Brian Wilson - Smile - Cover
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Brian Wilson Smile


  • Label: Nonesuch/WEA
  • Laufzeit: 47 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

„Smile“ ist, wie in den 60er Jahren angedacht, in drei Sätze unterteilt – „Americana“, „Childhood“ und „Elements“ – und lässt vom simplen Fröhlich-Sound der Beach Boys nicht mehr allzu viel übrig.

Brian Wilson presents „Smile”. Vier unscheinbare Worte, hinter denen sich schlicht der Mythos vom großartigsten Popalbum aller Zeiten verbirgt. Übertrieben? Aber nicht doch! Jeder, der sich ein wenig für Rock-Geschichte interessiert, stößt irgendwann ganz zwangsläufig auf die Erzählung von dem geheimnisvollen Beach-Boys-Album, das nie erschien und doch stets omnipräsent war: „Smile“. Es war im Jahr 1966, als die immerfröhlichen Beach Boys um Mastermind Brian Wilson mit „Pet Sounds“ ihr bis dato bestes Album herausbrachten. Die Platte gilt noch heute als eines der großartigsten Popalben aller Zeiten und inspirierte zum Beispiel die Beatles zu ihrem bahnbrechenden Psychedelik-Werk „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“.

Vom Erfolg des Albums geblendet, schwebte Brian Wilson die Idee eines noch brillanteren Nachfolgers vor, der zum Maßstab in Sachen Psychedelik-Pop werden sollte. Noch größer als „Pet Sounds“ und natürlich „Sgt. Pepper” der Beatles, die Wilson in dem Bereich zuvorgekommen waren. Zusammen mit Kumpel Van Dyke Parks machte er sich 1967 ans Songschreiben. Doch die übrigen Beach Boys hatten kein großes Interesse an dem Projekt, sodass Wilson im Alleingang an den Tracks arbeiten musste. Es ging nur schleppend voran. Die Plattenfirma machte Druck und Wilsons Drogenkonsum steigerte sich ins Unermessliche, bis er in tiefe Depressionen verfiel und die Aufnahmen auf halber Strecke abbrach. Im Laufe der nächsten Jahre tauchten aber immer wieder Teile aus den sagenumwobenen „Smile“-Sessions auf. „Good vibrations“, „Heroes and villains“, „Vegetables“, „Cabinessence“, „Wind chimes“, „Wonderful“ oder „Surf's up“ wurden in veränderter Form auf späteren Beach-Boys-Alben veröffentlicht, andere Stücke blieben jedoch reine Fragmente, die auf zahllosen Bootlegs und dem Box-Set „Good Vibrations: Thirty Years Of The Beach Boys” (1993) auftauchten. Dadurch bildete sich ein 37 Jahre andauernde Mythos und das verschollene Meisterwerk der Beach Boys, das es nie gegeben hat und auch nie geben wird!

Das vorliegende Album ist eine originalgetreue Rekonstruktion des ursprünglichen Materials. Stück für Stück im Sommer 2004 mit der Brian Wilson Tourband neu eingespielt und um die fehlenden Elemente ergänzt, ist „Smile“ nicht das verschollene Original, sondern eine notengetreue Interpretation von dem, was im Jahre 1967 hätte erscheinen sollen. Von daher muss man sich von dem bekannten Bootleg-Material lösen und „Smile“ als ganz neues Werk begreifen, das nicht den paranoiden Brian Wilson von vor 37 Jahren zeigt, sondern einen fitten 62 Jährigen, der den Inbegriff seines größten Scheiterns aufarbeitet.

„Smile“ ist, wie in den 60er Jahren angedacht, in drei Sätze unterteilt – „Americana“, „Childhood“ und „Elements“ – und lässt vom simplen Fröhlich-Sound der Beach Boys nicht mehr allzu viel übrig. Zwar sind Songs wie „Heroes and villains“ oder „Good vibrations“ immer noch grandiose Singalongs, doch haben sie mit der Simplizität der frühen Beach-Boys-Aufnahmen kaum noch Gemeinsamkeiten. Die Songstrukturen sind komplizierter, ineinander verschachtelt und wie eine große Pop-Oper aufgebaut. Ganz klar, „Smile“ wäre ein Meisterwerk der 60er Jahre gewesen. Soviel steht nach dieser Neuaufnahme fest. Eine Platte, die jeder im Regal haben muss!

Anspieltipps:

  • Surf´s up
  • On a holiday
  • In blue Hawaii
  • Good vibrations
  • Heroes and villains
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