Fendt - Cortina - Cover
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Fendt Cortina


  • Label: Pias Recordings/ROUGH TRADE
  • Laufzeit: 65 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Als Musikredakteur kann man den Niedergang der Plattenindustrie quasi live miterleben und sich über so manche Verhaltensweise nur schwer wundern. Ein Reizthema ist zum Beispiel die Bemusterung von Journalisten. Die großen Plattenfirmen wollen am liebsten überhaupt keine Rezensionsexemplare mehr herausrücken (Stichwort „digitale Bemusterung“), was dazu führt, dass in bestimmten Fällen selbst die größten Musikzeitschriften zum Zeitpunkt einer Plattenveröffentlichung keine Kritik anbieten können. Kleinere Labels müssen dagegen förmlich Klinkenputzen, um für ihre Acts einen noch so kleinen Artikel oder eine CD-Kritik herauszuholen.

Als Paradebeispiel für diesen Vergleich hat es nun ausgerechnet die Traunsteiner Newcomerband Fendt getroffen. Die Musiker, der nach einer Landmaschinenfirma benannten Gruppe, sind bereits seit zehn Jahren in der Szene aktiv. Unter dem Namen Somersault ernteten sie in der Zeit von 1994 - 1998 eine Menge Kritikerlob und tourten mit so bekannten Kollegen wie Slut, Chris Cavacas, Grandaddy und Motorpsycho durch die Republik. Ein zählbarer Erfolg blieb allerdings aus. Jetzt legen die Herren Christian Friese (Gitarre, Vocals), Boris Mitterwieser (Bass) und Tobias Bürger (Drums) unter neuem Bandnamen („... der genauso gut ’Deutz’ oder ’John Deere’ hätte lauten können...“) mit dem Album „Cortina“ einen einstündigen Ausflug in die Welt des Emo-Noise-Pop-Core vor. Und dieser gelingt ausgesprochen gut. Das Trio zaubert versponnene Traumlandschaften aus der Tiefe des Klangraums, mit schleppenden Beats, angenehm tiefen Bassstößen, gefühlvollen Gesangsspuren, spärlichem, aber umso intensiveren Streichereinsatz (Maria Gruber glänzt an der Violine) und üppigen Gitarrenflächen. Insgesamt neun Songs wurden in der Zeit von Juli bis Dezember 2003 für das Album aufgenommen und alle klingen wie aus einem Guss, den man versuchsweise mit einer Mischung aus Slut, The Gathering und den späten Radiohead beschreiben könnte.

Schon schwer, für diese Art Musik eine über überschaubare Verhältnisse hinausgehende Zielgruppe zu finden. Der gemeine Rocker wird mit den zarten Tönen, die nur selten einen Ausbruch erleben, wenig anfangen können. Und auch der Popfan wird in „Cortina“ nicht das finden, was er gemeinhin sucht. Dabei ist Fendt ein überdurchschnittliches Emo-Pop-Album gelungen, das zum Träumen und Entspannen einlädt. Mit „Cortina“ lässt sich der Alltag prima vergessen und die Gedanken schweifen getragen von luftigen Arrangements in die weite Ferne. Und das ist einfach pfundig Buam!

Anspieltipps:

  • Home
  • Heaven
  • Unpopped
  • Russian vitamin
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