Five For Fighting - The Battle For Everything - Cover
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Five For Fighting The Battle For Everything


  • Label: Columbia/SONY
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Der 11. September 2001 hat in den Köpfen der Menschen eine Menge verändert und noch immer sind die Nachwirkungen dieses Traumas zu spüren. Das deutsch-amerikanische Verhältnis hat schwer gelitten, die Wirtschaft geht weltweit am Stock und George W. Bush jagt seine Truppen bis zum bitteren Ende wie blöde durch die Gegend. Auch in der Musik haben sich nach „9/11“ massenhaft Künstler zu Wort gemeldet, um über ihre Befindlichkeit Auskunft zu geben. Bei den meisten Acts musste man allerdings ganz schnell den Mantel des Schweigens über die dargebotenen Leistungen ausbreiten, um sie und die Welt vor üblen Peinlichkeiten zu schützen, ansonsten hätte der Satz vom „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ neu gedeutet werden müssen. Einzig Bruce „The Boss“ Springsteen hat mit seinem „The Rising“-Album den Nerv der Zeit getroffen und die Gefühle der Menschen adäquat in Noten gefasst.

Eine der sogenannten Hymnen der „9/11“-Nachwehen stammte von der Band Five For Fighting, deren Song „Superman (It’s not easy)“ zur Leitmelodie der New Yorker Feuerwehrleute wurde. Allerdings war das dazugehörige Album „America Town“ (2000) auch ohne die zusätzliche Profilierung ein melancholisches Kleinod wunderschöner Melodien und etablierte Mastermind John Ondrasik als neuen Stern am Singer/Songwriter-Himmel. Jetzt präsentieren Five For Fighting (deren im Prinzip einziges offizielles Mitglied John Ondrasik darstellt) mit „The Battle For Everything“ ihr drittes Album, für das sie erstmalig mit einem richtig fetten Budget arbeiten konnten. So verzog sich Ondrasik mit seiner Familie für zehn Monate an die Nordküste Kaliforniens, wo er mit Produzent Bill Bottrell (Sheryl Crow, Shelby Lynn), einem der ganz Großen der Producer-Zunft, an den Songs für das neue FFF-Album schrieb. Es folgten weitere Sessions mit Haus-und-Hof-Produzent Gregg Wattenberg in New York und Los Angeles, ehe das Werk Ende Februar in die US-Läden kam.

Eröffnet wird „The Battle For Everything“ mit einem standesgemäßen „NYC weather report“, der sich, gestützt auf eine hymnische Melodie, mit den Menschen in der Stadt an der Ostküste Amerikas auseinandersetzt („Got to get away from all these people who need people… You know it makes me sick… Got to get away from here… Got to get away from expectations, recreations, just for the sake of it, sit back New York City…”). Mit vergleichbarer Inbrunst werden „The devil in the wishing well“ und „If god made you“, getragen von akustischen Gitarren, Streichern und Pianoklängen, vorgetragen, ehe mit „100 years“ die erste Singleauskopplung folgt, die natürlich in die Fußstapfen von „Superman (It’s not easy)“ tritt und die typische theatralische Piano-Power-Ballade ist, für die man Five For Fighting so liebt. In diesem Stil geht es weiter, ohne dass man irgendwelche größeren Ausfälle zu beklagen hätte. Five For Fighting halten ihr hohes Niveau fast durchgehend, egal ob man es mit traumhaften Halbballaden wie „Maybe I“, „One more for love“ oder etwas rockigeren Songs wie „The taste“ (Killer!) und „Angels and girlfriends“ zu tun hat, bei dem sich Ondrasik auf sarkastische Weise über eine verflossene Liebschaft auslässt.

John Ondrasik schafft es zum dritten Mal in Folge, ein überdurchschnittliches Melodienfeuerwerk vorzulegen, bei dem aus musikalischer Sicht kaum einen Ansatz der Kritik gibt. Denn, ja, dies ist reine Mainstream-Musik, weshalb alle Independent-Frickel-Freaks ihre Einwände nochmals überdenken sollten. Schließlich gehört Ondrasik zur alten Schule der Singer/Songwriter, für die es Gesetz ist, jedem ihrer Songs eine eingängige Melodie zu verpassen. Das mag für den einen oder anderen etwas zu schwülstig sein, ändert aber unterm Strich nichts an Ondrasiks Gespür für AOR-Breitwandarrangements, die in den USA natürlich besser funktionieren als in Europa. Und obwohl Five For Fighting den kleinen Geniestreich „America Town“ nicht wiederholen können, bieten sie trotzdem ein sehr gelungenes Album, mit dem sich FFF’s größter Wunsch sehr leicht verwirklichen lassen sollte: Die Chance, ein viertes Album aufnehmen zu dürfen.

Anspieltipps:

  • 100 years
  • Disneyland
  • If god made you
  • NYC weather report
  • The devil in the wishing well
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