Danzig - Circle Of Snakes - Cover
Große Ansicht

Danzig Circle Of Snakes


  • Label: Regain/SONY
  • Laufzeit: 43 Minuten
Artikel teilen:
5.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Nehmen Sie sich gefälligst zusammen, holen Rick Rubin zurück und machen aus Ihrem verdammten Talent endlich wieder eine herausragende Platte!

Warum kaufen wir Unmengen CDs und warum schreiben wir auch noch darüber? Weil wir konsumsüchtig sind und einen unstillbaren Mitteilungsdrang haben. Schon klar. Aber ganz besonders wegen den speziellen Momenten, die uns beim Hörer unserer Lieblingsalben ereilen. Das Gefühl, wenn Musik einem richtig nahe geht, wenn alles andere unwichtig wird oder gewisse Dinge plötzlich einen ganz anderen Stellenwert bekommen. Dann hat Musik diese besondere Magie, die unsereins veranlasst, darüber zu schreiben. So zählt der Autor dieser Zeilen zum Beispiel die ersten drei Danzig-Alben aus den Jahren 1988 bis 1992 zu diesen speziellen Momenten in seinem Leben. Aber nicht, weil sie Düsternis und Gewalt ausstrahlen, sondern weil von den Kompositionen des als „Schinkengott“ veräppelten Masterminds Glenn Danzig eine ganz besondere Atmosphäre ausgeht, die von Produzenten-Gott Rick Rubin unnachahmlich eingefangen wurde.

Als Meisterwerk des romantisch-dunklen Heavy Metal steht das ´92er-Album „Danzig III – How The Gods Kill“ zu Buche, das Genreklassiker wie „Dirty black summer“, „Godless“ und „When the dying calls“ hervorgebracht hat. Doch von diesem Ruhm ist leider nicht mehr viel übrig. Nachdem sich Glenn Danzig von Rubin und Def American Records trennte, um sein eigenes Label Evilive zu gründen, ist die Karriere des kleinen Muskelpakets völlig im Sande verlaufen. Keines der nachfolgenden Alben konnte wirklich überzeugen. Der Hohepriester des Dark Metal verzettelte sich in elektronischen Experimenten und leistete sich katastrophale Ausflüge in den Industrial-Bereich. Mit „777 – I Luciferi“ (2002) war Glenn Danzig endgültig auf dem Tiefpunkt angekommen. Doch mit diesem Album war auch der über sieben Studioalben gehende Masterplan des Muskelzwerges erfüllt. Zeit, sich neuen Herausforderungen zu stellen und dem alten Danzig-Sound eine majestätische Wiedergeburt zu bescheren.

Für die Aufnahmen des achten Studioalbums „Circle Of Snakes“ benötigte der fast 50-jährige Düsterrocker allerdings nur schlappe drei Wochen. Zehn Tage für die Basic-Tracks und für die eigentliche Studioarbeit rund zwei Wochen. Die meiste Zeit ging für die sogenannte Pre-Production drauf, weshalb der Veröffentlichungstermin des Albums einige Male verschoben wurde. Als die Spannung auf dem Siedepunkt war, rückte Mr. Danzig endlich mit dem fertigen Werk raus. Was dann folgte, war eine der größten Enttäuschungen des Musikjahres 2004. Von Jahrhundert-Songs wie „Mother“ ist Glenn Danzig auch anno 2004 so weit entfernt, wie die Erde vom Mond. Aber was noch viel schlimmer wirkt: Das neue Danzig-Album bietet den Sound eines ungemasterten Demos. Hölzern, scheppernd, pappig, seelenlos und grottenschlecht abgemischt. Das kommt davon, wenn man sich das Geld für den Tontechniker und einen Produzenten sparen will. So demontieren sich Denkmäler selbst.

Besonders dramatisch wirkt dieser mieser Gesamtsound, wenn man bedenkt, dass sich das Songwriting auf „Circle Of Snakes“ deutlich auf steigendem Niveau befindet. Stücke wie „Skin carver“, „1000 devils reign“ und „Skull forrest“ sind genau die düsteren Doom- und Metal-Boliden, die man solange vermisst hat. Glenn Danzig heult auf beispiellose Art wie ein Wolf den Mond an und windet sich durch zentnerschwere Riffs und bollernde Drums. Da blitzen doch fast die Tugenden der ersten Alben auf. Aber eben nur fast. Denn auf Dauer versinken die Songs in einem Sumpf aus uninspirierten Geboller und Gebrüll, der das angedeutete Potenzial schnell wieder zunichte macht. Mensch, Herr Danzig, wie lang soll das noch so weiter gehen?! Haben Sie es nicht mehr nötig oder weshalb geben Sie sich mit solch halbgarem Zeug zufrieden? Nehmen Sie sich gefälligst zusammen, holen Rick Rubin zurück und machen aus Ihrem verdammten Talent endlich wieder eine herausragende Platte!

Anspieltipps:

  • Hell mask
  • Skin carver
  • Circle of snakes
  • 1000 devils reign
  • When we were dead
Neue Kritiken im Genre „Rock“
5.5/10

Songs Of Experience
  • 2017    
Diskutiere über „Danzig“
comments powered by Disqus