Sophia - People Are Like Seasons - Cover
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Sophia People Are Like Seasons


  • Label: City Slang/EMI
  • Laufzeit: 49 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

"People Are Like Seasons" ist eine sehr große Platte, und das gleich zum Jahresanfang. So kann es dann wohl weitergehen.

Nein, eine fröhliche Veranstaltung waren sie nie, die Platten von Robin Proper-Sheppard, dem Mann, der sich hinter dem Pseudonym Sophia versteckt. Anfang bis Mitte der Neunziger Jahre sang er mit seiner ersten Band The God Machine über Liebe, Tod und Trauer und sollte erst einmal nicht Verdacht kommen, eine Rocksau im konventionellen Sinne zu sein. Als dann sein Bassist Jimmy Fernandez an einem Tumor starb, war erst einmal Schluss mit The God Machine. Proper-Sheppard emigriert nach London, um dort ein eigenes Label zu gründen und in Eigenregie die ersten beiden Sophia-Platten einzuspielen. Platten, die ähnlich wie The God Machine sehr tiefgründig, ernsthafte und melancholische Musik boten, die erst einmal keinen Fröhlichkeitspreis gewannen. Und doch weiß er mit "People Are Like Seasons", seinem dritten Album mit "Sophia", den Hörer zumindest ansatzweise zu überraschen.

"Oh My Love" heißt er, dieser fast schon dem Power-Pop zugeneigte Opener im Single-Format und einem vergleichsweise seichten Text: "I've been waiting, for such a long time, your love is still, fresh in my mind". Das klingt erstmal nach einem perfekten Popsong und vor allem sehr schön. Doch die Revolution, die man sich in Sophias Sound nach diesem ersten Lied erdenken könnte, bleibt aus. "Swept Back" und "Fool" sind derartig melancholisch-schwermütige Songlandschaften, die sich groß und erhaben vor dem Hörer erbauen und die frische Luft, die der Opener noch zu verbreiten wusste, erst einmal vertreiben. Was ja nicht böse aufstoßen muss: Schon immer waren Proper-Sheppards Songs von einer Intensität, die in der heutigen Pop-Musik ihresgleichen sucht. "Desert Song 2" ist so ein weiterer Fels von einem Song, den man erst einmal als Hörer ergründen muss, und der manch einem gar ein klein wenig behäbig erscheinen könnte. Zum Ende hin birgt jenes Lied allerdings ein Finale, das geleitet von hymnischen Klavierklängen und eindringlichem Gitarrenspiel ein Gänsehaut-Gefühl provoziert, wie es nur sehr selten zu erleben ist.

"Darkness (Another Shade In Your Black)" kann dann allerdings wieder als kleiner Einschnitt gelten. Sehr düster, geleitet von urtiefem Bassspiel kommt dieses Lied daher und erinnert ein bisschen an alte The God Machine Zeiten. Und auch - um nicht-Kennern dieser relativ unbekannten Formation eine Stütze zu liefern - ein wenig nach den Smashing Pumpkins in ihren besten Momenten. Geradezu gespenstisch lauert hinter finstern Bassläufen ein mitreissender Refrain, und einige Breaks scheinen den Hörer geradezu in die tiefsten Abgründe der Seele dieses Sängers herabziehen zu wollen. Keine leichte Kost, aber mit Sicherheit von großer Kunstfertigkeit, auf die man sich einlassen sollte.

Für weniger geübte Hörer liefert dann "If A Change Is Gonna Come" einen weiteren Ohrwurm ab, der an die besten Stücke eines Black Rebel Motorcycle Club erinnert. Gerade die wuchtigen Wave-Gitarren und der psychodelische Gesang erinnern enorm an die schwarzen Männer vom Motorrad-Club, während gerade im Refrain wieder etwas Billy Corgansche Melancholie-Seligkeit aufkommt. Die Texte ("Life's a bitch - and then you die") sind unverändert nahe am Depressiven, während die Melodien gerade hier absolut begeistern können. So geht es denn auch schön weiter: Jeder Song zwischen Melancholie und Resignation hin- und-hergerissen, mal sehr schwermütig ("Swore To Myself"), dann sogar ein klein wenig beschwingt ("Holidays Are Nice"), ehe mit dem einfach nur wunderschönen "I Left You" und dem hoffnungsvollen Abschluss "Another Trauma" mit geradezu versöhnlichen Worten geschlossen wird: "I wanna sit on the edge of a gentle stream / watching paper boats float to the sea / and I wanna sit in the sun with my new shirt on / drinking a beer I'd salute / another trauma I’ve out run / before another’s begun / and God I just wanna rest a while / and I promise tomorrow I’ll start with a smile".

Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen. Sophia gelingt hier ganz großes Gefühlskino, das einen sehr intimen Einblick in das Gefühlsleben eines sehr nachdenklichen und schwermütigen Mannes bietet. Der Hörer taucht ein, glaubt fast den Schmerz dieses Mannes mit zu fühlen. Wieviel mehr kann Musik eigentlich leisten? In Sophia's Fall ist das zwar vielleicht sogar zu viel, und es ist schwer, hier voll und ganz einzusteigen, ohne in völlige Depression zu verfallen. Andere werden die Größe dieser Platte anfangs auch übersehen, und sich genervt anderem zuwenden. Dann würde man aber mit Sicherheit etwas verpassen. "People Are Like Seasons" ist eine sehr große Platte, und das gleich zum Jahresanfang. So kann es dann wohl weitergehen.

Anspieltipps:

  • Oh My Love
  • If A Change Is Gonna Come
  • I Left You
  • Another Trauma
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