The (International) Noise Conspiracy - Armed Love - Cover
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The (International) Noise Conspiracy Armed Love


  • Label: Burning Heart/SPV
  • Laufzeit: 39 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Als Refused am 6.Oktober 1998 ihr letztes Konzert gaben, war die Enttäuschung mehr als groß. Schließlich haben sie mit ihrem letzten Werk „The Shape Of Punk To Come“ die um sie kursierende Hysterie nicht nur auf den Höhepunkt gebracht, sondern auch eines der Referenzwerke für das Genre abgeliefert. Nie wollten sie sich oder ihre Musik in den Mittelpunkt stellen, lediglich ihre politischen und sozialkritischen Texte sollten zum Nachdenken über die Gesellschaft und deren Strukturen anregen. Da sich der erreichte Erfolg keineswegs mit den Prinzipien der Band in Einklang bringen ließ, trennte man sich.

Schon in den letzten Monaten von Refused wurde die Idee von Dennis Lyxzén (Gesang) und Lars Strömberg (Gitarre) geboren, eine Formation abseits von ihrer Stammband mit dem Namen „The (International) Noise Conspiracy“ zu gründen. Darin sollten ähnliche Themen aufgegriffen werden, jedoch mit differenzierter musikalischer Untermalung. 60s Punkrock in all seiner dreckigen und rauen Pracht sollte es sein. Doch erst nach dem Split der Hauptband war die Geburtsstunde gekommen. Inge Johannson (Bass), Sara Almgren (Tamburin und Orgel) und Ludwig Dahlberg (Schlagzeug) schlossen sich an und das politische Kollektiv zog in die Schlacht, immer mit einem dicken Manifest unterm Arm.

Dummerweise bricht nach der Veröffentlichung der ersten Songsammlung „The First Conspiracy“, die vorerst nur in Asien und Kanada unter diesem Namen und 2001 in Europa veröffentlicht wird, ein Hype aus. Trotzdem geben The (International) Noise Conspiracy nicht auf, ihre Statements an den Mann beziehungsweise die Frau zu bringen und versuchen auf der Tour zum 2000er Album „Survival Sickness“ weiter ihre Grundsätze und Dogmen zu vermitteln. Ein Jahr später erscheint „A New Morning, Changing Weather“ und sie befinden sich wieder dort, wo Refused nach „The Shape Of Punk To Come“ waren: Auf dem Höhepunkt ihres Schaffens. Wieder muss Dennis Lyxzén feststellen, dass sein Vorhaben kläglich gescheitert ist. Dafür macht seine Band einfach zu gute Musik. Zwischenzeitlich verlässt Sara Almgren, die mehrere Jahre Lyxzéns Freundin war, aufgrund von Streitigkeiten die Band.

Einige Zeit später klopft Rick Rubin an, um ihr nächstes Studioalbum zu „veredeln“. Sie sagen nicht nein und spielen „Armed Love“ mit Billy Preston (spielte u.a. mit Johnny Cash oder den Beatles) an der Orgel ein. Vorbei die Zeit, wo man auf Teufel komm raus Erfolg vermeiden wollte, nur um eine „Message“ unters Volk zu bringen. Die Kanten werden geschliffen, der Rest poliert. Herr Rubin versteht eben sein Handwerk. T(I)NC natürlich auch und genau deswegen ist das offizielle Studioalbum Nummer drei ein Ohrenschmaus für alle Marxisten und solche die einfach tanzen wollen geworden.

Jeder Song schafft es, sich dauerhaft einzuprägen und führt zu höchstem Ohrwurm-Alarm. Bestes Beispiel ist der Track „Communist moon“, der rotzfrech grinsend alle bisherigen Pamphlete eint und im Refrain zuerst durch Lyxzén und dann durch das versammelte „Proletariat“ „Let´s all share our dreams under a communist moon“ zum Besten gegeben wird. Damit wurde das Ziel erreicht, ein Statement abzugeben, das nicht gleich in Hype und Hysterie untergeht. Die anderen Tracks stehen dem Ganzen in Nichts nach und rocken ebenfalls was das Zeug hält. Wer bei „Let´s make history“, „The dream is over“, „This side of heaven“ oder „The way I feel about you“ ruhig dasitzen kann, ohne wenigstens im Takt zu schnippen, liest wohl lieber Karl Marx, als der Band zuzuhören, die er mit Sicherheit als Hintergrundbeschallung für Parteireden auserkoren hätte.

Nicht selten wird der Hörer von der Spielfreude des Quintetts erschlagen und hört mehrere Songs öfters hintereinander, um Kleinigkeiten im Spiel oder den Vocals auszumachen. Live fegen sie über das Publikum seit eh und je wie ein Orkan, diesmal tun sie es, schenkt man kritischen Meinungen über die letzten Alben Beachtung, auch auf CD gedampft.

Anspieltipps:

  • Armed Love
  • Communist Moon
  • Let´s Make History
  • The Dream Is Over
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