Phantom Planet - Phantom Planet - Cover
Große Ansicht

Phantom Planet Phantom Planet


  • Label: Epic/SONY
  • Laufzeit: 35 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Deutschland ist das Land der Dichter und Denker. Selbstverständlich, dass man da für jede Lebenslage ein Sprichwort parat hat. Und auch wenn es irgendwie bescheuert klingt, im Fall der kalifornischen Band Phantom Planet passt der Spruch „zur falschen Zeit am richtigen Ort“ wie die Faust aufs Auge. Die Gruppe um Mastermind Alexander Greenwald (Text, Musik, Vocals) veröffentlichte mitten in der unsäglichen „The“-Band-Welle ihr zweites Album „The Guest“ (2002), was von der Presse wohlwollend abgefeiert wurde („... nach den Strokes die zweite große Gitarren-Band mit Melodie und Haltung...“ – Rolling Stone). Tatsächlich war das Werk ein fulminantes Feuerwerk unverbrauchter Harmonien und Gitarrenriffs, nur mit dem kleinen Unterschied, dass die Inspiration der Songs vielmehr im Bereich des BritPop angesiedelt war, als im schrammeligen Noise-Pop eines Black Rebel Motorcycle Club oder eben den Strokes.

Die Retourkutsche für das Missverstandensein folgt nun mit dem neuen, selbstbetitelten Album der fünf Musiker aus Los Angeles. Und immer, wenn Musiker ihren Folgewerken keine Namen geben, deutet dies auf einen entscheidenden Veränderungsprozess hin. Bei Phantom Planet lässt sich diese Veränderung noch am ehesten am Personal ausmachen. So hat Drummer und Hobbyschauspieler Jason Schwarzman („Rushmore“) die Band während der Aufnahmen zugunsten einer Leinwandkarriere verlassen. Er wurde durch Jeff Conrad ersetzt, der den Löwenanteil der elf Songs einspielte, die direkt im Anschluss an eine 18-monatige Tournee in einer sechswöchigen Session in den Tarbox Road Studios in Cassadaga, New York, zusammen mit Producer Dave Fridman (The Flaming Lips, Mercury Rev, Mogwai) auf Band gebracht wurden. Doch auch im Sound der Herren Greenwald, Farrar, Brautbar, Robinson und Conrad hat sich einiges geändert und da ist die größte Überraschung versteckt. Denn plötzlich klingen Phantom Planet nicht mehr nach Travis meets Oasis (also BritPop), sondern nach (Achtung!) schrammeligem Noise-Pop! Ob dies am legendären Independent-Produzenten Dave Fridman. den äußeren Einflüssen der grassierenden Gitarren-Rock-Welle oder der simplen Lust am Krach lag, mag hier nicht erörtert werden. Auf jeden Fall sind sich Phantom Planet nicht zu schade, auf ihrem dritten Album wie eine bessere Garagen-Rockband zu klingen, die neue Inspiration bei Bands wie The Cure und The Strokes gefunden hat.

Doch der gern zitierte „geneigte Hörer“ ist ja mittlerweile ziemlich abgehärtet und einiges gewohnt. Und so ist es auch nach einer kurzen Phase der Besinnung durchaus erträglich, wenn sich fünf junge Burschen in 35 Minuten durch elf Songs ackern. Denn das Gespür für Melodien und knackige Riffs haben Phantom Planet schließlich nicht verloren, auch wenn es heuer etwas länger dauert, bis sich die einzelnen Songs dem Hörer erschließen. Dabei ist es sehr charmant, wie sich die Fünf durch Rhythmus und Groove geprägte Stücke wie „The happy ending“ oder die erste Singleauskopplung „Big brat“ arbeiten, herrlich swingende Rockstücke abliefern, die mal nach Strokes („1st things 1st“, „By the bed“) und dann wieder nach den White Stripes klingen („Making a killing“). Hier wird Rockmusik auf das Wesentliche reduziert und kurz und knapp auf den Punkt gebracht. Aber komme mir jetzt keiner mit Eklektizismus. Denn für Schnickschnack bleibt überhaupt keine Zeit, was wohl als die herausragende Eigenschaft am neuen Gitarren-Rock-Boom bezeichnen werden kann. Zwar streuen Phantom Planet ab und an ein paar launige Experimente („Know it all“) und Noise-Rock-Hymnen ein („You’re not welcome here“) und Sänger Alexander Greenwald klingt auch mehr als einmal verdächtig nach Robert Smith von The Cure („Badd business“), doch das macht dieses Album gerade so interessant und empfehlenswert.

Normal folgt nun der Spruch von der Band, die sich neu erfunden hat, doch so weit wollen wir nicht gehen. Verbuchen wir „Phantom Planet“ einfach unter konsequenter Weiterentwicklung und kurzweiliger Rockmusik, womit wir wieder beim Anfang wären. Wie war das mit den Dichtern und Denkern?

Anspieltipps:

  • Know it all
  • By the bed
  • 1st things 1st
  • Making a killing
  • The happy ending
Neue Kritiken im Genre „Rock“
Diskutiere über „Phantom Planet“
comments powered by Disqus