Anastacia - Anastacia - Cover
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Anastacia Anastacia


  • Label: Epic/SONY
  • Laufzeit: 49 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine Priese Soul und jede Menge Pop mit eingängigen Melodien.

Dass Anastacia Newkirk im Januar letzten Jahres verkündete, sie sei an Brustkrebs erkrankt, wollen wir hier nicht weiter thematisieren, obwohl wir bei unseren Kritiken ganz gerne etwas weiter ausholen. Doch selbst wenn viele Fans von der Nachricht geschockt und später um so glücklicher waren, als Anastacia ihre Krankheit in der Rekordzeit von sechs Monaten besiegt hatte, wird im Musikbusiness wirklich alles zu Promotionzwecken benutzt, sodass man im Zusammenhang mit einer CD-Kritkík auf solch ernsten Themen nicht herumreiten sollte.

Viel lieber kann man sich damit beschäftigen, dass Anastacia zu den beliebtesten Künstlern dieser Zeit, wobei sie besonders vom europäischen Publikum ins Herz geschlossen und ihre Platten wie geschnitten Brot gekauft wurden. Dabei trifft auf die 30-jährige Chicagoerin die seltene Situation zu, dass sie als Amerikanerin in ihrer Heimat kommerziell kein Bein auf den Boden bekommt und alle Versuche, dies zu ändern, kläglich gescheitert sind. Dafür zählt die Power-Frau in Europa zu den absoluten Megasellern. Ihre Alben „Not That Kind“ (2000) und „Freak Of Nature“ (2002) waren unglaublich erfolgreich und fanden in den vergangenen vier Jahren mehr als zehn Millionen Käufer.

Im September 2003 ging Anastacia mit den Grammy-Preisträgern Glen Ballard (Alanis Morissette, Dave Matthews Band), Dallas Austin (TLC, Pink, Boyz II Men, Madonna) und Dave Stewart ins Studio und machte sich auf eine, wie sie selbst sagt; „nicht ganz einfache, kreative Reise”. „Sprock Music“ nennt Anastacia den Stil, der dabei herauskam (eine Mischung aus Soul, Pop und Rock) und nach sechs Monaten Produktionszeit auf ihrem dritten Studioalbum mit dem Titel „Anastacia“ veröffentlicht wird. Dabei war im Vorfeld abzusehen, dass Anastacias Auftritt nach den bitteren Erfahrungen um einiges reifer ausfallen würde, was sich auch rein äußerlich in dem Verzicht auf ihre albernen bunten Brillen zeigt.

Doch auch anno 2004 sind die meisten Zutaten ihres Albums nur allzu gut bekannt: Eine Priese Soul und jede Menge Pop mit eingängigen Melodien und eher simplen Kompositionen, die bereits die beiden Vorgänger zu substanzlosen Vehikeln für zwei bis drei Hitsingles degradierten. Dazu kommt eine Stimme mit enormen Wiedererkennungswert, die jedoch so stark polarisiert, dass die Anastacia-Gegner mindestens so zahlreich sind wie ihre Anhänger. Allerdings kommt zu der bekannten Pop-Basis heuer ein deutlich rockigerer Grundton dazu, bei dem die hoch bezahlten Studioprotagonisten beherzt zu schneidigen E-Gitarrenklängen greifen („Seasons change“, „Time“) oder, wie bei der ersten Singleauskopplung „Left outside alone“, ganz auf dramatisch machen, indem sie den Gitarrensound mal eben bei den Nu-Gothic-Kollegen von Evanescence abkupfern. Ansonsten bleibt bei Anastacia alles beim Alten. Trotz der neuen Rock-Power haben die zuckersüßen Melodien weiterhin keine Ecken und Kanten und bollern entweder mit penetranter Mainstream-Wucht aus den Boxen („Rearview“, „Welcome to my truth“) oder schleichen sich als schrecklich belanglose Balladen („Maybe today“) wie klebriger Honig in die Gehörgänge.

Vermutlich werden die Altkäufer auch das neue Anastacia-Werk wie wild aus den Regalen reißen (ja, auch diese Erstauflage kommt mit Bonus-DVD...), denn sie bekommen genau das geboten, was ihnen auch bei den ersten beiden Platten gefallen hat. Nämlich fett produzierter Power-Rock/Pop ohne besondere Niveauansprüche mit der Halbwertzeit von Fast Food. Das kann man sogar gut finden, solange man nicht täglich mit dieser Musik durch MTVIVA und das Radio belästigt wird.

Anspieltipps:

  • Seasons change
  • Heavy on my heart
  • Left outside alone
  • Welcome to my truth
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