man dem ständig gleichen Gitarrenklang überdrüssig, der zwar leicht aufpoliert wurde, aber trotzdem wie ein schlechte Selbstkopie des Debütalbums wirkt. Irgendetwas fehlt, jenes Genialische, jene euphorischen Breaks, die die Lieder auf „Turn On The Bright Lights“ zu Song-Monolithen machten.

Dabei ist „Antics“ ja kein schlechtes Album geworden, sondern hat schon so seine drei, vier Hits, die an der Tanzfläche ihren Dienst ableisten werden, wie das schnelle „Slow Hands“, oder „Evil“, eine Art „Obstacle 3“ oder das vielleicht beste Lied auf der Platte, „Public Pervert“. Außerdem bleiben Interpol ihrem Stil treu, eine Tatsache, die sicher ihre Die-Hard-Fans zufriedenstellen wird: Doch gemessen an diesem grandiosen Debüt „Turn On The Bright Lights“ ist „Antics“ leider eine Enttäuschung.

Anspieltipps:

  • Slow Hands
  • Evil
  • Public Pervert
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