Howie Day - Stop All The World Now - Cover
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Howie Day Stop All The World Now


  • Label: Epic/SONY
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Endlich hat das Warten ein Ende. Mit gehöriger Verzögerung wird nun auch hierzulande das heißersehnte zweite Album eines der größten Singer/Songwritertalente unserer Zeit veröffentlicht. „Stop All The World Now“ heißt das Objekt der Begierde und stellt im Prinzip das erste „richtige“ Studioalbum des 23-jährigen Howie Day dar. Sein Debütalbum „Australia“ (2002) war nämlich nichts anderes als eine hoch intensive Zusammenstellung selbst finanzierter Aufnahmen und die „The Madrigals E.P.“ aus dem letzten Jahr bot ebenfalls „nur“ Live- und Demo-Aufnahmen, die Day in seinem Apartment in Bangor, Maine (USA) produziert hat.

Doch ab jetzt wird alles anders! Sony Music hat seinen kommenden Superstar mit einem fetten Budget ausgestattet, das dieser bereitwillig investierte. Day zog für drei Monate nach London, wo er in den Olympic Studios 16 Songs einspielte, von denen elf auf dem Album gelandet sind. Unter der Regie von Producer-Legende Youth (The Verve „Urban Hymns“, Crowded House „Together Alone“) und der Mithilfe von erfahrenen Mixern wie Michael Brauer (Coldplay, Starsailor), Chris Lord-Alge (Eric Clapton, Goo Goo Dolls) und Clive Goddard (Sneaker Pimps, Marianne Faithful) entstand ein ausgewogenes, fast schon typisches Songwriteralbum der gehobenen Oberklasse. Day bekommt zwar die Crème der Crème der Studiohexer zur Verfügung gestellt, drückt dies aber nicht in bombastischen Arrangements aus, selbst wenn für fünf Songs das London Session Orchestra unter der Leitung von Gavin Wright verpflichtet wurde. Die verteufelten Streicherparts wurden angenehm zurückhaltend in die Songs eingewoben, sodass diese weiterhin die Grundzüge von Independent- kompositionen tragen.

Schon beim Opener „Brace yourself“ merkt man, dass der London-Aufenthalt ganz besondere Auswirkungen auf das Songwriting des Amerikaners hatte. Der Song klingt wie eine Mischung aus The Verve und Travis, also nach hymnischen, nicht zu überladenen BritPop der edelsten Sorte. „Perfect time of day“ präsentiert sich als ein dramaturgisch perfekt aufgebauter Akustik-Power-Popsong, der als erste Singleauskopplung ausgewählt wurde und an die späten U2 minus Pomp & Brimborium erinnert. Damit stellt Howie Day gleich zu Anfang eine seiner größten Stärken unter Beweis, nämlich auf das Wesentliche reduzierte Pop-Meisterwerke abzuliefern, die auf die Grundelemente Gitarre, Schlagzeug, Bass fokussiert sind. Beispiele für diese akustischen Kleinode sind „Sunday morning song“, „You & a song“ und „Collide“, bei denen Day ein Musterbeispiel in Sachen Melodie und Harmonielehre abliefert und mit geringen Mitteln große Gefühle offen legt. Dass Herr Day aber auch ganz anders kann, zeigt das opulente Schlussstück „Come lay down“. Die geheimnisvolle Psychedeliknummer verbindet die dunklen Züge eines Doors-Songs mit dem hymnischen Optimismus eines U2-Stücks, was auf Papier geschrieben wie am Reißbrett entworfen klingt, aber ganz hervorragend funktioniert. Ein echter Geheimtipp, den man unbedingt gehört haben muss!

Natürlich ist „Stop All The World Now“ nicht mehr die große Sensation vom Schlage eines „Australia“. Dazu haben sich vielleicht auch ein zwei Songs eingeschlichen, die sich nicht auf dem schwindelerregend hohen Niveau des Vorgängers befinden. Trotzdem liefert das Jungtalent ein Album zwischen erfrischenden Rocksongs und melancholischen Akustikballaden ab, das genügend Potenzial für einen der vorderen Plätze in den diversen Jahrespolls 2004 hat. Und wer nicht glaubt, welch herausragendes Talent in dem Burschen steckt, der höre sich die Eröffnungstroika der vorliegenden CD noch mal ganz genau an.

Anspieltipps:

  • Collide
  • Brace yourself
  • Come lay down
  • You & a promise
  • Perfect time of day
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