Nada Surf - Live In Brussels - Cover
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Nada Surf Live In Brussels


  • Label: Labels/EMI
  • Laufzeit: 69 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit der Essenz aus noch nicht mal zehn Jahren Bandgeschichte liefern Nada Surf ein kleines Meisterwerk ab.

Von der gefeierten College-Rockband mit MTV-kompatibler Hitsingle („Popular“, 1996) zur ungezwungen aufspielenden Indie-Rock-Kapelle, das ist in Kurzform die Geschichte des New Yorker Trios Nada Surf (Matthew Caws, Gitarre, Daniel Lorca, Bass und Ira Elliot, Drums) oder die ungewollte Selbstwerdung eines Bandnamens (Nada Surf ist sinngemäß der spanische Begriff für die Befreiung aus einer Depression). Denn eigentlich lief alles ganz toll für die drei Highschool-Freunde, als sie ihren ersten Plattenvertrag beim Major Elektra/Warner Bros. unterschrieben, ihr Debütalbum „High/Low“ mit Indie-Legende Ric Ocasek als Produzenten aufnehmen durften und bereits die erste Single „Popular“ in den Charts platzieren konnten. Doch dann setzte das Mysterium von der größenwahnsinnig gewordenen Plattenfirma ein, was die Band lange Zeit auf Eis legte.

Ihr zweites Album „The Proximity Effect“ (1998) war nur in Europa erhältlich und konnte erst zwei Jahre später in den Staaten veröffentlicht werden, als sich Nada Surf nach einem erbitterten Rechtsstreit von ihrem alten Label trennten. Mit dem im Spätsommer 2002 beim französischen EMI-Ableger Labels erschienenen Werk „Let Go“ gaben Nada Surf ihr Comeback und zeigten sich als deutlich gereifte Band, die mit dem Teenie-Rock aus den Anfangstagen nichts mehr zu tun hatte. Die Tour zum „Let Go“-Album führte die Band 18 Monate durch die ganze Welt und an die unterschiedlichsten Konzertorte. Egal ob riesengroße Festivals (Glastonbury) oder Auftritte in leeren Swimming Pools, Nada Surf waren für alles zu haben. Das Dokument dieser Mammut-Tour erscheint nun als Zwischenmahlzeit bis zur nächsten Studioplatte in Form des ersten Live-Albums „Live In Brussels“, das die Band vor fast genau einem Jahr, am 31. März 2003, im AB Club in Brüssel aufgenommen hat und einen auf 16 Songs verteilten Querschnitt durch die drei Studioalben der New Yorker bietet.

Damit präsentieren Nada Surf endlich mal wieder ein Live-Album, das ein komplettes Konzert wiedergibt und nicht aus verschiedenen Auftritten zusammengeschnitten wurde, um die Unzulänglichkeiten der Protagonisten zu verschleiern (Hallo Linkin Park!!). Somit bürgt „Live In Brussels“ für bestes Live-Feeling, in deren unverkrampfter Stimmung die Songs ihre ganze Pracht entfalten, die im Studio schon mal etwas unterzugehen droht. So rockt sich die Band mit bestechender Leichtigkeit durch melodietrunkene Gitarrenorgien („Amateur“, „Robot“), atmosphärisch-düstere Radiohead-Anleihen („Killians red“, „Fruit fly“), allerprächtigsten Emo-Core („Inside of love“, „Blonde on blonde“), groovige Rocksongs („Hi speed soul“, „Happy kid“, „Bacardi“) und die einzige Hitsingle ihrer Karriere („Popular“), was für durchgehenden Spaß an dieser Live-Scheibe sorgt.

Mit der Essenz aus noch nicht mal zehn Jahren Bandgeschichte liefern Nada Surf ein kleines Meisterwerk ab. Alle Songs funktionieren live ausnahmslos gut und erzeugen eine durchgehende Hochstimmung, die zu der Erkenntnis führt, dass die Band bisher erheblich unterschätzt wurde und eigentlich einen Spitzenplatz unter den besten Gitarren/Power-Pop-Bands dieser Tage verdient hat.

Anspieltipps:

  • Ice box
  • Amateur
  • Inside of love
  • Treading water
  • Blonde on blonde
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