Cypress Hill - Till Death Do Us Part - Cover
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Cypress Hill Till Death Do Us Part


  • Label: Columbia/SONY
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Inzwischen gehört es zum musikalischen Alltag: Die Vermengung von Rap und Rock. Doch wer kann sich eigentlich den Vorreiter-Button für den als „Crossover“ bekannt gewordenen und oft kopierten Style ans Revers hängen? Die antwort lautet Cypress Hill! Die 1988 gegründete Hardcore-Kiffer-Rap-Gang gab vor über zehn Jahren die Initialzündung für ein komplett neues Genre, als sie auf dem „Judgement Night“-Soundtrack (1993) mit Pearl Jam und Sonic Youth kollaborierten und dieses Konzept auf ihren folgenden Alben fortsetzte, während es für die anderen Beteiligten (u.a. Helmet & House Of Pain, Teenage Fanclub & De La Soul, Slayer & Ice-T) ein einmaliger Ausflug in die Welt des Crossover war, der im Prinzip von Aerosmith und Run D.M.C. mit der Neubearbeitung des Aerosmith-Klassikers „Walk this way“ (1986) ins Leben gerufen wurde.

Jetzt meldet sich die nach einer Straße im berüchtigten L.A.-Stadtteil South Central benannte Band um Mastermind B-Real (Louis Freese), Rapper Sen Dog (Senen Reyes), DJ Muggs (Lawrence Muggerud) und dem neuestem Mitglied, Percussionist Eric Bobo - Sohn von Cuban-Jazz-Legende Willie Bobo – nach zwei Jahren Pause mit ihrem neunten Album „Till Death Do US Part“ auf der Bildfläche zurück. Die weltweit erfolgreichste Rap-Combo (16 Millionen verkaufte Tonträger), die immer für einen Skandal gut ist (legendär, als sich DJ Muggs bei einem TV-Auftritt bei „Saturday Night Live“ auf der Bühne einen Joint ansteckte, während der Rest der Gruppe zu der Nummer „We ain´t going out like that“ ihr Equipment vollkommen zerstörte), geht mit dem Album zurück zu ihren den HipHop-Wurzeln und fährt den Rockanteil deutlich herunter. Dabei ist „Till Death Do Us Part“ ein dunkles Werk voller Andeutungen menschlicher Sterblichkeit, verbunden mit moralischen Geschichten, angetrieben durch die slammenden Beats der Band.

Eingespielt in sechs Monaten in DJ Muggs’ Studio in Los Angeles, führen die 16 Tracks wieder zu dem Punkt zurück, an dem alles begann: Roher HipHop mit Rock-, Reggae- und Latin-Einflüssen, gepaart mit einer vollen Breitseite Gangsta-Rap, finsteren Beats, derben Beschimpfungen und den obligatorischen Pistolenschüssen. Eigentlich nichts Neues für das Genre, aber für Cypress Hill eine Weiterentwicklung, die sich an der eigenen Geschichte orientiert: „Wir wollten nicht die gleichen ausgetrampelten Pfade beschreiten oder dieselbe Platte noch mal machen. Cypress Hill waren immer dafür bekannt, Trendsetter zu sein und ich denke, dass es für die Band Zeit war, wieder etwas anderes zu versuchen. Um noch mal eine eigene Welt innerhalb der bereits bestehenden zu kreieren. Wir springen auf keine Züge auf. Wir machen nicht nur Hit-Records. Wir machen Platten, die Klassiker werden und den ‚Test der Zeit’ bestehen können“.

Angefangen mit dem pumpenden Straight-Up-Gangsta-Rap „Another body drops“, der mit fetten Beats und sägenden Gitarren-Licks aus der Feder von Regie Stewart zu überzeugen weiß, über den mit Streichern, Harfen- und Piano-Parts aufgepeppten Mafia-Rap „Till death comes“ und den mit Congas und Gitarren gespickten Latin-Track „Latin thugs“ (featuring den Puerto Ricanischen Hardcore-Rapper Tego Calderon), zelebrieren die Dope-Fetischisten aus South Central einen höchst abwechslungsreichen „Tripple R“-Cocktail (Rap, Rock, Reggae) der Extraklasse. So ist der gesungene Reggae-Dub-Track „Busted in the hood“ ein Musterbeispiel für klassischen Old-School-Rap, der den Beastie-Boys-Refrain „Here’s a little story that must be told….” in den Song, der sich gegen harte Drogen ausspricht, integriert. Die erste Single „What’s your number?“ (eine Adaption des Clash-Songs „Guns of Brixton“) ist eine treibende Ska-Rock-Nummer, eine augenzwinkernde Ode an das Aufgabeln eines Mädchens im Club. Das Instrumental wird dabei von einer Live-Band gespielt, unterstützt von Rancid-Frontmann Tim Armstrong an Gitarre, sowie „Skinhead Rob“ Ashton von den Transplants als Backgroundvocalist. Aber auch Songs wie das straighte „Money“ oder das horrorartige „Never know“ beschreiten einen erfolgreichen Drahtseilakt zwischen Streetcredibility und Kommerz, mit dem Anspruch, die Gangsta-Historie der Band nach zu zeichnen.

Mit „Till Death Do Us Part“ beweisen Cypress Hill, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören, auch wenn sie als gestandene Plattenmillionäre schon längst nichts mehr mit dem Lifestyle zu tun haben, von dem ihre Songs handeln. Das Album bietet 50 Minuten hervorragendes „Rock ’N Rap“-Entertainment, das sich in den Charts genau so gut machen dürfte, wie in den Großstadtghettos der East- und Westcoast.

Anspieltipps:

  • Money
  • Street wars
  • Latin thugs
  • Never know
  • Another body drops
  • What’s your number? – Feat. Tim Armstrong
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